

Wer Steine zurechtklopfen kann, sollte auch in der Lage sein, Holz in gewünschte Formen zu bringen. Allerdings überdauern hölzerne Artefakte die Jahrtausende meist nur schlecht, weswegen sich unser Wissen über die Anfänge menschlicher Technologie vor allem an Steinernem festmacht.
Nun berichtet ein Team um Katerina Harvati von der Universität Tübingen und Annemieke Milks von der University of Reading in England in der Fachzeitschrift PNAS vom Fund der frühesten bisher entdeckten Holzwerkzeuge überhaupt. Sie sind 430.000 Jahre alt und damit 130.000 Jahre älter als die bisher frühesten, die erst im vergangenen Jahr in China gefunden worden waren. Nur zwei behauene Holzbalken aus Sambia sind mit 476.000 Jahren noch älter, allerdings handelt es sich bei ihnen nicht um Werkzeuge. Gleiches gilt für eine 400.000 Jahre alte Speerspitze aus England.
Die aktuelle Entdeckung gehört zu 144 Holzstücken, die im Herzen des Peloponnes zutage kamen, unweit des Ortes Megalopoli, der trotz seines Namens nur eine Kleinstadt ist. Bei der Fundstelle „Marathousa 1“ handelt es sich um einen Ort, an dem Frühmenschen während der Elster-Kaltzeit ein Refugium fanden. Neben dem Holz kamen dort auch Steinwerkzeuge sowie Skelettreste eines europäischen Waldelefanten zum Vorschein, der dort offenbar von Frühmenschen zwecks Verzehrs zerlegt worden war.
Eine detaillierte Untersuchung der 144 Holzobjekte fand bei zweien klare Spuren einer bewussten Bearbeitung – Kerben auf einem dritten stellten sich als Hinterlassenschaften von Krallen eines Raubtieres heraus. Möglicherweise, so die Forscher, konkurrierte es mit den Steinzeitmenschen um den Elefantenkadaver. Eines der beiden zurechtgeschnitzten Holzgeräte besteht aus Erlenholz, diente vielleicht als Grabstock und ähnelte damit funktional den chinesischen Funden. Der Zweck des zweiten Holzobjekts ist indessen rätselhaft, es könnte aber bei der Fertigung von Steinwerkzeugen Anwendung gefunden haben.
Milks, Harvati und ihre Mitautoren stellen keine Vermutungen darüber an, zu welcher Frühmenschenart die Urheber der beiden Holzartefakte gehört haben könnten. Aus Griechenland gibt es aus dieser Zeit noch keine menschlichen Skelettreste. Weil Homo sapiens erst vor 350.000 Jahren in Afrika belegt ist und daher kein wahrscheinlicher Kandidat ist, könnte es sich um frühe Neandertaler gehandelt haben.
