Fraport ruft „Zeitenwende“ am Frankfurter Flughafen aus

An den Schaltern und den Sicherheitskontrollen des neuen Frankfurter Flughafenterminals herrscht schon stundenweise Hochbetrieb, obwohl es erst am 23. April in Betrieb geht. Vor der Er­öffnung lässt der Flughafenkonzern 8000 Komparsen im Terminal 3 – intern T3 genannt – alle Abläufe testen, bis zu 1000 Menschen sind gleichzeitig vor Ort. Man will auch erforschen, ab welcher Länge Warteschlangen bei – aktuell nur simulierten – Pannen unangenehm werden.

Mit der Eröffnung von T3, in das rund vier Milliarden Euro investiert wurden und das bis zu 19 Millionen Reisende pro Jahr abfertigen kann, soll für Fraport eine neue Ära anbrechen. Der Vorstandsvorsitzende Stefan Schulte spricht gar von einer „Zeitenwende“. Und damit meint er nicht nur, dass Passagiere künftig schnellere, modernere Abläufe – und eben wenige Warteschlangen – erleben sollen. Schulte sieht auch eine Wende mit Blick auf die Konzernbilanz.

„Wir gehen aus einem großen Zyklus der Bauinvestitionen heraus“, sagt er. T3 ist sogar das letzte Vorhaben in diesem Zy­klus, das neue Terminal des Fraport-Flughafens im peruanischen Lima und der Ausbau im türkischen Antalya sind schon fertig. Zusammen haben die Großprojekte, weitere kleinere Vorhaben und Pandemielasten dazu geführt, dass Fraport einen Schuldenberg von mehr als acht Milliarden Euro aufgetürmt hat, der nun mit dem Zusatzgeschäft durch die Erweiterungen schrittweise abgetragen werden soll.

Die dividendenlose Zeit soll enden

Schulte und Finanzvorstand Matthias Zieschang sind zudem überzeugt, dass die Geschäfte mit neuen Terminals so gut laufen werden, dass es auch eine „Zeitenwende“ für Aktionäre geben wird. Die Ankündigung von Dividendenzahlungen für dieses und die folgenden Jahre machte An­leger euphorisch. Mit einem Kursplus von sechs Prozent gehörte die Fraport-Aktie zu den Tagesgewinnern im M-Dax am Dienstag.

Die Anteilseigner hatten mehrere dividendenlose Jahre hinnehmen müssen, nun wird zur diesjährigen Hauptversammlung eine Ausschüttung von ei­nem Euro je Aktie vorgeschlagen. Für die Folgejahre stellt Fraport in Aussicht, 60 bis 80 Prozent des Konzerngewinns an die Anteilseigner auszuschütten. Das kann zu einer Vervielfachung der Dividendenzahlung führen, obwohl Fraport für 2026 einen sinkenden Überschuss prognostiziert, da mit der T3-Fertigstellungen Zahlungen und Abschreibungen nötig werden.

2025 schloss Fraport mit einem Gewinn von 468 Millionen Euro ab, sechs Prozent weniger als im Vorjahr, da Zahlungen und Abschreibungen für das Großprojekt in Lima verbucht wurden. Schulte sagte dennoch: „Wir blicken auf ein gutes Jahr zurück.“ Das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen erreichte mit 1,4 Milliarden Euro einen Rekordwert. Der bereinigte Umsatz stieg um acht Prozent auf 4,2 Milliarden Euro.

Passagierzahlen in Frankfurt weiterhin deutlich unter Höchststand

2025 war auch das erste Jahr, in dem Fraport die Passagierzahlen des Vor-Co­rona-Jahres 2019 übertraf. An allen Konzernflughäfen stiegen 184 Millionen Reisende ein, aus oder um. Treiber waren die 14 vor allem von Urlaubern genutzten Flughäfen in Griechenland, die Fraport nach dem Gewinn der Betriebskonzession modernisiert hatte. Dort liegen die Pas­sagierzahlen 23 Prozent über dem Vor-Corona-Niveau, an den gerade fertiggestellten Ausbaustandorten in Antalya und Lima erreichte das Plus acht beziehungsweise zehn Prozent.

Der Frankfurter Flughafen, der größte im Fraport-Portfolio, blieb hingegen mit 63,2 Millionen Passagiere zehn Prozent unter früheren Höchstwerten. Und die werden auch im laufenden Jahr nicht erreicht. Schulte zeigte sich aber damit zufrieden, dass Frankfurt nach den Anmeldungen der Airlines mit vier Prozent mehr Starts und Landungen sowie sechs Prozent mehr Sitzplätze auf den Flügen rechnen könne. „Wenn man das mit anderen größeren deutschen Flughäfen vergleicht, sind wir die Einzigen, die in diesem Jahr wachsen.“

Nahost-Konflikt dämpft Fraport-Geschäft kaum

Der Konflikt im Mittleren Osten hat derweil geringe Auswirkungen. Die Passagierzahlen in Frankfurt lägen aktuell ein Prozent unter den Vorjahres­werten. Passagiere, die in die Krisenregion flogen, machten nach Konzernangaben 2025 etwa 4,5 Prozent des Reisenden­aufkommens aus. Drei Viertel davon stiegen an den Drehkreuzen in Dubai, Abu Dhabi und Qatar auf Anschlussflüge um. Dämpfend auf Reisendenzahlen könne sich noch auswirken, dass Ticketpreise für Non­stop-Flüge nach Asien zuletzt gestiegen seien.

Wegen des Rückstands auf frühere Passagierrekorde nimmt sich Fraport mehr Zeit für die Sanierung des Terminals 2. Das soll nach der T3-Eröffnung und dem in vier Schüben geplanten Umzug von Fluggesellschaften an neue Schalter zunächst aus dem Betrieb gehen. Die Kapazitäten des Terminals 2, das kleiner als das T3 ist, werden vorerst nicht benötigt.

Noch sind die Förderbänder leer: Das Frankfurter Terminal 3 eröffnet am 23. April.
Noch sind die Förderbänder leer: Das Frankfurter Terminal 3 eröffnet am 23. April.Timo Kotowski

Planungsaufträge für die Modernisierung sind laut Schulte schon vergeben. Doch man will zunächst alle Details – bis zur letzten Leitungsverlegung – zu Ende planen, bevor große Arbeiten zu vergeben seien. Über große Bauarbeiten will Fraport erst von 2029 an entscheiden. Eine komplette Wiederinbetriebnahme ist laut Schulte für 2034 oder 2035 vor­gesehen.

Fraport kalkuliert damit, dass der größte Airport-Nutzer, Lufthansa, in Frankfurt expandieren will. Vereinbarungen mit Lufthansa sind dazu noch nicht geschlossen. „Wir befinden uns in guten Gesprächen“, sagte Schulte. Gleichwohl sei der große T3-Neubau richtig gewesen. Wenn das Verkehrsaufkommen wie zuletzt wachse, werde man in zehn Jahren für Terminal eins und zwei die Vor-Corona-Zahlen erreichen – mit dem Unterschied, dass der gesamte T3-Betrieb zusätzlich da sei.