Französische Bahn SNCF steht mit kinderfreier Business-Klasse in Kritik

Die Einrichtung einer neuen Komfortklasse für Geschäftsreisende bringt die französische Bahn SNCF in die Kritik. Die betreffenden Zugabteile sollen nicht für Kinder unter zwölf Jahren zugänglich sein. „Kinder aus Zugwaggons auszuschließen, das bedeutet, ganze Familien auszuschließen“, schrieb die Kinderschutzbeauftragte der Regierung, Sarah El Haïry, am Donnerstag im Onlinedienst X. Kinder seien „kein Problem, das zu lösen ist“, vielmehr seien sie „Reisende, die gut empfangen werden sollten“.

In den Onlinenetzwerken gab es zahlreiche entrüstete Kommentare zum Kinderverbot in der Komfortklasse. „Die SNCF will keine Kinder in Abteilen für Geschäftsreisende ‒ aber was ist mit den Idioten, die mit ihrer Sekretärin telefonieren und alle daran teilhaben lassen“, schrieb eine Nutzerin. Andere posteten Fotos von Kinderabteilen in finnischen Zügen, mit Spielgeräten und Lese-Ecken. Auch mehrere Politiker sprangen auf das Thema auf. „Kinder auszuschließen bedeutet, die Zukunft auszuschließen“, erklärte der Parteichef der Republikaner, Bruno Retailleau.

SNCF reagiert auf Kritik

Die SNCF versuchte, den Imageschaden zu begrenzen. Das neue Komfortangebot sei speziell für Geschäftsreisende und umfasse nur acht Prozent aller Plätze, und dies auch nur werktags, hieß es in einem Onlinevideo der SNCF, das am Mittwoch veröffentlicht wurde. Schon in einer früheren Klasse für Geschäftsreisende seien keine Kindertickets angeboten worden.

Die französische Bahngesellschaft änderte unterdessen die Beschreibung des neuen Angebots auf ihrer Website. Statt „Kinder sind nicht zugelassen“ heißt es nun, die Geschäfts-Abteile seien „ab zwölf Jahren zugänglich“, und jüngere Kinder seien „selbstverständlich in den übrigen Abteilen willkommen“.