Als Franz Klammer und Bernhard Russi sich 1976 ein legendäres Duell lieferten, sah Urs Willmann als Kind die Niederlage des Schweizer Landsmanns.
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Nach 50 Jahren versuche ich das Unmögliche: in dieser Sache neutral sein. Kann ich über die damaligen Ereignisse schreiben, als sei ich emotional nicht beteiligt gewesen? Kurz vor dem 5. Februar 1976 wäre eine solche Absicht aussichtslos gewesen. In jenen Tagen war jeder auf der Welt, so fühlte es sich an, entweder für Österreich oder für die Schweiz.
Für mich gab es nur Bernhard Russi. Ich war elf und hatte vor dem olympischen Abfahrtslauf ein Album angelegt, ein grünes Ringheft voll mit Zeitungsartikeln über den damals berühmtesten Schweizer Skirennläufer. Darin waren alle Details zur bevorstehenden Olympiaabfahrt am Patscherkofel in Innsbruck vermerkt: Streckenlänge 3.020 Meter, Höhenunterschied 870 Meter, die wichtigen Passagen Enzian-Bödele, Ochsenschlag-Kompression, Bäreneck. Ich hatte auch reingeschrieben, was Russis Lieblingslied war: Reach Out (I’ll Be There) von Gloria Gaynor.
