Frankfurter Buchmesse: Auf Juergen Boos folgt Joachim Kaufmann

Als Juergen Boos 2005 als Direktor der Frankfurter Buchmesse antrat, steckte das Unternehmen in einer tiefen Krise. Boos’ Vorvorgänger Lorenzo Rudolf hatte das beliebte Gastlandprogramm abgeschafft, das Boos’ Vorgänger Volker Neumann zwar wieder einführte, dafür aber das Verhältnis zum Veranstaltungsort mit der Drohung strapaziert, mit der Messe nach München abzuwandern.

Als neuer Direktor glättete Boos die Wogen, lud weiterhin Gastländer ein und gab dem Programm durch persönliches Engagement neuen Auftrieb – wer ihn auf einer Veranstaltung erlebte, die der Vorstellung eines Gastlands gewidmet war, sah einen Buchmessendirektor, der professionelles Lob mit glaubhaftem Interesse für die Literatur des Landes zu verbinden wusste. Boos, der Eindruck entstand, hatte aus den mit dem Auftritt verbundenen Reisen eine Menge mitgenommen.

Während immer weniger Bücher verkauft wurden und auch die Zahl der Leser stetig schrumpfte, ging es der Messe lange Zeit gut. Jahr für Jahr kamen um die 280.000 Besucher, manchmal weniger, oft mehr. Auch die Zahl der Aussteller lag konstant über 7000. Im Jahr 2019 waren es stolze 302.000 Besucher und 7450 Aussteller.

Coronas Zerstörungswerk wirkt nach

Dann kam Corona. In Leipzig und Frankfurt fielen die Veranstaltungen aus oder fanden in Bonsaiversionen statt. Die Buchmesse hat sich davon bis heute nicht richtig erholt, vor allem bei den Veranstaltern. Im vergangenen Jahr waren es 4350, verglichen mit der Zeit vor Corona nur etwas mehr als die Hälfte. Immerhin steigen die drastisch eingebrochenen Besucherzahlen langsam wieder. Im vorigen Jahr waren es 238.000.

Wenn Juergen Boos nun seinen Abschied als Buchmessendirektor ankündigt, übergibt er seinem Nachfolger keine leichte Aufgabe. Und Joachim Kaufmann, der vor zwanzig Jahren in den Carlsen-Verlag eintrat und als Geschäftsführer für das starke Wachstum des Unternehmens von 72 Mitarbeitern auf inzwischen 260 mitverantwortlich ist, leitet künftig eine Organisation, die sich dagegen zuletzt verschlankt hat.

Juergen Boos bei der Frankfurter Buchmesse 2025, die seine vorletzte gewesen sein wird
Juergen Boos bei der Frankfurter Buchmesse 2025, die seine vorletzte gewesen sein wirddpa

In seiner Zeit bei Carlsen hatte es Kaufmann, dem ausdrücklich eine große Lust nachgesagt wird, vorgefundene Strukturen zu verändern, ebenfalls mit einem Traditionshaus zu tun, das abschätzen musste, von welchen lieb gewordenen Strukturen und Inhalten man sich besser trennt, um wirtschaftlich solide dazustehen. Carlsen erlebte einen großen Bedeutungszuwachs durch die „Harry Potter“-Serie, durch Stephenie Meyers Vampir-Romane und andere Jugendbücher mehr. Zugleich zeigte sich, dass die „Petzi“-Bücher, mit denen Millionen Kinder aufwuchsen und denen sich auch Kaufmann emotional verbunden fühlte, kein großes Publikum mehr fanden – Carlsen trennte sich von den allermeisten „Petzi“-Titeln, obwohl der Verlag einst auch um ihretwillen gegründet worden ist.

Kaufmann wird sein neues Amt womöglich ähnlich entschlossen angehen müssen. Zugute kommt ihm, dass er international bestens vernetzt ist, was dabei helfen könnte, Verlage aus Übersee zur Rückkehr auf die Messe zu bewegen. Zugleich setzt er auf Veranstaltungen, um wesentlich mehr Besucher nach Frankfurt zu holen und aus den Ticketverkäufen die Messe noch stärker zu finanzieren.

Diesen Weg hat schon sein Vorgänger eingeschlagen, der die Messetore weit für die Liebhaber des boomenden Genres New Adult geöffnet und massiv in die gewohnte Anordnung der Hallenbelegungen eingegriffen hat. Kaufmann, der zum 1. September in Frankfurt beginnt, will sich alles anschauen, als eine Art Azubi. Bis zum Ende der diesjährigen Messe mit dem Gastland Tschechien gehört Juergen Boos die Bühne.