Frankfurt: Mordanklage nach Unfalltod von Zwillingen auf E-Scooter

Die Frankfurter Staatsanwaltschaft klagt einen 24 Jahre alten Mann aus Bad Kreuznach nach dem tödlichen Unfall im vergangenen Juli auf der Mainzer Landstraße unter anderem wegen des Verdachts des versuchten Mordes und der fahrlässigen Tötung an. Er soll seinerzeit auf einem E-Scooter fahrende Zwillinge mit überhöhter Geschwindigkeit angefahren haben. Die Brüder starben. Der Autofahrer soll unter dem Einfluss von Lachgas gestanden haben.

Nach der Kollision soll der Angeschuldigte seine Fahrt mit gleichbleibender, überhöhter Geschwindigkeit fortgesetzt haben und mit einem weiteren E-Scooter kollidiert sein, der vor den Zwillingen auf dem Fahrradstreifen fuhr. Der 27 Jahre alte Scooter-Fahrer wurde durch den Zusammenstoß auf die Motorhaube des Fahrzeugs geschleudert, wobei sich sein Bein und der E-Scooter am Fahrzeug verhakten. Trotzdem habe der Autofahrer nicht gebremst, heißt es.

Anklage sieht Mordmerkmal der Verdeckung

Der Kopf des Scooter-Fahrers habe die Windschutzscheibe durchschlagen. Der junge Mann erlitt schwere Verletzungen und lag zeitweise im Koma. Er musste sich mehreren Operationen unterziehen und verlor seinen rechten Unterschenkel durch Amputation, wie die Staatsanwaltschaft weiter berichtet.

Einige Stunden später stellte sich der Angeschuldigte der Polizei und gab sich als Unfallverursacher zu erkennen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft ermittelte sie zunächst wegen versuchten Totschlags. Die weiteren Ermittlungen haben demnach aber den hinreichenden Verdacht ergeben, dass das Mordmerkmal der Verdeckungsabsicht gegeben sei. Die Anklage wirft dem Autofahrer deshalb im Zusammenhang mit der zweiten Kollision neben schwerer Körperverletzung auch versuchten Mord vor.

Der Angeschuldigte befindet sich seit Juli in Untersuchungshaft. Das Landgericht Frankfurt wird nun über die Eröffnung des Hauptverfahrens entscheiden.

Unfall auf dem Rückweg zum Hotel

Der tödliche Unfall ereignete sich nachts gegen 2.30 Uhr, als die drei jungen Männer – zusammen mit einer gemeinsamen Freundin – nach einem Kinobesuch in Frankfurt auf E-Scootern unterwegs zu ihrem Hotel waren. Die junge Frau, die hinter den anderen hergefahren war, blieb körperlich unversehrt.

Die jungen Vietnamesen waren wegen eines Konzerts des US-Rappers Kendrick Lamar im Frankfurter Waldstadion am Abend zuvor in die Stadt gekommen.  Das 23 Jahre alte Geschwisterpaar reiste dafür eigens aus Hamburg an, der bei dem Unfall schwerverletzte Siebenundzwanzigjährige aus seinem Wohnort Stuttgart. Die Männer kannten sich bereits seit geraumer Zeit. In Vietnam besuchten sie gemeinsam einen Deutschkurs und kamen dann nach Deutschland.

Spendenaktionen für die Unfallopfer

Die Anteilnahme in den Tagen nach dem Unfall war groß. Für die Überführung der beiden Toten nach Vietnam und deren Beerdigung wurden innerhalb weniger Wochen mehr als 100.000 Euro gespendet. Die 23 Jahre alten Zwillinge Duy Quang Nguyen und Quang Minh Nguyen hatten in Hamburg als Auszubildende in einer kieferorthopädischen Praxis gearbeitet.

Weil die Familie in Vietnam die Kosten für Beerdigung und Rückführung nicht selbst aufbringen konnte, initiierte die Praxis, in der die Zwillinge gearbeitet hatten, im Internet eine Spendenaktion. Das gesammelte Geld war für die Familie in Vietnam bestimmt, weil diese nicht nur die Beerdigungskosten tragen, sondern auch den Wegfall der monatlichen Unterstützung durch die beiden Söhne verkraften müsse, hieß es in dem Spendenaufruf.

Für das schwerverletzte Unfallopfer, einen 27 Jahre alten vietnamesischen Krankenpfleger, wurde ebenfalls Geld gesammelt. Dank der Initiative des  World University Service (WUS) gingen innerhalb kürzester Zeit mehr als 200.000 Euro auf einem Spendenkonto ein.