

Finnische Behörden haben ein Schiff in Gewahrsam genommen, das verdächtigt wird, für einen neuerlichen Kabelbruch in der Ostsee verantwortlich zu sein. Das gab die Polizei in Helsinki am Mittwoch bekannt.
Der finnische Präsident Alexander Stubb dankte den Behörden für ihre effiziente Arbeit. Finnland sei vorbereitet für Sicherheitsherausforderungen unterschiedlichster Art und reagiere so, wie notwendig, schrieb Stubb auf der Plattform X.
Der Polizei zufolge wurde am frühen Morgen des Silvestertags ein Schaden am Telekommunikationskabel des Anbieters Elisa zwischen Helsinki und Tallinn festgestellt. Das Unternehmen meldete den Vorfall der Grenzschutzbehörde. Diese lokalisierte ein Schiff, das vermutlich das Kabel in der Wirtschaftszone Estlands beschädigt hatte.
Patrouillenschiff „Turva“ lokalisierte verdächtiges Schiff
Das Patrouillenschiff „Turva“ – das größte Schiff der finnischen Grenzschutzbehörde, die auch für den Küstenschutz zuständig ist – lokalisierte das verdächtige Schiff zusammen mit einem Hubschrauber in der Wirtschaftszone Finnlands. Laut Polizei befand sich die Ankerkette des Schiffes im Meer – mutmaßlich wurde der Schaden also wie schon in früheren Fällen von Kabelbrüchen in der Ostsee durch eine hinterherschleifende Ankerkette verursacht.
Die Grenzschutzbehörde forderte das Schiff laut Polizei auf, anzuhalten, die Ankerkette einzuholen sowie sich zu einem sicheren Ankerplatz in finnischen Hoheitsgewässern zu begeben. Die finnischen Behörden beschlagnahmten das Schiff dann in einer gemeinsamen Operation laut Polizei. Diese untersucht den Vorfall derzeit unter den Tatbeständen der mutmaßlichen schweren Sachbeschädigung, der mutmaßlichen versuchten schweren Sachbeschädigung und der mutmaßlichen schweren Störung der Telekommunikation.
Zur Aufklärung des Sachverhalts findet laut Polizei eine enge internationale Zusammenarbeit und ein intensiver Informationsaustausch insbesondere mit den estnischen Behörden statt. Unklar blieb zunächst, ob das Schiff freiwillig finnische Hoheitsgewässer anlief und dort dann von den finnischen Behörden festgesetzt wurde. Laut Seerecht ist ein derartiges Vorgehen in internationalen Gewässern nicht zulässig.
Insgesamt setzt das Seerecht dem Vorgehen gegen Kabelbrüche enge Grenzen. Um welches Schiff es sich handelte, teilten die Behörden zunächst nicht mit. Doch könnte es sich laut Daten von Internetseiten, die Schiffsbewegungen tracken, um das Frachtschiff „Fitburg“ handeln, das auf dem Weg von Sankt Petersburg ins israelische Haifa war und unter der Flagge der Karibikinseln St. Vincent und die Grenadinen fährt.
Das 132 Meter lange Schiff lag am Mittwochmittag vor Anker bei Porkkala, zuvor war es den Daten zufolge von seiner Fahrt nach Westen scharf in Richtung finnischer Küste abgebogen. Der finnische Rundfunk berichtete zunächst ohne Angaben von Quellen, bei dem verdächtigen Schiff handele es sich um die „Fitburg“.
Ähnlicher Vorfall vor einem Jahr
Vor beinahe exakt einem Jahr, am ersten Weihnachtsfeiertag, hatten die finnischen Behörden das Schiff „Eagle S“ in den eigenen Hoheitsgewässern festgesetzt, nachdem es zuvor mit einem herunterhängenden Anker ein Stromkabel beschädigt hatte und kurz davor gewesen war, weitere Unterwasserinfrastruktur zu beschädigen. Damals hatte ebenfalls das Schiff „Turva“ des finnischen Grenzschutzes den Einsatz angeführt.
Die „Eagle S“ wird der russischen Schattenflotte zugerechnet, mit der Moskau unter Umgehung westlicher Sanktionen Rohöl hauptsächlich über die Ostsee exportiert. Gegen den Kapitän und mehrere Besatzungsmitglieder wurde danach in Finnland wegen Sabotage ermittelt, ein Gericht wies die Klage jedoch ab und sah sich nicht zuständig. Dies bewies abermals, wie schwierig es ist, rechtskonform gegen eine Sabotage der Unterwasserinfrastruktur vorzugehen.
Der neuerliche Kabelschaden hat laut dem Betreiber Elisa bisher keine Auswirkungen auf dessen Netzdienste. Bei einer derartigen Störung werde der Datenverkehr automatisch auf andere alternative Routen umgeleitet, teilte der Sicherheitschef von Elisa, Kim Tikkanen, dem Sender Yle mit.
