
Die Deutsche Börse hat nach der Übernahme der Fondsplattform Allfunds das nächste Milliardengeschäft angekündigt. Deutschlands größter Börsenbetreiber übernimmt den Daten- und Indexanbieter ISS Stoxx für 1,1 Milliarden Euro komplett, wie das Unternehmen mitteilte. Die Deutsche Börse hält bereits 80 Prozent der Anteile an ISS Stoxx und wird demnach die restlichen 20 Prozent vom Finanzinvestor General Atlantic übernehmen.
Die Übernahme soll das Wachstum der Deutschen Börse beschleunigen, die im vergangenen Jahr mit einem Gewinn von 2,1 Milliarden Euro das beste Ergebnis ihrer Geschichte meldete. ISS Stoxx bietet unter anderem Börsenindizes, an denen sich Anbieter von Indexfonds (ETFs) orientieren, sowie Analysen und Empfehlungen für Großinvestoren bei deren Abstimmungen auf Hauptversammlungen.
Durch den Boom von ETF-Sparplänen bei Privatanlegern ist ISS Stoxx wichtig für die Deutsche Börse: „45 Prozent des europäischen ETF-Wachstums basierte auf unseren Stoxx-Indizes“, sagte Konzernchef Stephan Leithner bei der Vorlage der Jahreszahlen in Frankfurt.
ISS Stoxx steht in den USA unter Druck
Mit der Übernahme der übrigen Anteile von ISS Stoxx kündigt die Deutsche Börse das zweite milliardenschwere Geschäft binnen weniger Wochen an. Erst im Januar hatte sie mitgeteilt, die Fondsplattform Allfunds für rund 5,3 Milliarden Euro kaufen zu wollen. Damit soll ein „europäischer Investmentfonds-Champion“ geschaffen werden, sagte Leithner.
ISS Stoxx steht derzeit in den USA unter Druck: US-Präsident Donald Trump sieht die Arbeit von Stimmrechtsberatern wie ISS als ideologische Einmischung in US-Unternehmen. So hatte der Vermögensverwalter der Bank J.P. Morgan kürzlich die Zusammenarbeit mit solchen Firmen beendet, der Bundesstaat Texas geht gesetzlich gegen Nachhaltigkeits- und Diversitätsregeln (ESG) als Kriterium für Stimmrechtsentscheidungen vor. ISS Stoxx ist auch in diesem Bereich aktiv, etwa bei der Nachhaltigkeitsberatung.
Die Deutsche Börse will sich ihrem Geschäftsführer zufolge davon nicht von ihren Übernahmeplänen abbringen lassen. ISS arbeite eng mit den Behörden in den USA zusammen, sagte Leithner. Er sei überzeugt, dass die Stimmrechtsberatung langfristig wichtig bleibe. Der Ausstieg von General Atlantic aus ISS Stoxx soll schon Ende März wirksam werden.
