Film „Ein Kuchen für den Präsidenten“ zeigt den Irakkrieg aus der Sicht eines Kindes

Dieser Film beginnt mit einem fantastischen Panorama: Da ist ein breiter, gewundener Fluss, der erhaben seinen Weg nimmt. Auf der Oberfläche spiegelt sich der fast wolkenlose Himmel, die Ufer werden hier und da von Palmen gesäumt. Ein lebhaftes Treiben ist von dort zu hören. Es sind die Flussauen des Tigris, die man sieht. Kennt man Irak nur aus den Nachrichten, wird man ihren idyllischen Anblick jedoch kaum mit dem Land in Verbindung bringen.

Hasan Hadi ist in diesen Marschlandschaften aufgewachsen. Die Geschichte seines Debütfilms spielt in Irak seiner Kindheit. Sieht man die Bilder, die Hadi dafür findet, glaubt man ihnen sofort, dass alles genauso ausgesehen, alles sich genauso zugetragen haben könnte. Viele Orte, an denen der Regisseur in Bagdad gedreht hat, wurden erst kurz darauf renoviert. Mit „Ein Kuchen für den Präsidenten“ zeigt er seine Heimat um 1990 aus der Innenansicht.

Da ist die Schönheit der Natur und Kinder, die in Booten zur Schule paddeln. Der Klang der Oud, des Saiteninstruments, das so typisch ist für die Musik des Landes. Und auch der Mann aus den Nachrichten und Geschichtsbüchern, den sie hier nur Saddam nennen und der satt von jeder Wand lächelt, während Lehrer ihren Schülern Äpfel aus dem Ranzen klauen, weil es den Menschen wegen der Sanktionen an Essen fehlt. Die malerische Eingangsszene wird bald von amerikanischen Kampfjets gestört. Ihr Dröhnen übertönt die Stimmen der Menschen, die am Ufer des Flusses leben.

Der Film

„Ein Kuchen für den Präsidenten“. Regie: Hasan Hadi. Mit Baneen Ahmed Nayyef, Sajad Mohamad Qasem u.a. Irak/USA/Katar 2025, 102 Min.

So wie die neunjährige Lamia (Baneen Ahmad Nayyef), durch deren Blick man diesen Alltag im dauerhaften Ausnahmezustand erlebt. Sie ist Waise und lebt mit ihrer Oma in armen Verhältnissen. So etwas wie kindliches Staunen scheint sich das Mädchen früh abgewöhnt zu haben. Sie hat einen Hahn, Hindi, und einen Freund namens Said.

Nicht alle Figuren werden das Ende dieser märchenhaften Erzählung erleben, die auf Tatsachen beruht, wie sie nur Diktatoren schaffen: Zwei Tage vor Saddam Husseins Geburtstag wird Lamia ausgelost, um den titelgebenden Kuchen für den Präsidenten zu backen. (Ein Los, das genug reale Kinder traf.) „Gratulation Lamia“, sagt der Lehrer und erinnert die Klasse daran, dass er die Pflicht hätte, alle zu melden, die sich ihrer Aufgabe verweigern. „Gebt nicht mir die Schuld, wenn euch die gleiche Strafe wie Rasul ereilt.“ Niemand muss nachfragen, welche es war.

Der Kuchen muss gebacken werden

Lamia hat weder Zucker noch Eier, auch kein Geld oder überhaupt eine Wahl. Die Handlung des Films hat ihren Auslöser. Menschen, die ins Kino gehen, wird die Ausgangslage an Fatih Akins jüngstes Werk „Amrum“ erinnern. Auch da erlebt man die Auswirkungen eines Krieges aus der Sicht eines Kindes, auf Amrum muss es Zutaten für ein Honigbrot auftreiben. In Bagdad wirkt das Ganze aber um einiges dringlicher und entsprechend dynamischer entwickelt es sich. Dieser Kuchen muss gebacken werden, um jeden Preis.

Hadi lässt kaum Zweifel daran, dass Frauen und Kinder, besonders Mädchen, in einer solchen Lage zuerst bezahlen müssen. Der Film erzählt davon, ohne penetrant zu emotionalisieren, was die Geschehnisse nur bestürzender macht. Dass sie nicht erdrücken, verdankt die Geschichte einer Reihe stabiler Charaktere, die immer wieder Licht ins Dunkel bringen. Auch erlaubt der Regisseur der straff erzählten Handlung kleine Fluchten, etwa wenn Lamia und Said in einem Café spontan dem Auftritt einer Sängerin folgen.

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„Ein Kuchen für den Präsidenten“ lässt Raum für die Dinge, die jedes Leben und eines im Ausnahmezustand erst recht braucht: Humor und Spiel. Ein Funken Hoffnung. All das verleiht dem Film eine Energie, die mehr vom Leben als vom Sterben erzählt.