FIFA lässt Wettanbieter WM-Spiele streamen

FIFA Schriftzug an einer Wand

Stand: 12.01.2026 23:42 Uhr

Die FIFA hat einen Vertrag mit einem Datenanbieter abgeschlossen, der das Streaming von WM-Spielen auf den Seiten von Wettanbietern beinhaltet.

Die FIFA teilte am Montag mit, dass das Unternehmen „Stats Perform“ zum ersten „offiziellen weltweiten Anbieter von Wettdaten und Wettstreamingrechten“ ernannt worden sei. „Stats Perform“ hat seinen Sitz in Chicago und gehört einer Investorengesellschaft aus Texas in den USA.

„Stats Perform“ werde künftig offizielle Daten aus den FIFA-Wettbewerben an „lizenzierte Wettanbieter“ verteilen. Die Wettanbieter dürfen dann auch legal Livestreams von FIFA-Turnieren zeigen, dazu gehören die WM der Männer 2026 in den USA, Mexiko und Kanada sowie die WM der Frauen 2027 in Brasilien. Der Vertrag läuft laut FIFA vier Jahre, die Höhe der Zahlungen an die FIFA wurde nicht genannt.

Spielsucht eine reale Gefahr für viele Familien

Im Jahr 2023 betrug der Umsatz der deutschen Glücksspielindustrie im regulierten Bereich 63,5 Milliarden Euro, was eine Steigerung um 19,5 Prozent bedeutet, schreibt die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen in ihrem Jahrbuch „Sucht 2025“. Dem „Glückspielatlas 2023“ des Bundesgesundheitsministeriums zufolge waren 2023 in Deutschland 4,55 Millionen Erwachsene süchtig oder gefährdet, wobei der Anteil bei Männern deutlich höher als bei Frauen ist.

Die FIFA spricht in der Bekanntgabe des Vertrags von „ultraschnellen offizielle FIFA-Wettdaten“, die angeliefert werden sollen. Es sind Live-Wetten, die von Experten oft als problematisch bezeichnet werden. Das Bundesgesundheitsministerium schrieb, dass auf einzelne Spielformen bezogen der Anteil von Personen mit einer glücksspielbezogenen Störung bei Geld- und Glückspielautomaten sowie „bei Live-Sportwetten am höchsten ausfällt“.

Gerade online sind Angebote von Glücksspiel und dadurch Sportwetten leichter und schneller zugänglich als früher, die höhere Verfügbarkeit erhöht auch die Suchtgefahr. Glücksspielsucht kann zu sozialen, finanziellen und beruflichen Problemen führen. Familien erleben dabei eine massive Belastung, wenn es zu finanziellen Problemen und Vertrauensverlust kommt.

Eine Sportwettenapp zeigt Wetten mit ihren Wettquoten an

Glücksspielstaatsvertrag legalisiert Glücksspiel und die Werbung

Auch die UEFA arbeitet mit Wettanbietern zusammen, in Deutschland tun dies die DFL, der DFB und die große Mehrheit der Profiklubs. Die FIFA hielt sich hier lange zurück, 2022 bei der WM in Katar gab es nur einen regionalen europäischen Sponsor aus der Glücksspielbranche. Nun wird die FIFA auch in diesem Sektor viel Geld einnehmen.

Der Glücksspielstaatsvertrag von 2021 legalisierte die Werbung für Glücksspiel und auch Sportwetten. Der Psychologe Tobias Hayer sagte Ende 2025 im Rundfunk Berlin-Brandenburg, es gebe „kein potentielles Suchtmittel, für das so viel geworben wird wie für Sportwetten“. Neben Bandenwerbung und TV-Spots sind die Wettanbieter auf vielen Trikots vertreten. Anbieter von Sportwetten und Glücksspiel nehmen laut UEFA mit 15 Prozent den größten Anteil unter den Sponsoren der europäischen Klubs ein. In England, Portugal oder Belgien sind sie demnach die am meisten vertretenen Trikotsponsoren.

DFB verteidigt Werbung als Mittel gegen Schwarzmarkt

Der DFB teilte auf eine Anfrage der Sportschau im September 2025 mit, er kooperiere „ausschließlich mit in Deutschland lizenzierten und regulierten Sportwettenanbietern und hält sich dabei strikt an die gesetzlichen Vorgaben“. Die weitere Argumentation des Verbands: Eine „angemessene Bewerbung der erlaubten Sportwettenanbieter und insbesondere Sportsponsoring“ trage zur Bekämpfung des Schwarzmarkts bei.

Das Logo der 3. Liga mit dem „Tipico“-Schriftzug

Welche Wettanbieter von den Daten und Live-Videos über „Stats Perform“ Nutznießer des FIFA-Vertrags sein werden, ist nicht veröffentlicht worden. Ein Partner von „Stats Perform“ befindet sich auf der Liste zugelassenen Anbieter der Glückspielbehörde der Länder in Deutschland.

Die FIFA hat einen Ethikcode, der es Spieler, Trainern und Funktionären untersagt, „direkt oder indirekt an Wetten, Glücksspielen, Lotterien oder ähnlichen Veranstaltungen oder Transaktionen“ im Zusammenhang mit Fußball teilzunehmen. Es darf auch kein „direktes oder indirektes finanzielles Interesse“ an Wetten vorliegen.

Gestreamte Spiele auf „FIFA+“ von illegalen Wettanbietern genutzt

Das Angebot der FIFA an die Wettanbieter geht über die WM hinaus. Zahlreiche Spiele auf der Streaming-Plattform des Weltverbands mit dem Namen „FIFA+“ sollen ebenflals zur Verfügung stehen. Die dänische Initiative „Play the Game“ recherchierte zuletzt, dass nicht lizenzierte Wettanbieter „FIFA+“ nutzen, um weltweit Live-Wetten auf Spiele unterklassiger Ligen anzubieten.

Die Plattform steht vor einer kompletten Neugestaltung. In Zusammenarbeit mit dem Streaming-Anbieter DAZN soll „FIFA+“ zum sogenannten „Global Home of Football“ werden, teilte die FIFA mit. DAZN hatte im Februar 2025 einen Anteil von 10 Prozent seiner Anteile an für rund eine Milliarde US-Dollar an eine Tochtergesellschaft des saudi-arabischen Staatsfonds PIF, verkauft. In etwa denselben Betrag investierte DAZN anschließend in Übertragungsrechte der FIFA Klub-WM 2025.

Saudi-Arabien wurde Ende 2024 ohne Konkurrenz, Transparenz und Abstimmung von der FIFA zum WM-Ausrichter 2034 ernannt.