FCB-Legende Thomas Helmer: „Der FC Bayern sieht in der Causa Müller nicht gut aus“

AZ: Herr Helmer, Sie sind ja nicht nur Ex-Bayern-Kapitän, sondern auch Ex-Armine, haben von 1984 bis 1986 für Arminia Bielefeld gespielt. Was sagen Sie zum 2:1-Pokalcoup der Arminia im Halbfinale gegen Bayer Leverkusen?
THOMAS HELMER: Einfach super, sensationell! Es war ein verdienter Sieg, Arminia war in allen Statistiken mindestens ebenbürtig mit Leverkusen. Die Mannschaft hat jetzt als Drittligist vier Erstligisten ausgeschaltet: Union Berlin, Freiburg, Bremen und Leverkusen. Das ist schon der Hammer. Ich würde mir fast noch mehr den Aufstieg in die 2. Liga wünschen als den Pokalsieg – aber vielleicht geht ja beides (lacht).

Für Ihren anderen Ex-Klub, den FC Bayern, sind ebenfalls noch zwei große Triumphe möglich in dieser Saison – in der Bundesliga und Champions League. Doch die Verletztensituation bereitet Sorgen. Wie schätzen Sie die Chancen ein?
Es ist schon sehr ärgerlich, dass genau jetzt in der heißen Phase so viele wichtige Spieler ausfallen. Das wiegt schwer, diese Häufigkeit an Verletzungen tut weh. Klar: Einem Eric Dier traue ich schon zu, dass er Dayot Upamecano in der Innenverteidigung ersetzen kann und seine Chance nutzt. Aber gerade für Torhüter Jonas Urbig ist es eine harte Prüfung, gleich so reingeworfen zu werden für Manuel Neuer. Und bei Raphael Guerreiro hat man gesehen, dass er defensiv Probleme hat, ihm fehlt das Tempo. Hier wird Alphonso Davies sehr vermisst, zumal sich auch noch Hiroki Ito schwer verletzt hat. Man hat das Gefühl, dass die gesamte Defensive wackelt bei Bayern.

Helmer: Augsburg „das schwierigste Spiel, das Bayern noch hat in der Liga“

Wäre Josip Stanisic vielleicht eine Option hinten links?
Stanisic hat in der vergangenen Saison super gespielt in Leverkusen, aber er kommt aus einer langen Pause (Außenbandriss im Knie, d.Red.). Daher muss man sehen, wie stabil er ist. Von Qualität her kann er mit Sicherheit ein wichtiger Mann werden in den kommenden Wochen.

Am Freitag geht’s für Bayern nach Augsburg, dort hat sich die Mannschaft in der Vergangenheit oft schwergetan. Auch diesmal?
Augsburg ist aus meiner Sicht das schwierigste Spiel, das Bayern noch hat in der Liga. Augsburg ist schwer zu bespielen, gerade zu Hause. Das sagen übrigens alle Klubs in der Bundesliga, dass sie ungern gegen Augsburg spielen. Und Bayern hat in dieser Saison gegen vermeintlich kleine Gegner oft Probleme gehabt.

Helmer: „Hätte mir gewünscht, dass Bayern und Müller eine gemeinsame Lösung finden“

Nächste Woche Dienstag steht für Bayern dann das Viertelfinal-Hinspiel in der Champions League gegen Inter Mailand an. Kommen die Münchner weiter?
Inter ist Tabellenführer in Italien, ein großer Name und eine Mannschaft, die sehr gut verteidigen kann. Das wird verdammt schwer für Bayern. Aber das Team von Vincent Kompany hat im Achtelfinale gegen Leverkusen super gespielt, Bayer überhaupt keine Chance gelassen. Das war ein Ausrufezeichen. Ich glaube, dass der Anreiz des Endspiels in der Allianz Arena den Ausschlag gegen kann, dass Bayern gegen Inter weiterkommt.

Das Finale dahoam am 31. Mai könnte das letzte Bayern-Spiel von Thomas Müller werden, sein Vertrag läuft aus. Wie haben Sie die vergangenen Tage verfolgt, in denen Müllers Abschied öffentlich schon als fix gemeldet wurde?
Irgendjemand von Bayern muss es erzählt haben. Und es ist definitiv nicht gut, dass es öffentlich geworden ist. Ich hätte mir gewünscht, dass Bayern und Müller eine gemeinsame Lösung finden und die Entscheidung zusammen auf einer Pressekonferenz bekanntgeben. Thomas Müller ist ja nicht irgendein Spieler. Er steht ganz oben, ist einer der größten Spieler in der Bayern-Historie. Durch die Meldungen der vergangenen Tage sieht er jetzt nicht gut aus – und vor allem sieht der FC Bayern in der Causa Müller nicht gut aus. Man hätte Müller das selbst machen lassen sollen. Aber es zeigt mal wieder: Dankbarkeit gibt es nicht im Fußball.

Helmer: Müller „ist einer, der Bayern in Zukunft sehr guttun würde“

Wie meinen Sie das konkret?
Ottmar Hitzfeld hat mir zum Ende meiner Bayern-Zeit klar gesagt, dass er auf andere Spieler setzen würde. Das war hart für mich, aber fair. Auch die Klubführung um Franz Beckenbauer ist immer ehrlich mit mir umgegangen. Das ist heute vielleicht so ein bisschen verloren gegangen. Für einen Spieler wie Müller ist es immer schwierig, den Absprung zu schaffen, wenn man noch ein Jahr spielen möchte. Ehrlichkeit von der Klubseite ist am wichtigsten.

Sehen Sie Müller in Zukunft in verantwortlicher Position im Bayern-Management?
Bei Philipp Lahm hat es bislang nicht funktioniert, dass man ihn in den Klub einbindet. Ich hoffe, dass Bayern mit Müller anders umgeht. Er ist einer, der Bayern in Zukunft sehr guttun würde. Aber erstmal sollte er nach seiner aktiven Karriere Abstand gewinnen. Ich bin damals für vier Wochen auf die Malediven geflogen, das war genau richtig.

Thomas Helmer spielte von 1992 bis 1999 beim FC Bayern und war Kapitän. Heute ist er als Moderator tätig, unter anderem beim "Doppelpass on Tour".
Thomas Helmer spielte von 1992 bis 1999 beim FC Bayern und war Kapitän. Heute ist er als Moderator tätig, unter anderem beim „Doppelpass on Tour“.
Thomas Helmer spielte von 1992 bis 1999 beim FC Bayern und war Kapitän. Heute ist er als Moderator tätig, unter anderem beim „Doppelpass on Tour“.
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Helmer: Eberl setzt den Sparkurs beim FC Bayern nicht um

Vielleicht spielt Müller ja auch noch zwei Jahre in den USA...
Wenn er darauf Bock hat – warum nicht?

Eine andere Personalie, die derzeit für Wirbel sorgt, ist Max Eberl. Der Sportvorstand steht im Aufsichtsrat in der Kritik – unter anderem deshalb, weil er den geforderten Sparkurs nicht konsequent umsetzt. Es wird schon über Nachfolger wie Ralf Rangnick oder Mario Gomez spekuliert. Wie sehen Sie Eberls Perspektive bei Bayern?
Ich habe keinen genauen Einblick in die Finanzen bei Bayern, aber man kann sicher sagen, dass sehr hohe Gehälter gezahlt werden. Die Vertragsverlängerungen zuletzt mit Jamal Musiala, Alphonso Davies und Joshua Kimmich waren teuer. Daher setzt Eberl die Vorgabe, zu sparen, in diesem Punkt wohl nicht um. Andererseits: Der Aufsichtsrat als Kontrollgremium hat die Vertragsverlängerungen ja auch abgesegnet.

Warum tut sich die Bayern-Spitze um Uli Hoeneß so schwer, geeignete Nachfolger im operativen Geschäft zu finden? Mit Hasan Salihamidzic und Oliver Kahn hat es auch nicht lange funktioniert.
Solange Uli da ist, ist klar, wer die Entscheidungen trifft. Ich glaube, es würde nur dann funktionieren mit einem neuen starken Mann, wenn sich Uli komplett zurückziehen würde.

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