
AUDIO: Ist weniger immer mehr? Der Verzicht als spirituelle Quelle (19 Min)
Stand: 18.02.2026 10:23 Uhr
Alkohol, Fleisch, Süßigkeiten: Fasten und Verzicht sind vielfältig und nicht nur in der Zeit nach Aschermittwoch ein Thema. Im Christentum und vielen anderen Religionen hat das Fasten eine lange Tradition.
Seit Jahrhunderten praktizieren Menschen in aller Welt das Fasten – früher vor allem aus religiösen Motiven, heute auch, weil sie den freiwilligen und bewussten Verzicht als Bereicherung ihres Lebens empfinden. Im Christentum beginnt die Fastenzeit am Aschermittwoch und endet am Ostersonnabend, also nach 46 Tagen.
Fastenzeit und Ramadan 2026 beginnen am 18. Februar
In diesem Jahr beginnt sie am 18. Februar und damit zufällig am selben Tag wie der islamische Fastenmonat Ramadan, der am Mittwochabend startet. Die christliche Fastenzeit endet am 4. April – traditionell sind die sechs Sonntage vom Fasten ausgenommen, sodass 40 Fastentage bleiben. Das entspricht der Zeit, die Jesus der Bibel zufolge nach seiner Taufe fastend in der Wüste verbrachte.
Traditionelle Fastenzeit vor Ostern
Bereits im frühen Mittelalter bereiteten sich die Christen mit Fasten auf das Osterfest vor. Erlaubt war nur eine Mahlzeit am Tag, der Verzehr von Alkohol sowie Fleisch oder anderen tierischen Produkten wie Eier, Milch, Butter und Käse war verboten. Mitte des 16. Jahrhunderts wurden die strengen Regeln gelockert und nur noch auf Fleisch verzichtet. Als Fastenspeisen kamen Fisch, Mehlspeisen und Vegetarisches auf den Tisch.
Kirche: Besinnung durch Verzicht
Heute sieht die Kirche die Fastenzeit weniger streng. Neben einem Verzicht auf Alkohol können auch der Verzicht auf Süßigkeiten, Fernsehen, Auto oder Handy (Digital Detox) Wege sein, um sich auf das Wesentliche zu besinnen. Wichtig sei, dass es sich um eine spürbare und bewusst erlebte Veränderung handelt, die auch als Bereicherung empfunden werden kann. Katholiken sollen traditionell in der Fastenzeit sowie an allen Freitagen auf Fleisch verzichten. Außerdem ist ihnen am Aschermittwoch und am Karfreitag nur eine Hauptmahlzeit erlaubt.
Stichwort: Aschermittwoch
Der Begriff bezieht sich auf das Kreuz aus Asche, das Priester Gläubigen an diesem Tag auf die Stirn zeichnen. Es soll die Menschen daran erinnern, dass sie vergänglich sind. Die Asche stammt von Palmzweigen und wird im Gottesdienst gesegnet. Aschermittwoch ist stets der 46. Tag vor Ostersonntag.
Kirchen rufen zum Klimafasten auf
Kirchen beider Konfessionen rufen traditionell in den Wochen vor Ostern zum „Klimafasten“ auf. Dieses Jahr steht die Aktion unter dem Motto „Soviel du brauchst“. In jeder der sieben Wochen der Fastenzeit steht ein anderes Thema mit einer besonderen Fragestellung im Mittelpunkt, darunter: Wovon habe ich genug? Was macht mich heute reich? Wie sieht Gerechtigkeit aus? Eine Broschüre will dazu Anregungen für den Alltag geben und lädt dazu ein, eigene Verhaltensweisen zu überdenken.
„7 Wochen ohne“: Neues ausprobieren und üben
Die evangelische Kirche ruft in der Fastenzeit zudem zur Aktion „7 Wochen ohne“ auf. Das Motto in diesem Jahr: „Mit Gefühl! Sieben Wochen ohne Härte“. Teilnehmende sind bis zum 6. April dazu eingeladen, sich im mitfühlenden Umgang mit anderen und mit der Natur zu üben. Eine App soll dabei unterstützen: Jeden Tag erscheint eine neue Kalenderseite zum Thema, die zum Nachdenken anregen soll.
Heilfasten: Verzicht auf Nahrung
Viele Menschen verbinden Fasten in erster Linie mit dem Verzicht auf Nahrung, dem sogenannten Heilfasten. Nach einem exakten Plan, am besten unter ärztlicher Kontrolle, meidet man dabei feste Lebensmittel und ernährt sich für Tage oder Wochen nur von Flüssigkeiten wie Wasser, Säften oder Brühe. Dutzende Ratgeber empfehlen diese Askese als wohltuend für Geist und Körper – und als wirkungsvolle Diät. Kritiker warnen jedoch vor gesundheitlichen Risiken, besonders für Menschen, die bereits von Krankheiten geschwächt sind.
Fasten in Islam, Hinduismus und Judentum
Weltweit kennen viele Religionen das Fasten als Zeremonie, die zu Reinheit und Erleuchtung führen soll. So verzichten gläubige Muslime im Ramadan, dem neunten Monat des islamischen Mondkalenders, für 29 oder 30 Tage auf alle Genüsse. Essen und Trinken sind erst nach Sonnenuntergang erlaubt. Die Fastenzeit endet mit dem dreitägigen Fest des Fastenbrechens. 2026 dauert der Ramadan vom Abend des 18. Februar bis zum 20. März – wobei das eigentliche Fasten für Muslime erst am 19. Februar startet.
Im Hinduismus existieren ebenfalls zahlreiche Fastenregeln. Viele Gläubige nehmen an Vollmond- und Neumondtagen keine Nahrung zu sich. Im Judentum gilt Jom Kippur, der Versöhnungstag zwischen Gott und den Menschen, als strengster Fastentag, an dem weder Essen noch Trinken gestattet sind. Der höchste jüdische Feiertag findet jedes Jahr im September oder Oktober statt, 2026 vom Abend des 20. bis zum 21. September.







