Fan-Protest bei Hertha BSC gegen FC Schalke 04 in 2. Bundesliga

Überschattet von massiven Zwischenfällen von Anhängern mit der Polizei hat Hertha BSC einen Sieg im Topspiel der zweiten Fußball-Bundesliga leichtfertig verschenkt. Gegen Spitzenreiter FC Schalke 04 zeigten die Berliner einen couragierten Auftritt zum Start in die Rückrunde – vergaben aber zahlreiche gute Möglichkeiten.

Durch das 0:0 konnte die Hertha die Lücke zu den Aufstiegsrängen nicht entscheidend verringern. Schalke baute seinen Vorsprung als Tabellenführer zumindest bis zu den Sonntagsspielen auf vier Punkte aus.

Fanhilfe Hertha BSC beklagt „massive Polizeigewalt“

Große Fußball-Feststimmung kam im Olympiastadion allerdings nicht auf. Die aktiven Fan-Szenen beider Vereine protestierten mit kollektivem Schweigen gegen einen aus ihrer Sicht unverhältnismäßigen Einsatz der Sicherheitskräfte. Laut der Polizei war es vor dem Stadion zu Übergriffen von Hertha-Fans auf Polizisten gekommen. Es gab mehrere Dutzend verletzte Menschen.

„Am Stadioneingang zur Ostkurve sollen Kolleg. nach Beleidigungen von vermummten Fans u.a. mit Absperrgittern beworfen und mit Schlagwerkzeugen attackiert worden sein“, teilte die Berliner Polizei auf der Plattform X kurz nach der Partie mit. „Aufgrund der Gewalt- und Bedrohungslage war es zum Schutz der Einsatzkräfte und unbeteiligter Zuschauenden notwendig, Pfefferspray gegen größere Gewalttätergruppen einzusetzen.“

Wegen des Verdachts der Beleidigung, der gefährlichen Körperverletzung und wegen des Verdachts des besonders schweren Falls des Landfriedensbruchs seien mehrere Personen festgenommen worden, hieß es weiter. „Die Ermittlungen und Auswertungen unserer Beweismittel und Aufnahmen dauern an.“

Die Fanhilfe Hertha BSC kündigte kurz vor Anpfiff an, dass die aktive Fan-Szene das Stadion nach Spielbeginn verlassen werde. Als Grund nannte sie „massive Polizeigewalt“ vor dem Spiel. Mindestens 30 Personen seien verletzt worden. Mehrere Personen hätten sich in die Notaufnahmen begeben müssen. Über die Art der Verletzungen wurden keine Angaben gemacht.

Die Organisation beklagte einen überharten Einsatz der Sicherheitskräfte. schon vor dem Spiel hatte die Fanhilfe Hertha BSC in einer Pressemitteilung aus ihrer Sicht unverhältnismäßige Hausdurchsuchungen vor einigen Tagen bei Anhängern des Hauptstadt-Klubs beklagt.

Beklemmende Stimmung mit 70.000 Zuschauern

Hertha BSC bestätigte am Samstag einen „Zwischenfall mit der Polizei und unseren Fans vor der Ostkurve“. Auch der FC Schalke 04 teilte auf X mit: „Es wird vorerst keinen organisierten Support aus der Schalker Kurve geben.“

Eine erste Bilanz laut Polizei: 21 verletzte Polizisten und 31 verletzte Hertha-Fans, vornehmlich durch den Einsatz von Pfefferspray und zahlreiche Anzeigen wegen Beleidigung und schweren Landfriedensbruchs, wie ein Polizeisprecher mitteilte. Mehrere Personen seien festgenommen worden.

Bei der Partie gab es phasenweise lediglich verunglimpfende Sprechchöre gegen Sicherheitskräfte von den Rängen, ansonsten herrschte in der mit mehr als 70.000 Zuschauern gefüllten Arena eine beklemmende Stimmung.

Große Teile der Hertha-Fans verließen nach rund 20 Minuten die Ostkurve. Sie hinterließen einen blauen Schriftzug mit einer Polizei-Beleidigung. Die Schalke-Fans nahmen zur zweiten Halbzeit die Anfeuerung ihres Teams wieder auf. Nach gut 55 Minuten Spielzeit schallte auch das klassische „HaHoHe“ der Hertha-Fans erstmals durch die Arena.

Auf dem Rasen waren die Berliner das aktivere Team, trotz der diversen Infekte, bei wichtigen Spielern unter der Woche. Kapitän Fabian Reese saß zunächst auf der Bank. Torwart Tjark Ernst fehlte hingegen komplett und wurde durch Marius Gersbeck vertreten.

Im Mittelpunkt stand aber immer wieder sein Schalker Torwartkollege Loris Karius. Marten Winkler scheiterte in der siebten Minute aus spitzem Winkel am Schlussmann. Wenig später setzte Michael Cuisance einen Schlenzer über das Tor. Weniger Minuten vor der Halbzeit war es wieder Winkler, der den Ball nicht über Karius lupfen konnte.

Auch im zweiten Abschnitt änderte sich an der offensiven Hertha-Strategie nichts. Es fehlte aber bei teilweise wilden Szenen im Schalke-Strafraum am Überblick. Die dickste Chance vergab Luca Schuler, der nach einem Sololauf den Pfosten traf (67.). Auch der eingewechselte Reese (80.) kam an Karius, der per Hechtsprung rettete, nicht vorbei.