Fallrückzieher und mehr: Vier Kurzgeschichten vom Fußball-Wochenende – Sport

Historisch

Der große Mittelstürmer Klaus Fischer, dessen Spiel Nachgeborenen nicht nur wegen seiner Fallrückziehertore dringend ans Herz gelegt werden sollte, hat in einem SZ-Interview mal die ewig gültige Definition eines Fallrückziehers präsentiert. Man müsse „mit dem Schussbein abspringen, sich quer und hoch in die Luft legen, eine Scherenbewegung machen und schießen“. Das sei „der Klassiker, eine ganz andere Welt als alle anderen Fallrückzieher“ (etwa solche ohne Scherenbewegung). Fischer, 76, hat auch mal drei Jahre für den 1. FC Köln gespielt und dürfte sich deshalb besonders darüber freuen, dass Kölns Mittelstürmer Ragnar Ache, 27, gegen Hoffenheim einen Klassiker von Fallrückzieher zur Aufführung gebracht hat. Und wer anders als Fischer wüsste auch, dass zu so einem Spektakel immer zwei gehören: „Ohne eine gute Flanke kein Fallrückzieher, so einfach ist das!“ Insofern hat auch Said El Mala, von dem die Vorlage kam, mehr verdient als nur einen Scorerpunkt in der DFL-Wertung. Er bekommt ein gerahmtes Foto von Fischers Flankengott Rüdiger Abramczik.

Emanzipiert

Hände zum Himmel: Rani Khedira.
Hände zum Himmel: Rani Khedira. (Foto: Soeren Stache/dpa)

Als Bruder von hat man im Fußball nicht immer ein leichtes Leben (bitte googeln: Dieter Hoeneß, Volker Abramczik, Malek El Mala). Insofern ist es ein begrüßenswerter Akt der Emanzipation, den Rani Khedira, 32, gerade vollzieht. Nicht nur, dass ihm am Wochenende das Tor des Tages für Union Berlin gegen Bayer Leverkusen gelang. Wie ein echter Sechser bewies er dabei ein seriöses Timing und traf unter den Augen des Co-Trainers der tunesischen Nationalmannschaft. Die lockt den gebürtigen Schwaben und Sohn eines Tunesiers nun mit einer Teilnahme an der anstehenden Weltmeisterschaft. Schon für die März-Länderspiele soll Khedira in den tunesischen Kader berufen werden, zu einem Zeitpunkt, da er sich tatsächlich in der sog. Form seines Lebens befindet. Zwar scheint es nicht sehr wahrscheinlich, dass er wie Bruder Sami gleich Weltmeister werden wird, allerdings verpasste der berühmte Bruder das Finale 2014 wegen einer Verletzung. Und nach einem guten Turnier nicht im Endspiel zu stehen, das kann der kleine Bruder auf jeden Fall schaffen.

Ausgerechnet

Zünglein an der Waage: Elvis Rexhbecaj, einst Wolfsburg, jetzt Augsburg.
Zünglein an der Waage: Elvis Rexhbecaj, einst Wolfsburg, jetzt Augsburg. (Foto: Swen Pförtner/dpa)

Immerhin, es gab ein wenig Lokalkolorit zu sehen. Am Samstag betraten die Spieler des VfL Wolfsburg in Arbeitsjacken des örtlichen Autobauers den Platz, begleitet von Beschäftigten, die Werkskleidung auch im realen Leben tragen. In der (mal wieder) halbleeren Wolfsburger Arena bekamen die Mitarbeiter anschließend aber (mal wieder) einen trostlosen Auftritt der VfL-Fußballer dargeboten: Der Werksklub verlor 2:3 gegen den FC Augsburg, die Abstiegsgefahr erhöht sich von Woche zu Woche. Wolfsburgs Trainer Daniel Bauer fühlte sich bei seinem Team mitunter an eine „Schülermannschaft“ erinnert. Für Freunde des Lokalkolorits war in der Nachspielzeit dennoch nochmal was geboten: Da erzielte ausgerechnet Elvis Rexhbecaj den Augsburger Siegtreffer; der Kosovare wurde in der VfL-Jugend ausgebildet und feierte in der Autostadt sein Profidebüt. Ihm wurde dennoch keine Arbeitsjacke ausgehändigt. In Wolfsburg wurde der Mittelfeldmann seinerzeit für zu leicht befunden. Stattdessen wurden zig Millionen für Kicker aus der vermeintlichen Schwergewichtsklasse ausgegeben: Wie viele von ihnen wohl einen Gang in die Zweitklassigkeit antreten würden?

Gefeiert

Bad in der Menge: Edin Dzeko.
Bad in der Menge: Edin Dzeko. (Foto: IMAGO/KROEGER/RHR-FOTO)

Am Samstagabend stand Edin Dzeko auf der Nordtribüne der Schalker Arena und hüpfte mit den Fans. Zwar war der 39 Jahre alte Bosnier eigentlich zum Fußballspielen verpflichtet worden, aber laut Eigenaussage verfolgt Dzeko in Gelsenkirchen noch einen anderen Plan. „Deswegen bin ich hier“, sagte der Angreifer über die Feierlichkeiten auf der Tribüne, „ich wusste, was Schalke für Fans hat und was das für ein großartiger Verein ist.“ In diesem Sinne hatte Dzeko dem deutschen Fußball noch etwas mitzuteilen: „Schalke darf nicht in der zweiten Liga spielen!“ Zum 5:3 des Zweitliga-Tabellenführers gegen den 1. FC Magdeburg waren Dzeko ein Tor und eine Vorlage gelungen, nach fünf Spielen kommt er auf vier Treffer und drei Vorlagen. Nach dem Sieg gewährten die Fans der Mannschaft eine Audienz im Block, das gilt auf Schalke als besondere Ehre.

Dzeko hat in seiner langen und überragenden Karriere Titel mit dem VfL Wolfsburg, mit Manchester City und Inter Mailand gewonnen.  Wolfsburgs Sportdirektor Pirmin Schwegler hat gerade verraten, man habe versucht, Dzeko im Winter zurück zum VfL zu holen, doch der Bosnier wollte lieber zu Schalke. Auf der Nordtribüne ist ihm noch mal bewusst geworden, warum. Und die Meisterschaft in der zweiten deutschen Liga fehlt ihm ja auch noch.