Die Europäische Zentralbank (EZB) hat entschieden ihren wichtigsten Leitzins unverändert bei 2,0 Prozent zu belassen. Hintergrund ist die zurückgehende Inflation. Im Januar lag die Teuerungsrate in der Euro-Zone bei 1,7 Prozent. Das war der niedrigste Wert seit September 2024. Im Dezember hatte die Inflationsrate noch bei 2,0 Prozent gelegen, was exakt der Zielmarke der Notenbank entspricht. Mittelfristig könnten die Entwicklungen an den Devisenmärkten die Inflation weiter drücken. Der US-Dollar hat gegen den Euro in den vergangenen zwölf Monaten rund 15 Prozent an Wert verloren. Importierte Rohstoffe wie Öl und Gas werden in US-Dollar abgerechnet, sie werden also, wie andere US-Waren auch, günstiger. Aufgrund des teuren Euro haben Teile von Europas Exportwirtschaft einen Wettbewerbsnachteil, was die Wachstumsaussichten trübt. Auch das könnte die Inflation weiter drücken.
Für Konsumenten wäre das eine gute Nachricht. Allerdings möchte die EZB die Teuerungsrate bei 2,0 Prozent halten, als Puffer zu einer Deflation. Hier würden die Preise fallen, was der Wirtschaft nach Ansicht der Währungshüter stark schaden könnte. Mitte der 2010er-Jahre lag die Inflation in der Währungsunion nahe der Nulllinie, die EZB führte damals erstmals den Negativ-Leitzins ein. Die Erfahrungen dieses Experiments waren gemischt. Für Negativzinsen, so der aktuelle Eindruck, würde sich die EZB wohl nicht mehr entscheiden. Aber die Institution würde den Leitzins deutlich absenken, sollte die Inflation ihrer Ansicht nach zu niedrig ausfallen.
So weit ist es aber noch lange nicht. Immerhin schließen Experten auch das andere Szenario nicht aus, nämlich, dass die Inflation wieder anzieht. Die angespannte Weltlage könnte die Unternehmen dazu zwingen, resilientere und damit teurere Lieferketten aufzubauen. Das könnte, neben den höheren Staatsausgaben in Deutschland und anderswo, die Inflation antreiben.
