Europäisches Autorenkino: Ungarischer Filmemacher Béla Tarr ist tot

Im Alter von 70 Jahren ist der ungarische Filmemacher Béla Tarr gestorben. Er habe an langer und schwerer Krankheit gelitten, berichtet die ungarische
Nachrichtenagentur MTI unter Berufung auf die Familie. Tarr war einer
der bekanntesten Regisseure des europäischen Autorenkinos. 

„Die Europäische Filmakademie trauert um einen
herausragenden Regisseur und eine Persönlichkeit mit starker politischer
Stimme, der nicht nur von seinen Kollegen hoch geschätzt, sondern auch
vom Publikum weltweit gefeiert wurde“, schrieb die Akademie dazu. Tarr erhielt 2023 den Ehrenpreis beim Europäischen Filmpreis.

2011 gewann Tarr bei der Berlinale den Großen Preis der
Jury für seinen Film Das Turiner Pferd. Dies war sein letzter
Spielfilm. Wie er danach mehrfach sagte, habe er „alles gesagt“, was
er mit dem Kino ausdrücken wollte. In seiner letzten Lebensphase widmete
sich Tarr vor allem der Filmausbildung und kultureller Arbeit. 

Tarrs Filme werden oft als einnehmend und
philosophisch beschrieben, mit minutenlangen, sorgsam choreografierten
Einstellungen ohne Schnitt. Viele seiner Werke entstanden in Zusammenarbeit
mit dem Literaturnobelpreisträger László Krasznahorkai. Er wurde mit
Filmen wie dem mehr als sieben Stunden langen Satanstango von 1994
oder Die Werckmeisterschen Harmonien aus dem Jahr 2000 bekannt. 2013 gründete er zudem die internationale Filmschule film.factory in Sarajevo, zusammen mit anderen Regisseuren.