Erneuerer des Hörspiels: Erinnerungen an „Mr. Ars Acustica“ Klaus Schöning – Medien

Das literarische Hörspiel hat eine lange und ruhmreiche Tradition, die bis heute aus guten Gründen gepflegt wird. Klaus Schöning hat damit dennoch nie etwas anfangen können – und radikal mit ihr gebrochen, vor Jahrzehnten bereits. Der Autor, Regisseur und Dramaturg hat das Hörspiel ganz bewusst aus Literatur- und Theaterzusammenhängen gelöst. Er wollte nicht adaptieren, was sich auf dem Buchmarkt oder der Bühne bereits bewährt hatte. Wollte mit wenigen Ausnahmen nicht nacherzählen, was mit den Mitteln und Möglichkeiten anderer Kunstgattungen erdacht worden ist. Und: Er wollte die Sprache nicht herausheben, wollte sie nicht grundsätzlich über die Musik stellen, über Geräusche, über die Wirkung, die durch die Montage, durch Schnitte, Überblendungen, Überlagerungen, Stereo-Effekte und die Kreation akustischer Räume entsteht. Sprache war bei ihm, im besten Fall, gleichberechtigt. So hat es Klaus Schöning als Redakteur des Westdeutschen Rundfunks ab den späten Sechzigerjahren zu einem markanten Erneuerer des Hörspiels gebracht, weil er es immer sehr bewusst als das angesehen hat, was es ist: eben keine literarische Subkategorie, sondern eine eigenständige, elektroakustische Kunstgattung mit eigenen, unverwechselbaren Ausdrucksmitteln.