Bisher ist nicht schlüssig widerlegt, dass es in grauer Vorzeit einigen höher entwickelten Lebewesen in den Weiten des Alls zu kalt oder zu langweilig wurde und sie deshalb auf der Suche nach neuen Ufern in diesem All herumkurvten und diesen kugelförmigen, lehmartigen Planeten entdeckten, der so schön blau leuchtete, auf dem aber Neandertaler und Cro-Magnon-Menschen nichts Besseres zu tun hatten, als sich gegenseitig den Schädel einzuschlagen.
Jedenfalls kam Erich von Däniken auf die literarische Idee, diese Außerirdischen müssten als Entwicklungshelfer gelandet sein, um der traurigen Erde auf die Sprünge zu helfen. Mit dem Aufschneider Karl May verband ihn, dass er über eine blühende Fantasie verfügte, die durch die seriöse Vorarbeit anderer beflügelt wurde. Wie May hatte Däniken einige Zeit wegen Unterschlagung im Gefängnis verbracht, wer also wollte es ihm verdenken, dass er sich hinausträumte und dann Millionen Leserinnen und Leser mitnahm auf seine esoterischen Abenteuer.
Computer, schrieb er Ende der Sechziger, hatten die Außerirdischen auch schon
Däniken, im Hauptberuf Hotelier, beschränkte sich nicht darauf, seine Gäste mit altbackenen Schnurren zu regalieren, sondern erfand neue. Die Erdlinge, wie hätten sie, noch ehe das Rad erfunden war, die Cheopspyramide auftürmen können? Oder Stonehenge? Däniken, selber auch kein frommer Mann, lieferte der hoffnungslos säkularisierten Welt den Vorschein einer göttlichen Obsorge. Was Steven Spielberg in seiner „Unheimlichen Begegnung der dritten Art“ mit Bildern ausstaffierte und vor ihm schon Stanley Kubrick in „2001: Odyssee im Weltraum“, hatte Däniken bereits mit entschlossener Scheinwissenschaftlichkeit nachgewiesen.
Unter dem herrlich romantischen Titel „Erinnerungen an die Zukunft“ glaubte er in der längst begonnenen Dritten technischen Revolution zu wissen, dass die Computer, von denen Ende der Sechziger plötzlich alle redeten, bereits den besagten Außerirdischen zuhanden waren. Das Apollo-Programm schoss die Menschen zum Mond, Däniken konnte auf die Zeichnung auf der präkolumbianischen Grabplatte im mexikanischen Palenque verweisen, die, was denn sonst, einen vollverkabelten Astronauten zeigte. Für Däniken nichts Neues unter der Sonne. Wer Augen hatte zu sehen, der musste doch erkennen, dass die Linien in der peruanischen Nazca-Ebene nichts anderes als Landebahnen für diese extraterrestrischen Götter darstellten.
Däniken zweifelte nie daran, dass sich zwischen Himmel und Erde mehr abspielt, als die Schulweisheit hergibt. Mit seinen Enthüllungen aus der Drübenwelt befand er sich ganz auf der Höhe der Zeit: In Kapstadt hatte 1967 Christiaan Barnard zum ersten Mal ein Herz verpflanzt, eine Weltsensation, die Däniken mühelos zu toppen verstand. Er konnte den Codex Magliabechiano so interpretieren, dass die Azteken, die ihren Opfern das Herz bei lebendigem Leib herausrissen, über frühe Transplantationsfertigkeiten verfügen mussten. Das musste der göttlich-frühastronautische Funke gewesen sein, quod erat demonstrandum.
Die Zukunft, Erich von Däniken wusste das, sah schon mal besser aus. Am Samstag ist der glückliche Fantast 90-jährig in Interlaken gestorben.
