Erhebliche VerzögerungenBundeswehr muss länger auf Rheinmetalls „Skyranger 30“ warten
31.03.2026, 00:58 Uhr
Artikel anhören(03:46 min)

Für ihre Flugabwehr wartet die Bundeswehr auf den „Skyranger 30“. Doch die Auslieferung verzögert sich offenbar um viele Monate. Hersteller Rheinmetall droht deswegen nun eine Vertragsstrafe.
Beim Flugabwehrprojekt „Skyranger 30“ der Bundeswehr kommt es laut einem Medienbericht zu erheblichen Verzögerungen. Wie der „Stern“ unter Berufung auf Bundeswehr- und Parlamentskreise berichtet, erwartet das Verteidigungsministerium die Lieferung der ersten Serienfahrzeuge mit einer Verspätung von mindestens 16 Monaten. Die Auslieferung des dringend benötigten Flugabwehrkanonenpanzers beginnt somit frühestens in 2027. Die vollentwickelte „Skyranger“-Version erhält die Bundeswehr sogar erst ab 2029.
Auf Nachfrage sprach Rheinmetall lediglich von fünf Monaten Verzug. Dem Konzern droht nun eine Vertragsstrafe. Diese wäre laut Vertragsunterlagen, die dem „Stern“ vorliegen, auf maximal 25 Millionen Euro begrenzt. Rheinmetall kommentierte eine mögliche Strafe vorerst nicht, das Ministerium verwies auf Geschäftsgeheimnisse. Als Gründe für die Verzögerungen werden unter anderem technische Probleme bei der Integration zentraler Komponenten genannt, insbesondere beim Waffenturm. Zudem konnte ein ursprünglich vorgesehener Lenkflugkörper nicht wie geplant eingebunden werden.
Für zusätzliche Kritik sorgt eine von Rheinmetall angebotene Zwischenlösung: eine reduzierte Variante des Systems auf Lkw-Basis. Dafür wurden rund 300 Millionen Euro veranschlagt. Nach Informationen des „Stern“ wird diese Lösung in Ministerium und Heer aus Kostengründen und nach einem nicht-zufriedenstellenden Schießtest nicht weiterverfolgt.
Inzwischen gerät auch der Chef des Rüstungskonzerns, Armin Papperger, in den Fokus der Kritik. Am Sonntag wurden in einem Artikel des US-Magazins „The Atlantic“ geringschätzende Äußerungen Pappergers über ukrainische Drohnenhersteller bekannt. Sogar Präsident Wolodymyr Selenskyj meldete sich zu Wort. Papperger hatte von Drohnenproduktion nach „Hausfrauen“-Art gesprochen. „Wenn jede ukrainische Hausfrau Drohnen bauen kann, dann kann auch jede ukrainische Hausfrau Chef von Rheinmetall sein“, sagte Selenskyj.
Die sicherheitspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Sara Nanni, sagte dazu dem „Stern“: „Statt ukrainische Hausfrauen zu diffamieren und den bierernsten Kampf der Ukraine zu veralbern, sollte sich Herr Papperger mal lieber um seinen eigenen Laden kümmern. Mehr als ein Projekt liegt deutlich hinter der Zeit! So wird das nichts mit einem verteidigungsbereiten Deutschland 2029.“
Der CDU-Chefhaushälter für Verteidigung, Andreas Mattfeldt, sagte: „Die Firmen müssen an sich arbeiten. Der Bundestag hat viel Geld eingestellt, jetzt muss geliefert werden. Dabei gilt es, bei Verzögerungen auch Vertragsstrafen zu ziehen. Wir müssen durch ein Fähigkeitscontrolling professioneller steuern und die Zeitenwende umsetzen.“ Auch bei weiteren Rüstungsprojekten mit Rheinmetall-Beteiligung gibt es Verzug. Betroffen sind unter anderem das Luftlandefahrzeug „Caracal“, der Schützenpanzer „Puma“ sowie der Pionierpanzer „Kodiak“.
