„EPiC: Elvis Presley in Concert“ von Baz Luhrmann: Den König huldigen

Spätestens mit „Moulin Rouge!“ (man beachte das Ausrufezeichen im englischen Originaltitel) hatte der australische Regisseur Baz Luhrmann seinen Stil gefunden: Glamour! Exzess! Pathos! Camp! 20 Jahre später hatte er dann auch die Persönlichkeit gefunden, deren Leben er erstaunlicherweise noch überlebensgrößer und exzentrischer auf die Leinwand brachte, als es in Wirklichkeit ohnehin war: Elvis Presley.

Schlicht und ergreifend „Elvis“ hieß das zweieinhalb Stunden lange Epos, das aus allen Nähten zu platzen drohte und Austin Butler zum Star machte. Ganz abgeschlossen hat Luhrmann mit dem Thema noch nicht, in Jahren der Recherche hat er enorme Mengen an Material über Elvis zusammengetragen, vermutlich jeden Zeitungsartikel, jedes Foto, alle Fernseh- und Filmaufnahmen, die im Laufe seiner Karriere von Elvis gemacht wurden, gesichtet.

Aus dem Material hat Luhrmann nun den Dokumentarfilm „EPiC: Elvis Presley in Concert“ geformt, eine Collage, eine Hommage, die keinen Funken Distanz zu ihrem Subjekt aufweist, sondern dem Glanz von Elvis unverhohlen huldigt.

Der Film

„EPiC: Elvis Presley in Concert“. Regie: Baz Luhrmann. USA 2025, 97 Min.

Die ersten fünfzehn, zwanzig Minuten liefern einen kurzen Abriss über Elvis’ frühe Karriere, die ersten Erfolge, die unfreiwillige Pause, die durch den in Deutschland abgeleisteten Wehrdienst nötig wurde. Zurück in den USA folgte in den 60er Jahren der Weg nach Hollywood, wo Elvis innerhalb eines Jahrzehntes sagenhafte 27 Filme drehte und so gut wie nie auf der Bühne stand.

Proben im grellbunten Hawaiihemd

Genau das sollte sich dann Ende der 60er ändert, ausgerechnet in Las Vegas, jener in der Wüste hochgezogenen Konstruktion, eine Stadt, in der es nur ums Geld und ums Spielen, um Konsum und Sex geht. Im gerade neu eröffneten International Hotel begann Elvis im Juli 1969 ein wochenlanges Engagement und spielte fünf Tage die Woche zwei stets ausverkaufte Shows.

Die Aufnahmen von diesen Konzerten wurden schon 1970 im Konzertfilm „Elvis – That’s the Way It Is“ verwendet, Luhrmann hat sie restaurieren und auf den neuesten Stand der Technik bringen lassen, optisch, vor allem aber akustisch. Zu den Bildern von den Konzerten kommen Aufnahmen von den Proben, erst in kleiner Besetzung, später mit Bigband und Begleitsängern.

Trägt Elvis während der Auftritte meist seinen legendären, bis zum Bauchnabel offenen weißen Anzug, hat er während der Proben lässige, grellbunte Hawaiihemden an. Doch auch hier, mit ins Gesicht fallenden Haaren, so normal wie jemand wie Elvis eben aussehen kann, hängen die Musiker an seinen Lippen, ist in jedem Moment die Begeisterung, die Faszination zu spüren, mit dieser lebenden Legende in einem Raum zu sein. Eine Begeisterung, die später auch im Publikum zu spüren und zu sehen ist, bei den männlichen Gästen, vor allem aber bei den weiblichen.

Alles sollte spontan wirken

„Spielt jeden Song so, als wäre es das erste Mal“, hatte Elvis seiner Band mit auf den Weg gegeben: Kein Song sollte sich routiniert einhören, alles sollte spontan wirken, auch wenn die Gags und Gesten, das Zwinkern mit einer Frau in der ersten Reihe, die scheinbaren Pannen fraglos ebenso zum Repertoire gehörten wie Hits wie „In the Ghetto“, „Love Me“ oder „Suspicious Minds“.

Wir würden Ihnen hier gerne einen externen Inhalt zeigen. Sie entscheiden,
ob Sie dieses Element auch sehen wollen:


Auch ein halbes Jahrhundert später wirken diese Auftritte noch frisch und mitreißend, geprägt von einer damals vermutlich unerhört wirkenden unmittelbaren Sexualität, aber auch musikalisch außerordentlich.

Im frühen Las-Vegas-Elvis hat Baz Luhrmann sein ideales Sujet gefunden, eine unsterbliche Ikone, einen der begnadetsten Entertainer des 20. Jahrhunderts. Kein Wunder, dass die späteren Jahre, als Elvis durch jahrelangen Tabletten- und Alkoholmissbrauch aufgedunsen über die Bühne wankte, in „EPiC: Elvis Presley in Concert“ keine Rolle spielen. Diese unschöne Realität hätte dieser wunderbaren Hagiografie auch nur im Wege gestanden.