Es war der erhoffte Härtetest vor der EM: Deutschlands Handballer haben in Kroatien Höhen und Tiefen durchlebt und den vermeintlichen Angstgegner geknackt.
Deutschlands Handball-Nationalmannschaft hat am Donnerstag ihr Testspiel gegen Vize-Weltmeister Kroatien mit 32:29 (17:14) gewonnen. Vor 15.200 Zuschauern in Zagreb entwickelte sich eine spannende, umkämpfte Partie. Das Team des Deutschen Handballbundes (DHB) beendete mit dem Sieg eine Serie von vier Niederlagen in Folge gegen Kroatien. Beste Torschützen im Team waren Johannes Golla, Juri Knorr und Renars Uscins mit jeweils fünf Treffern.
„Die Abwehr war wirklich sehr, sehr gut mit einem starken David Späth dahinter“, sagte Bundestrainer Alfred Gislason. Und vorne habe die Mannschaft trotz technischer Fehler nie nachgegeben. „Ich bin sehr stolz auf die Jungs, weil sie an sich geglaubt haben und sehr gut zusammengehalten haben.“
Die Partie war das erste von zwei Duellen gegen die Kroaten. Das „Rückspiel“ steigt am Sonntag in Hannover (ab 18.05 Uhr live im Ersten und auf sportschau.de). Es ist gleichzeitig die Generalprobe vor der EM vom 15. Januar bis 1. Februar in Dänemark, Schweden und Norwegen. Deutschland bestreitet direkt am Donnerstag, 15. Januar, um 20.30 Uhr sein erstes Gruppenspiel gegen Österreich.
Mehr als sieben Minuten ohne Gegentor
Gislason dürfte sich besonders über die Schlussphase der ersten Hälfte gefreut haben. Nach einem ausgeglichenen Beginn lag sein Team nach einem Tor von Mario Sostaric in der 22. Minute mit 12:14 zurück. Es sollte Kroatiens letzter Treffer bis zur Halbzeitsirene bleiben.
Die Abwehr und Torwart David Späth machten hinten dicht, vorne trafen Renars Uscins und Johannes Golla jeweils zwei Mal und Marko Grgic verwandelte seinen zweiten Siebenmeter. Mit einem 5:0-Lauf und mehr als sieben Minuten ohne Gegentor erarbeitete sich das DHB-Team die 17:14-Pausenführung.
Gislason hatte betont, dass er bei der Kaderzusammenstellung vor allem auf die Defensive geschaut habe. Die Eindrücke aus Zagreb dürften ihm Mut machen, auf dem richtigen Weg zu sein. Teammanager Benjamin Chatton sagte in der Pause: „Wir haben in unterschiedlichen Abwehrformationen, das hat mir besonders gefallen, Paroli geboten.“
Kuzmanovic nicht im Einsatz
Kroatien lief mit fünf Bundesligaprofis auf: Torwart Matej Mandic (SC Magdeburg), David Mandic (MT Melsungen), Veron Nacinovic (THW Kiel) und Josip Simic (HSG Wetzlar). Gummersbachs Keeper Dominik Kuzmanovic fehlte angeschlagen.
Kroatiens Trainer Dagur Sigurdsson, mit Deutschland 2016 Europameister geworden, fand in der Halbzeitpause offenbar die richtigen Worte, Kroatien startete mit einem Doppelschlag von Ivan Martinovic in die zweite Hälfte.
Späth und Mandic mit starker Phase
Anschließend begann eine ausgeglichene Phase, in der die Torhüter Späth und Mandic mit starken Paraden in den Blickpunkt rückten. Deutschland musste zwar mehrfach den Ausgleich hinnehmen, hatte aber meistens im direkten Gegenstoß die passende Antwort.
Deutschlands David Späth bejubelt seine Parade
Gislason gab den EM-Neulingen Tom Kiesler, Matthes Langhoff, Miro Schluroff und Mathis Häseler Gelegenheit, intensiv vorzuspielen. „Ich habe aber nicht so viel durchgewechselt wie sonst in einem Testspiel“, sagte Gislaslon. „Wir wollten das Spiel so angehen, als wäre es das erste Spiel bei der EM.“ Vor dem ersten Spieltag muss Gislason noch zwei Spieler aus dem Kader streichen.
Auch Slavic glänzt im Tor
Mitte der zweiten Hälfte brachte Sigurdsson seinen nominell dritten Torhüter Dino Slavic – und der Mann von Limoges Hand 87 wuchs über sich hinaus. Er zeigte eine Parade nach der anderen, entschärfte auch einen Siebenmeter von Grgic (22.). So ermöglichte er Kroatien eine knappe Führung.
Deutschland ließ sich aber nicht aus der Ruhe bringen, holte sich unter anderem mit drei Toren von Häseler die Führung zurück – und brachte sie nach Hause.

