Elliott drängt RWE zu Aktienrückkauf

Das Gerücht war schon im vergangenen November aufgekommen, nun bekommt es neue Nahrung: Der aktivistische US-Finanzinvestor Elliott hat nach eigenen Angaben eine Beteiligung von fast fünf Prozent am Essener Energieriesen RWE aufgebaut. Das teilte das von Milliardär Paul Singer gegründete Unternehmen in London mit und verband es mit einer klaren Aufforderung an RWE.

Elliott teile „die Enttäuschung des Marktes über das Fehlen von Klarheit hinsichtlich des Bekenntnisses des Unternehmens, Aktionärsrenditen zu steigern“, heißt es in einem am Montag veröffentlichten Statement. Der Investor forderte RWE darin auf, das laufende Aktienrückkaufprogramm „signifikant zu erhöhen und zu beschleunigen“, dazu sei aktuell eine „zwingende Gelegenheit“.

Der Aktienkurs des Energieriesen reagierte positiv auf den Vorstoß. Am Montagvormittag lag er mehr als 2,5 Prozent im Plus, verlor dann aber wieder leicht. Der Hedgefonds hat in der jüngeren Vergangenheit Anteile an mehreren großen Energieunternehmen gekauft, etwa am Ölriesen BP.

Ein Aktienrückkaufprogramm gibt es schon

RWE hatte schon im vergangenen Herbst ein Aktienrückkaufprogramm über bis zu 1,5 Milliarden Euro angekündigt, das im zweiten Quartal 2026 abgeschlossen sein soll. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung entsprach dies rund sieben Prozent der Marktkapitalisierung in Höhe von mehr als 22 Milliarden Euro.

Die Aktienrückkäufe standen im Zusammenhang damit, dass das Unternehmen Investitionsziele kassiert hatte, unter anderem aufgrund von Genehmigungssorgen bei einem geplanten US-Windpark vor der Küste bei New York. Unter der Administration von Klimawandelleugner Donald Trump erwartet das Unternehmen, Rückschläge mit Blick auf das Thema Offshore-Windenergie. Von den eingesparten Mittel werde man eigene Aktien zurückkaufen, hieß es damals von RWE. Und schon damals gab es Gerüchte am Markt, Elliott habe Druck gemacht.

Schon wieder Investitionspläne gekürzt

Vergangene Woche hatte RWE-Chef Markus Krebber im Zuge der Verkündung der Bilanzzahlen für das Jahr 2024 abermals Investitionspläne zusammengestrichen. Bis 2030 will der Energiekonzern nun zehn Milliarden Euro weniger in die Hand nehmen. Elliott schreibt in seiner Mitteilung, der Investor begrüße diese Entscheidung, ebenso wie die Tatsache, dass sich das Unternehmen striktere Investmentkriterien verpasst habe. „Willkommen“ ist dem Investor auch, dass RWE seine Renditeanforderungen für neue Projekte anhebt und seine Strategie zur Veräußerung von Beteiligungen an Projekten fortsetzt.

RWE reagierte zurückhaltend auf den Vorstoß. „Wir stehen fortwährend im Austausch mit unseren Investoren und anderen Finanzmarktteilnehmern, einschließlich Elliott“, teilte eine Sprecherin mit. Zu Einzelheiten der Gespräche mit einzelnen Investoren äußere sich das Unternehmen nicht.

Neben den zurückhaltenderen Investitionsplänen sowie gezielten Anteilsverkäufen und einer Partnerstrategie im Offshore-Windgeschäft, werde man künftig auch bei der Verschuldung vorsichtiger agieren. „Beim sogenannten Leverage Factor, dem Verhältnis von Nettoschulden zum bereinigten Ebitda, streben wir einen Wert am unteren Ende unseres selbst gesetzten Zielkorridors an (3,0 bis 3,5), um in Zeiten erhöhter Unsicherheit und Volatilität eine starke Bilanz zu bewahren“, schreibt die Sprecherin.

Weitere Aktienrückkäufe seien „Teil unserer zukünftigen Überlegungen zur Kapitalallokation“, wiederholte das Un­ter­nehmen eine Aussage Krebbers vom vergangenen Donnerstag. Für 2025 seien alle Investitionen vollständig verplant, doch „ab 2026 haben wir mehr Flexibilität“. Über die optimale Kapitalallokation für den noch nicht fest verplanten Teil wolle man Anfang nächsten Jahres entscheiden, „wenn wir Klarheit über die künftigen Investitionen in den USA und Deutschland haben“.