
Es sollte ihr letzter Tanz werden – und es wird die Kür ihres Lebens. Bei den Olympischen Spielen weinte Kaori Sakamoto noch Tränen der Enttäuschung, bei der WM nun des Glücks. Mit WM-Titel Nummer vier verabschiedet sich eine Große unter minutenlangem Beifall.
Der Applaus ebbt nicht ab. Mit dem letzten Ton des Liedes „Non, je ne regrette rien“ und dem letzten Schritt Kaori Sakamotos auf dem Eis hatte sich das Publikum in der Prager Sportarena von seinen Plätzen erhoben. Minuten später steht es noch immer und applaudiert. Es ist der Beifall für eine traumhafte Kür der 25 Jahre alten Japanerin und gleichermaßen die Verneigung vor einer großen Karriere, die in diesem Moment bei den Weltmeisterschaften zu Ende geht.
Von 2022 bis 2024 gewann sie dreimal in Folge WM-Gold, dies ist ihr vierter Titel, nachdem ihr der olympische Triumph verwehrt geblieben war. In Prag aber glänzte sie mit zwei phänomenalen Programmen, an deren Ende sie erst jubelte und dann die Tränen laufen ließ. Es war eine einzige Party, die sich in den Minuten nach ihrer Kür in der Halle abspielte – denn alle wussten: Dies ist der Sieg, ein Abtritt in Gold. Und was für einer! 13.500 Zuschauer feierten sie, viele schwenkten japanische Flaggen oder hielten Abschiedsplakate hoch, ihre Trainer lagen sich in den Armen.
Als dann die Punkte aufleuchteten, steigerte sich die Stimmung erneut: Mit 238,28 Zählern verbesserte Sakamoto im letzten Wettbewerb ihrer Karriere ihre alte Bestmarke um mehr als zwei Punkte. Sie gewann damit deutlich vor ihrer 20 Jahre jungen Landsfrau Mone Chiba (228,47) und der Überraschungsdritten Nina Pinzarrone aus Belgien (215,20). Olympiasiegerin Alysa Liu hatte ihren Start Anfang des Monats abgesagt.
„Ich bin sehr, sehr glücklich“, sagte Sakamoto. „Und ich bin dankbar, dass ich hier nochmal laufen durfte. Es ist großartig, meine Karriere so zu beenden.“ Bronzemedaillengewinnerin Pinzarrone erzählte etwas später: „Wir haben alle fast geweint, als sie auf dem Eis war. Es war emotional. Und wirklich speziell, sie ein letztes Mal zu sehen. Unglaublich, was sie kann und was sie dem Sport gegeben hat. Wir werden sie alle vermissen.“
„Ich hatte mit meinen inneren Dämonen zu kämpfen“
Die Japanerin prägt das Eiskunstlaufen seit Jahren und hat eine für das Eiskunstlaufen erstaunlich lange Karriere auf Spitzenniveau vorzuweisen. Schon bei den Olympischen Spielen 2018 war sie dabei, wurde Fünfte damals. Es gab auch harte Zeiten, wie sie einmal berichtete. „Ich hatte mit meinen inneren Dämonen zu kämpfen und hätte fast aufgegeben“, erzählte sie einmal. „Es fiel mir sehr schwer, an Wettkämpfen teilzunehmen und zu trainieren, aber ich habe es geschafft.“
Zur Vollendung ihrer Karriere fehlt ihr einzig Olympiagold. 2022 in Peking wurde es Bronze im Einzel und Silber mit dem Team, in Mailand zweimal Silber. Knapp zwei Punkte fehlten ihr in Italien zu Liu, der Weltmeisterin von 2025, die mit 226,79 Zählern Olympiasiegerin wurde. „Es tut weh, das muss ich zugeben“, sagte sie in Mailand. „Ich wollte hier eine perfekte Leistung zeigen. Zu wissen, dass ich das nicht konnte, ist schmerzhaft. Ich konnte die Tränen nicht zurückhalten.“ Umso emotionaler der Triumph mit dieser Traumkür nun in Prag.
Wie schon bei den Weltmeisterschaften im vergangenen Jahr hatte keine Sportlerin der Deutschen Eislauf Union (DEU) die Startvoraussetzungen des Weltverbandes ISU erfüllt. Anders als die Ravensburgerin Julia Sauter, die seit vielen Jahren für Rumänien antritt. Nach WM-Rang 19 im vergangenen Jahr und Platz 17 bei den Olympischen Spielen in Mailand landete sie jetzt auf Platz 22.
