Eiskunstlauf: So sieht die Zukunft im deutschen Eiskunstlauf aus

Das Eiskunstlaufpaar Annika Hocke und Robert Kunkel jubelt nach der Kür bei der WM in Prag (Quelle: picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Petr David Josek)


analyse

Stand: 27.03.2026 • 15:36 Uhr

Mit der Gold-Kür von Minerva Hase und Nikita Volodin bei der WM geht eine Eiskunstlauf-Saison voller Auf und Abs zu Ende. ARD-Kommentator Daniel Weiss blickt zurück und voraus.

Minerva Hase und Nikita Volodin haben in Prag für den Höhepunkt einer aufregenden Eiskunstlauf-Saison gesorgt. Das deutsche Paar belohnte sich mit Gold bei der WM. Trotz des glänzenden Abschlusses sahen sich die beiden in den vergangenen Monaten mit Auf und Abs konfrontiert. Der ehemalige Eiskunstläufer und heutige ARD-Kommentator Daniel Weiss hat die beiden intensiv verfolgt.

„Bisher ist ihre Entwicklung immer linear verlaufen“, so Weiss im Gespräch mit der Sportschau, „bei den beiden war immer alles Friede, Freude, Eierkuchen.“ Nun sahen sich Hase und Voldin erstmals mit „Wellenbewegungen“ konfrontiert, so Weiss – einmal patzte Hase, dann Volodin. Bei den Olympischen Spielen in Mailand lag das Paar nach dem Kurzprogramm in Führung. In der Kür aber leisteten sie sich Unsicherheiten.

Als Hase den Salchow aufriss, war Gold dahin. Und auch beim Gold-Auftritt in Prag kamen Hase/Volodin kurz ins Zittern, legten einen ansonsten aber grandiosen Auftritt hin. Gold war „hochverdient„, findet Weiss. Die Berliner hätten dem Druck, der sich rund um Olympia aufgebaut hatte, und der ihnen, wie Weiss sagt, „bis in die Knochen eingefahren“ war, standgehalten.

„Sie sind Deutschlands neues Traumpaar“

An den Auf und Abs aber seien Hase/Volodin gewachsen: „Sie haben sich nie irritieren lassen, das ist die größte Stärke, die ein Sportler haben kann.“ Weiss findet: „Sie sind Deutschlands neues Traumpaar.“ Weiss hofft, dass Hase und Voldin weitermachen. Ihre sportliche Zukunft haben die beiden zuletzt offengelassen. Auch in Prag beantworteten sie die Frage nicht beantworten.

Doch Weiss Freude gilt nicht nur dem Gold-Paar, sondern auch den WM-Siebten Annika Hocke und Robert Kunkel. Den beiden habe gut getan, dass sie bei „Holiday on Ice“ waren – „sie haben dort die Schönheit unseres Sports kennengelernt, in dem es nicht immer nur um Punkte geht, sondern auch um Unterhaltung.“

Hocke/Kunkel kämpfen sich von schwerem Trainingsunfall zurück

Hocke und Kunkel tanzten in Prag zu „I’d Do Anything for Love“ von Meat Loaf. In Erinnerung bleibt der „Headbanger“ am Ende des Auftritts – eine Kür, die Weiss begeisterte: „Das haben sie vorzüglich gemacht. Sie können sehr stolz auf sich sein.“ Dass Hocke/Kunkel eine solche Performance aufs Eis legen konnten, grenze an ein Wunder. Bei einem Trainingsunfall im Sommer zog sich Kunkel schwere Handverletzungen zu, erzählt Weiss.

Der Unfall würftelte die Vorbereitung völlig durcheinander – und das nur wenige Monate vor den Olympischen Spielen. Doch die Berliner berappelten sich und konnten sich auch bei den Winterspielen nach einer fehlerfreien Vorstellung in der Kür im Klassement nach vorne arbeiten. Am Ende stand ein zehnter Platz.

Hoffnungen ruhen auf Genrikh Gartung

Weiss freut sich in der kommenden Saison auch auf Genrikh Gartung. „Er ist hochtalentiert“, sagt der Eiskunstlauf-Experte. Der 18-Jährige sei der einzige Mann in Deutschland, dem Vierfachsprünge gelingen. Bei der EM und auch bei der WM hatte er zuletzt knapp das Finale erreicht. Gartung aber müsse noch „künstlerisch herangeführt werden, er läuft aktuell noch sehr einfach und stoffelig.“

„Weniger rosig“ sehe es hingegen bei den Frauen aus. Ausgerechnet in dem Bereich, in dem Deutschland einst große Erfolge feierte durch Katharina Witt oder Claudia Leistner, sei aktuell „ganz vorne und auf großer internationaler Bühne nichts in Sicht“.

Begeistert Alysa Liu auch mehr Deutsche für das Eiskunstlaufen?

Weiss‘ Hoffnungen liegen hierbei auf Alysa Liu. Die US-Amerikanerin hatte bei den Olympischen Spielen Gold geholt und vor allem die jüngere Generation begeistert. Videos ihrer Auftritte gingen viral, auf Instagram hat der Shootingstar mittlerweile acht Millionen Follower. Ihr Look – von der außergewöhnlichen Haarfarbe über die Piercings – kommt bei der GenZ gut an. Liu ziert die Titelblätter großer Modemagazine, wird auf Rote Teppiche eingeladen und auf TikTok gefeiert.

Weiss freut sich, „dass der Eiskunstlauf-Sport nach den Olympischen Spielen ein unheimlich junges Publikum gefunden hat“. In den vergangenen 20 Jahren habe er befürchtet, „dass Eiskunstlaufen eine sehr schöne Nischensportart ist, die kaum ein junges Publikum findet, weil gewisse Aspekte zu unmodern waren, nicht cool genug.“ Jetzt aber sei das Ganze „umgeschappt“ – vor allem durch Liu und den Star bei den Männern, Ilia Malinin. „Sie haben einen unheimlichen Star-Status, eine riesige Fanbase.“

Auch in Deutschland mache sich der Hype bemerkbar. Weiss erzählt: „Ich wurde von sehr vielen jungen Leuten angesprochen und angeschrieben, dass sie über Olympia zum Eiskunstlaufen gekommen sind, weil sie Malinin und Liu auf TikTok und Instagram verfolgen.“ Weiss hofft, dass sich diese Begeisterung bald auch auf dem Eis bemerkbar macht.