

Ein Bericht des „Kicker“ löste deshalb in dieser Woche am Main Unruhe aus: In dieser Saison soll die Eintracht wieder einen Verlust schreiben, der sich dem Fußballmagazin zufolge zwischen zehn und zwanzig Millionen Euro einpendelt. Das ist bedenklich. Wann, wenn nicht nach diesem Sommer, wollen die Frankfurter mit ihrem Modell Geld verdienen?
Doch der ertragreiche Sommer ist nur die halbe Wahrheit. In dieser Saison gab die Eintracht auch etliche Millionen aus: beispielsweise 54 für Sommereinkäufe, 20 für Wintereinkäufe. Übers Jahr hinweg 24 Millionen für Berater sowie zehn für ihre Vorstandsgehälter. Dazu der Lohn von zwei Trainerteams. Und trotzdem: Ein paar Euros sollten noch übrig bleiben.
Die Eintracht zahlt seit Jahren hohe Gehälter, nur vier Klubs haben in Deutschland höhere Personalkosten. Es ist logisch, dass eine gute Mannschaft gutes Geld kostet. Die Frankfurter bieten ihren Talenten Verträge ohne Ausstiegsklauseln, um an Transfers möglichst viel verdienen zu können. Das lassen sich die Spieler bezahlen. Wenn das Geschäft funktioniert, lohnt es sich für beide.
Die Argumentation der Eintracht lautet: Der Wert eines Fußballklubs bemisst sich vor allem daran, was seine Spieler wert sind. Vor zehn Jahren waren das bei der Eintracht 70 Millionen Euro, vor fünf Jahren schon mehr als 200 Millionen Euro, heute sind es dem Fußballportal transfermarkt.de zufolge fast 400 Millionen Euro. Das ist die Goldreserve der Eintracht, heißt es.
Den Kern der „Goldreserve“ bilden in diesem Jahr drei Spieler: Nathaniel Brown, Jean-Mattéo Bahoya und Nnamdi Collins. Diese drei Spieler sollen im Sommer viel Geld bringen. Die Chancen dafür stehen gut, weil sie unter Riera häufig spielen und häufig gut. Meist startet ein Deal mit einem öffentlichen Preisschild in den Boulevardmedien. Wer Brown bei sich spielen lassen will, sollte 60 Millionen Euro bieten, bei Collins sind es 40.
Auch im Sommer will die Eintracht ihre Talente vergolden. Die Metapher ist schön, aber nicht alles ist Gold, was glänzt. Auch Gold erlebt schlechte Markttage, auch Gold kann in wenigen Stunden viel von seinem Wert verlieren. Ein schlechter Markttag, das wäre für die Eintracht ein Jahr ohne Teilnahme am Europapokal. Oder eine schwere Verletzung eines ihrer Talente (siehe Kaua Santos). Spielerwerte sind nicht so stabil wie der Preis eines Edelmetalls. Das Geschäft der Eintracht wird heikler.
Das Risiko des Klubs steigt mit dem Betrag, den er mit Transfers verdienen will. Im Juli und August soll der Überschuss 50 bis 70 Millionen Euro betragen. Bringen Brown, Collins und Bahoya den nächsten goldenen Sommer? Dafür bräuchte die Eintracht den siebten Platz in der Liga plus zwei, drei große Transfers. Doch das liegt nicht nur in ihrer Hand.
