
Für Zwischentöne war nach dieser Leistung kein Raum, und Sportvorstand Markus Krösche wählte nach dem Abpfiff klare Worte: „Es war eine der schlechtesten Saisonleistungen.“ Statt sich vom 1. FSV Mainz 05 weiter abzusetzen, verlor der Tabellendritte Eintracht Frankfurt am Samstagabend 0:2 bei Werder Bremen und kassierte am 28. Spieltag die achte Saisonniederlage.
„Wenn wir nicht 100 Prozent geben, wird es in jedem Spiel schwierig für uns“, urteilte Krösche. Dass Werder an diesem stimmungsvollen Flutlichtabend den besten Heimauftritt der Spielzeit hinlegte, war für ihn kein Trost, denn die Eintracht hatte ungewohnt fahrig und wenig zielstrebig gespielt: „Wir sind gar nicht auf unser Level gekommen“, klagte Verteidiger Nathaniel Brown, „es hat nicht viel geklappt, Werder war aggressiv und gut.“
Für den weiteren Kampf um die Champions-League-Plätze und das Hinspiel im Europa-League-Viertelfinale am Donnerstag (21.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Europa League und bei RTL) bei Tottenham Hotspur in London wollte Brown aus dieser enttäuschend verlaufenden Partie nichts ableiten: „Es gibt solche Spiele im Laufe einer Saison. Wir müssen und werden das jetzt wegstecken und ab Sonntag geht es dann um Tottenham. Wir sind eine gute Gruppe.“
Nach zuletzt wettbewerbsübergreifend drei Siegen wirkte Trainer Dino Toppmöllers Team im ausverkauften Weserstadion anfangs überrascht, wie mutig die Bremer draufgingen. Erst von der 15. Minute an befreite sich die Einracht und beruhigte das Spiel. Das wirkte planvoll.
Doch diese ansprechende Phase hielt nur bis zu Burkes Kopfballtor nach einem Eckball. Da verteidigte Frankfurt einfach schwach und „vergaß“ den Schotten. In der Folge stand Werder tief, so dass Frankfurter Tempovorteile folgenlos blieben. Der zuletzt auffällige Mario Götze versuchte über rechts erfolglos, ins Spiel zu kommen.
Mit Michy Batshuayi für Tuta sollte es nach der Pause offensiver werden. Doch es waren die Bremer, die die Akzente setzten – Marvin Ducksch vergab in der 47. Minute nach Browns Fehler das 2:0. Die Eintracht blieb harmlos: Bezeichnend, dass der Bremer Torwart Michael Zetterer kein einziges Mal wirklich eingreifen musste. Werder hatte als ganze Mannschaft gut verteidigt, und die individuelle Klasse der Eintracht kam auch nicht zum Tragen.

„Wir haben nicht das auf den Platz gebracht, was wir uns vorgenommen haben, Bremen war bissiger und gieriger“, sagte Toppmöller, „wir hatten dann viel Ballbesitz, waren aber technisch nicht auf dem Level, wie wir es schon waren – deshalb steht am Ende eine verdiente Niederlage. Wir haben es insgesamt viel schlechter gemacht als noch gegen Stuttgart.“
Enttäuschend war dabei, dass sich der Champions-League-Kandidat aus Frankfurt zwar mühte und viel lief, eigene Pläne durch schlampige Pässe und falsche Laufwege jedoch selbst durchkreuzte. Auch Toppmöllers offensive Wechsel in der zweiten Halbzeit fruchteten nicht. Die taktische Umstellung, Götze zur zweiten Halbzeit von rechts auf die Mitte für den diesmal verletzt fehlenden Ansgar Knauff zu rücken, blieb ebenfalls ohne Wirkung.
Die Niederlage wollte Toppmöller aber nicht an Einzelnen festmachen: „Wir hatten nicht die nötige Energie heute“, klagte der Coach, „aber daraus sollte man nicht zu viel machen. Hier braucht keiner einen Wachrüttler. Wir sind Dritter und können Donnerstag in Tottenham den Grundstein für das Weiterkommen sorgen – wir spielen eine gute Saison.“
Spätestens mit Romano Schmids schönem Treffer zum 2:0 war dann auch dem letzten Frankfurter klar, dass an diesem Abend nichts mehr zu holen sein würde. Damit hatte sich der Eindruck der ersten Minuten manifestiert – schon da wirkte es, als würde die Eintracht womöglich keinen guten Abend erwischen. Und so kam es dann auch die folgenden 96 Minuten, ehe die Frankfurter zum Bremer Flughafen eilten, als wollten sie diesen Auftritt nur ganz schnell vergessen.