Eintracht Frankfurt gegen 1. FC Köln 2:2 in Fußball-Bundesliga


Die berühmteste Konversation der deutschen Bürogeschichte geht so: „Na, wie war der Urlaub?“, fragt der eine. „Zu kurz“, antwortet der andere. Das Thema Ferien bestimmte in den vergangenen Wochen die Frankfurter Fußballwelt.

Zumindest die Welt außerhalb der Kabine. Ob auch die Mannschaft über die schönsten Reiseziele diskutierte? Schließlich hatte Eintracht-Trainer Albert Riera seinem Team nach dem desolaten 1:2 in Mainz acht Tage freigegeben. So richtig erholt schienen seine Spieler am Ostersonntag gegen den FC Köln nur zeitweise: Eine 2:0-Führung gaben die Frankfurter aus der Hand. Die beiden Traditionsklubs trennten sich 2:2 (0:0).

Albert Riera spielte in der Pause in Liverpool Fußball

Die Frankfurter Reiserei war bemerkenswert. Schließlich haben die meisten Eintracht-Spieler ohnehin in sechs Wochen frei, wenn die WM läuft (dann mehr als acht Tage). Riera hatte zudem einst gesagt, die Mannschaft brauche jede Einheit, um seine Idee vom Fußballspiel zu verstehen. Riera nutzte die Zeit jedenfalls, um nach England zu reisen und für seinen alten Klub Liverpool FC bei einem Benefizspiel zu kicken. Im Internet war zu sehen, wie der Spanier einen Ball nach dem anderen ins Netz schoss.

Zuletzt hieß es ja, es sei ein wenig viel mit den Corporate Benefits, also den Vergünstigungen des Arbeitgebers, bei der Eintracht. Sie müsse wieder härter trainieren, mehr laufen, im Spiel dagegenhalten. Rieras Ferien schienen genau das zu bewirken: Die Eintracht spielte sich gegen den FC schnell zwei Chancen heraus. Sie wirkte auch in den Zweikämpfen wach. Ihr Stürmer Arnaud Kalimuendo, den Riera schon auf dem rechten Flügel und im rechten Sturm einsetzte, griff diesmal über links an.

Dort fand er das, was im Basketball Mismatch heißt. Er war schneller, beweglicher und technisch sauberer als sein Gegenspieler Sebastian Sebulonsen. Kalimuendo dribbelte an ihm vorbei und legte in die Mitte, dort verpassten seine Mitspieler zweimal knapp. Nach einem Kölner Fehler im Mittelfeld lief der Franzose allein auf den FC-Torwart Marvin Schwäbe zu und schoss ihm an die Brust (34. Minute).

Und der FC? Er hatte die Länderspiele genutzt, um in England ein Benefizspiel … Moment, nein, der FC hatte vor zwei Wochen den Trainer gewechselt. Es coachte nun René Wagner statt Lukas Kwasniok. Gleich in der ersten Minute hatte Ragnar Ache eine große Chance auf die Führung. Danach versammelte sich der kölsche Traditionsverein am eigenen Strafraum und versuchte, die Eintracht mit langen Bällen auszukontern.

Immer wieder grift Köln über Said El Mala an

Diese Strategie funktionierte das ganze Spiel über, weil die Eintracht vor lauter Angreifen das Verteidigen vergaß. Die Statistiker zählten am Ende rund drei Tore, die die Kölner – gemessen an ihren Chancen – hätten erzielen müssen. Bei der Eintracht waren es nur zwei.

Immer wieder griff der FC über seinen stärksten Spieler an, den Dribbler Said El Mala. Einmal schoss er knapp am Pfosten vorbei (26.). Dann lief er ein paar Minuten später mit dem Kollegen Jakub Kaminski aufs Frankfurter Tor, Kaminski legte sich den Ball ein paar Meter zu weit vor, Eintracht-Torhüter Michael Zetterer blockte ab (41.).

Das schien wie das übliche Prozedere beim Spiel eines Abstiegskandidaten: viel versuchen, wenig umsetzen. Die Eintracht nutzte zwei kleine Fehler in der FC-Abwehr, um scheinbar davonzuziehen. Jonathan Burkardt traf mit seinem 22. Ballkontakt in der 63. Minute zum 1:0, Kalimuendo sechs Minuten später zum 2:0. Ein paar Zuschauer auf der Tribüne klatschten noch ab, als Kaminski auf der Gegenseite ins linke Frankfurter Eck schoss (70. Minute).

Dann änderte sich das Spiel abrupt. Gerade waren drei Tore gefallen, von beiden Seiten dröhnte es. Köln gegen Frankfurt, das ist eines der lautesten, intensivsten Duelle in der Bundesliga. Plötzlich aber war es im Waldstadion still. Die Notärzte versammelten sich um einen Fan auf der Gegentribüne, kaum jemand im Stadion sprach. Ein einzelner Zuschauer rief Eintracht-Stürmer Burkardt zu, er möge beim Kopfball höher springen. Aus einem Bundesligaspiel mit der Kulisse eines Europapokalabends war ein Bundesligaspiel mit der Kulisse eines Kreisligamittags geworden.

In die Stille hinein glichen die Kölner durch Alessio Castro-Montes (83.) aus. Schon in den Minuten zuvor erinnerte die Eintracht an die letzten Tage unter ihrem ehemaligen Trainer Dino Toppmöller. Sie verteidigte mit ein paar Metern Abstand, joggte zurück, ließ die Kölner unbedrängt vorrücken. Vor beiden Toren verlor Mario Götze den Ball.

Der Ausgleich war das 17. Tor, das die Eintracht in dieser Bundesligasaison nach der 70. Minute hinnehmen musste. An der Fitness kann es diesmal nicht gelegen haben. An was dann? „Nach dem 2:0 wurde es zu wild“, sagte Kapitän Robin Koch.

Trainer Riera erklärte: Seiner Mannschaft falle es schwer, nach „sieben Monaten Enttäuschung“ positiv zu bleiben. Er fand aber auch einen plastischeren Erklärungsansatz: Sein Team habe in der zweiten Halbzeit viele Zweikämpfe verloren, auch nach dem 2:0. Vielleicht seien die Kölner nach dem Rückstand entschlossener gewesen.

Der Stadionsprecher analysierte nach dem Abpfiff: Auf Freiburg, den Tabellenachten, habe die Eintracht, der Tabellensiebte, einen Punkt gutgemacht. Aber in Wahrheit hat sie – wieder einmal – zwei Punkte verloren. Ein erholsamer Kurzurlaub sieht anders aus.

Notfall in Frankfurt: Zuschauer in kritischem Zustand

Nach einem medizinischen Notfall befindet sich ein Zuschauer in kritischem Zustand. Wie die Frankfurter kurz nach der Begegnung mitteilten, wurde eine Person nach einem Notarzteinsatz auf der Tribüne in der zweiten Halbzeit in eine Klinik gebracht. Zuvor sei die Person umgehend noch an ihrem Platz versorgt worden. „Unsere Gedanken sind bei dem Betroffenen und seinen Angehörigen“, hieß es von der Eintracht. Während der Begegnung des 28. Spieltags schweigen beide Fanlager zunächst minutenlang, nachdem die Rettungskräfte zu Hilfe geeilt waren. (dpa)