Eintracht Frankfurt: Ebnoutalib kommt, Wahi geht, Hellmann mit Selbstkritik – Sport

Von besinnlichen Festtagen konnte bei Eintracht Frankfurt wahrlich nicht die Rede sein. Vielmehr waren sie begleitet von einer deutlichen Selbstkritik von Vorstandsboss Axel Hellmann. „Es ist an der Zeit, das im Winter mal zu reflektieren und ein paar Dinge neu zu justieren – im gesamten Betrieb, in der gesamten Eintracht“, lautete seine Botschaft. Alles rund ums Waldstadion gehöre auf den Prüfstand, denn es herrsche „ein bisschen zu viel Wohlfühloase: Mit 70, 80 Prozent wird es nirgends funktionieren“. Für 2026 erwartete der 54 Jahre alte Jurist „ein bisschen mehr Härte, Konsequenz. Das ist ein Fingerzeig, den ich geben möchte für das neue Jahr“.

Der geforderte Verbesserungsbedarf ist natürlich an den Profibereich adressiert. Die Eintracht ist im DFB-Pokal ausgeschieden, in der Champions League sind die Chancen aufs Weiterkommen gering, selbst in der Bundesliga liegt der Klub als Siebter mit 25 Punkten nach 15 Spieltagen nicht wirklich im Soll. Doch das ist nicht mal Hellmanns Hauptkritikpunkt: „Aus meiner Warte haben wir einiges zu korrigieren, und ich mache es nicht an der Punkteausbeute fest. Es fühlt sich nicht so an wie Eintracht-Frankfurt-Fußball, den wir spielen.“

Auch wenn Trainer Dino Toppmöller ausdrücklich Rückendeckung erhielt, ist die Botschaft angekommen: Mit dem Rückserien-Auftakt gegen Borussia Dortmund am Freitagabend ist das Team gefordert, sich anders zu präsentieren. Und dazu passen die personellen Korrekturen, die Sportvorstand Markus Krösche beizeiten eingefädelt hat. Am Neujahrstag verkündeten die Hessen, dass der Stürmer Elye Wahi nach Nizza verliehen werde. Der Franzose war vor einem Jahr auf dem Wintertransfermarkt für satte 25 Millionen Euro von Olympique Marseille geholt worden, weil Frankfurt dringend Ersatz für seinen Toptorjäger Omar Marmoush brauchte, der für rund 75 Millionen zu Manchester City gewechselt war.

Doch Wahi fremdelte von Beginn an, baute überhaupt keine Bindung zu seinen Teamkollegen auf – und hatte mit dem intensiven Spiel in der Bundesliga sichtlich Probleme. Dem 22-Jährigen gelang kein Bundesligator, zuletzt stand der Millionen-Flop teilweise gar nicht mehr im Spieltagskader. Auf lediglich 24 Minuten Einsatzzeit kam Wahi in 25 Pflichtspielen im Schnitt und erzielte bloß gegen den Fünftligisten FV Engers im DFB-Pokal ein Tor. Hilft jetzt der Neuanfang in der Heimat? „In der französischen Liga hat Elye Wahi bereits gezeigt, was er imstande zu leisten ist. Wir wünschen ihm für die kommenden Monate alles Gute in Nizza und vor allem, dass er sich sein Selbstvertrauen und Selbstverständnis zurückholt“, teilte Krösche nun mit. Ob sich der Schaden noch begrenzen lässt, ist fraglich, weil der Angreifer angeblich schon in Marseille nicht die erforderliche Mentalität aufbrachte.

Vor zwei Jahren war Ebnoutalib vertragslos, Elversberg verpflichtete ihn für 50 000 Euro vom FC Gießen

Eine andere Haltung soll nun also Younes Ebnoutalib garantieren. Der 22-Jährige ist ein weiterer Beleg für die Schnelllebigkeit des Geschäfts, in dem Stürmer schneller im Kurs steigen als KI-Aktien. Der gebürtige Frankfurter war erst im vergangenen Januar für den Spottpreis von 50 000 Euro vom FC Gießen aus der Regionalliga zum Zweitligisten SV Elversberg gewechselt – und darüber schon heilfroh. Denn der Profi mit marokkanischen Wurzeln, der in der Jugend unter anderem für Rot-Weiss Frankfurt kickte, stand vor zwei Jahren vor dem Nichts, weil er nach einem Mittelfußbruch den Vertrag beim italienischen Drittligisten AC Perugia aufgelöst hatte.

Er ist nicht der erste Offensivspieler, der als Nobody in Elversberg durchstartete. Mit zwölf Treffern war Ebnoutalib in der Hinserie bester Zweitliga-Torschütze, zahlreiche Bundesligisten sollen ihn auf dem Zettel gehabt haben. Von seiner Präsenz und Physis sind die Frankfurter so überzeugt, dass sie nun fast acht Millionen Euro hinblätterten. Die Eintracht konnte gegen die Konkurrenz mit dem Heimvorteil punkten. „Wenn man die Chance hat, für seine eigene Stadt zu spielen, gibt es nichts Besseres“, sagte Ebnoutalib im Vereins-TV. Der Sohn des Taekwondo-Kämpfers Faissal Ebnoutalib, der für Deutschland bei den Olympischen Spielen in Sydney 2000 Silber gewann, könnte bei der Eintracht sofort ein Startelfkandidat sein.

Am Freitag gab Frankfurt einen weiteren Wechsel bekannt, der ins Beuteschema passt: Der Flügelstürmer Ayoube Amaimouni-Echghouyab kommt aus der zweiten Mannschaft der TSG Hoffenheim. In den vergangenen Jahren hat er ebenfalls eine steile Entwicklung genommen: 2023 spielte Amaimouni-Echghouyab noch bei der SpVgg Erkenschwick in der Oberliga Westfalen, ehe er den Schritt zu Hoffenheim ging und dort in der zweiten Mannschaft auf sich aufmerksam machte. Nach 16 Torbeteiligungen in der Regionalliga Südwest 2024/25 kam er in der abgelaufenen Hinserie auf neun Treffer und sechs Vorlagen in der dritten Liga. Er ist 21 Jahre alt.