Eintracht Frankfurt besiegt Gladbach in Bundesliga nach Kalimuendo-Schock

Albert Riera tat so, als wäre es das Normalste, dass die Frankfurter Eintracht gegen Borussia Mönchengladbach 3:0 gewinnt. Während den Spielern, Fans und langjährigen Eintracht-Angestellten am späten Samstagnachmittag die Erlösung nach neun Spielen ohne Sieg anzusehen war, hielt sich der Jubel des neuen Trainers in Grenzen.

Er war in Celje in Slowenien an Erfolgserlebnisse gewöhnt. Nach dem Abpfiff blieb der 43 Jahre alte Spanier gefasst, auf der Pressekonferenz stellte er seine taktischen Überlegungen in den Vordergrund, anstatt auf die psychologischen Aspekte einzugehen. Die Auswirkungen auf die Tabelle waren schon mal groß.

„Mit diesem Vertrauen können wir weit kommen“

Die Eintracht rückte durch die drei Punkte wieder auf Platz sieben vor, der zur Teilnahme an der Conference League berechtigen könnte. Nicht mehr Verzweiflung und Verunsicherung herrschen beim Blick auf die Tabelle, es mischt sich wieder Zuversicht in die Möglichkeiten. „Wir haben gezeigt, dass wir uns auch in der Verteidigung wohlfühlen. Mit diesem Vertrauen in unsere Fähigkeiten können wir weit kommen“, sagte Riera.

Sportvorstand Markus Krösche lobte die schnelle Wirkung der Arbeit des neuen Coaches: „Wir hatten eine ganz andere Verteidigungsmentalität und Defensivstruktur. Riera hat es in kurzer Zeit geschafft, eine positive Entwicklung herbeizuführen.“ Und Mario Götze setzte hinzu: „Riera ist ein guter Trainer, ich habe viel gelernt in der kurzen Zeit, er hat an wichtigen Stellschrauben gedreht.“

Alles werde neu, hatte der neue Trainer angekündigt, er hielt Wort, wenn man das Wort „alles“ nicht allzu eng auslegte. Beim Anstoß zum Beispiel standen die Frankfurter Innenverteidiger Koch und Amenda an der Mittellinie und stürmten mit dem Anpfiff Richtung gegnerischen Strafraum. Sofort flog der Ball hoch nach vorne, Amenda kam tatsächlich heran, aber die Aktion verpuffte.

Viele Aktionen der Eintracht in diesem Spiel verpufften, das war nicht neu. Aber es herrschte ein neuer Geist, eine frische Energie war spürbar. Die Frankfurter Profis waren bereit, sich über Widerstände und Missgeschicke hinwegzusetzen.

Kalimuendo muss vom Platz, Kristensen macht erstmal weiter

Als nach 14 Minuten Mittelstürmer Kalimuendo nach einem Zusammenprall mit dem Gladbacher Torwart Nicolas verletzt das Feld verlassen musste, schien die Mannschaft kurz verstört, vielleicht auch durch die Entscheidung ihres Trainers, ihn durch Mittelfeldspieler Dahoud zu ersetzen und ihm auch dessen Rolle als Spitze zu übergeben.

Aber diese Phase währte nur kurz, weil der Führungstreffer plötzlich wieder einen Schub Adrenalin freisetzte, um die aufkeimenden Zweifel zu bekämpfen. Sekunden vorher schien sich das Schicksal vollkommen gegen die Eintracht zu wenden. Auch Kristensen drohte wegen eines Schlages auf den Fuß ausgewechselt werden zu müssen.

Aber der Däne biss zunächst auf die Zähne, das Spiel ging weiter, und Bahoya und Brown kreierten einen der in den vergangenen Wochen so selten gewordenen spielerisch wertvollen Momente der Eintracht. Sie schienen sich an der Außenlinie schon verheddert zu haben, dann löste Brown die Situation doch noch auf, und nach einem Doppelpass schoss er den Ball in der 24. Minute tatsächlich ins Tor.

Nach dem zweiten Frankfurter Torschuss dieses Spiels stand es zehn Minuten später 2:0. Amaimouni-Echghouyab hatte, unterstützt von der Fußspitze seines Gegenspielers, den Ball ins lange Eck geschlenzt, nach einer Körpertäuschung und einem Haken, auf den Arjen Robben das Copyright hat und der ihm schon bei seinem Debüt gegen den VfB Stuttgart gelungen war.

Wie hätte die Eintracht bei einem Gegentreffer reagiert?

Fußball kann so leicht sein, wenn jeder Schuss ein Treffer ist. Aber für die Eintracht ist im Moment nichts leicht. Die Erfahrungen der vergangenen Wochen wirkten nach, souverän wirkte die Mannschaft in keiner Phase des Spiels – aber engagiert. Wie hätte die Eintracht bei einem Gladbacher Gegentreffer reagiert? An diesem Nachmittag blieb den Frankfurter Fans im ausverkauften Stadion die Antwort erspart, obwohl die Borussen in der zweiten Halbzeit viel probierten, dem Spiel eine Wende zu geben.

Kristensen war in der Kabine geblieben, aber auch mit Collins in der Innenverteidigung blieb die Eintracht-Abwehr weitgehend stabil. Ein paar Fehlerchen und falsche Entscheidungen vermochten die Gladbacher nicht auszunutzen. Einladungen nach Aussetzern erhielten sie durch die Frankfurter Verteidiger nicht.

Das taktische Konzept, dass die Innenverteidiger herausrücken, um Druck auf den ballführenden Gegner auszuüben, wirkte sich positiv aus, da sich der defensive Mittelfeldspieler Larsson sofort in die Abwehrkette zurückfallen ließ, sodass keine Lücke entstand, wenn Koch oder Amenda den Ball nicht eroberten.

Als in der Schlussphase doch ein paar Schludrigkeiten aufkeimten, gefährdeten sie nicht mehr den Sieg. Knauff hatte in der 75. Minute das 3:0 erzielt – trotz der Erinnerung an das Hinspiel, als die Eintracht nach einer 6:0-Führung noch vier Gegentore hinnehmen musste, wirkte es beruhigend. Zu dem erfolgreichen Tag, an dem sehr vieles neu war, trug auch Kaua Santos bei. Der zuletzt stark gebeutelte Torhüter bot eine starke Gesamtleistung, die er mit zwei, drei spektakulären Paraden garnierte.

Und so stand an diesem Samstag, an dem nach neun Spielen erstmals wieder gewonnen wurde, zwei Spieler verletzt ausgetauscht werden mussten, an dem der 17 Jahre alte Schwede Arrhov seine Eintracht-Premiere feierte und nach Kalimuendo, Dahoud und Knauff den vierten Mittelstürmer in 90 Minuten gab, auch wieder einmal die Null. Zum ersten Mal im Jahr 2026.