

Der erste, vielleicht schwerste Schritt ist vollzogen. Die Frankfurter Eintracht hat erstmals im Jahr 2026 ein Fußballspiel gewonnen. Sportlich ist Abwärtsspirale durchbrochen, in deren Folge eine zunehmend verunsicherte, fast schon depressive Mannschaft ihre tiefsten Leistungsstandards auslotete und durchbrach. Verweise auf die Rückrunde der Schande, an deren Ende 2011 der Abstieg stand, waren nicht aus der Luft gegriffen.
Der neue Trainer Albert Riera hat es in zwei Wochen mit seiner emphatischen Art geschafft, wieder die Lebensgeister der Spieler zu wecken. Gegen Mönchengladbach traten sie mit einer neuen Energie, neuer Intensität, einer neuen Mentalität auf. Was nicht mit der Rückkehr zu alter spielerischer Klasse einherging.
Dass am Ende ein 3:0 stand, hatte vor allem mit großer Frankfurter Effizienz und großer Gladbacher Inkosequenz beim Abschluss zu tun. Borussen-Trainer Polanski behauptete zu recht, sein Team sei zwischen den Strafräumen das bessere gewesen. Was wäre geschehen, wenn den Mönchengladbachern ein Treffer gelungen wäre? Hätte die Eintracht dem Rückschlag widerstanden, so wie sie die Verletzungen von Kalimuendo und Kristensen verkraftete? Oder hätte sie sich wieder in ihre Einzelbestandteile aufgelöst?
Rieras Arbeit hat unbestreitbar Wirkung gezeigt, wie nachhaltig sie sein wird, steht allerdings noch nicht fest. Nach dem Abpfiff lobten Sportvorstand Markus Krösche und Mittelfeldstratege Mario Götze das Wirken des neuen Trainers ausdrücklich.
Dessen Fundament besteht neben der fußballerischen Expertise aber vor allem auch auf emotionaler Ebene. Albert Riera vermittelt Glaube, Liebe, Hoffnung, seine Methoden und Entscheidungen sind mutig bis unorthodox.
Mahmoud Dahoud als Mittelstürmer aufzubieten, dem 17-jährigen Love Arrhov zur Premiere und dem 21-jährigen Ayoube Amaimouni-Echghouyab zum Startelfdebüt zu verhelfen, die Innenverteidiger ihre Gegenspieler bis zur Mittellinie verfolgen zu lassen, das alles sind Maßnahmen mit Aha-Effekt, einem positiven, wenn das Ergebnis stimmt, einem negativen, wenn es daneben geht.
Geht es häufiger daneben, kann das Vertrauen in den Trainer auch wieder schwinden. Das soll nicht als Unkerei aufgefasst werden, sondern als Abwägen der Chancen und Risiken. Dass es Riera geschafft hat, die Mannschaft aus der Lethargie zu reißen, ist schon eine Leistung für sich.
Die Eintracht scheint nun wieder mental in der Lage zu sein, ihr Potential abzurufen. Das ist nicht so groß, wie viele selbst ernannten Experten vor Saisonbeginn behaupteten, die die Eintracht als ersten Bayern-Jäger einstuften. Aber wenn die Frankfurter von ihren letzten zwölf Spielen mehr gewännen als verlören, wäre das ein angemessener Ausdruck ihrer Substanz.
