Eingeseift und getrocknet: Eine Waschmaschine, die Menschen wäscht – Wirtschaft

Ungern erinnert man sich zurück an die Werbung für Waschmaschinen der 1950er-Jahre, denn sie war das Zeugnis eingefahrener Geschlechterrollen. Hausfrauen schwärmten damals von den neuen Automaten, mit denen sie Schmutzwäsche auf Knopfdruck „blütenrein und leinentrocken“ bekommen konnten. Aber so war das eben damals, und wer weiß, was die nächsten Clips aus der Reinigungsautomaten-Industrie bringen. Vielleicht Mütter, die Kinder mit Schokoladenmund begeistert in die Waschmaschine stecken? Oder Ehefrauen, die den Gatten aus der Trommel ziehen und ihn zufrieden einer Freundin zeigen? „Blütenrein und leinentrocken!“ – „Und du musstest gar nicht dabei bleiben?“

Ein japanischer Duschkopf-Hersteller bringt jetzt eine Waschmaschine auf den Markt, die nicht wie gewohnt schmutzige Wäsche wäscht, sondern schmutzige Menschen.

Die Firma Science aus Osaka hat ihren „Human Washer in the Future“ bei der Weltausstellung Expo vorgestellt, die dieses Jahr von April bis Oktober in Osaka stattfand. Die Aufmerksamkeit war groß. Und nun kann man das Gerät also auch serienmäßig kaufen, wie die Nachrichtenagentur AFP berichtet. Ein Hotel in Osaka hat für seinen Gästeservice offensichtlich schon zugeschlagen. Die Japan Times berichtet, dass der Elektronik-Händler Yamada die Maschine ins Angebot seines Vorzeigeladens im Tokioter Viertel Ikebukuro aufnimmt. Insgesamt will Science 50 Exemplare des Personen-Reinigungsapparats produzieren. „Denn auch ihre Seltenheit macht die Maschine so attraktiv“, sagt eine Firmensprecherin.

Ganz billig ist sie nicht. Der Preis soll bei 60 Millionen Yen liegen, 331 000 Euro. Das ist einer der Nachteile im Vergleich zur herkömmlichen Dusche. Der Vorteil? Man wird gespült und getrocknet, ohne irgendetwas dafür tun zu müssen. Die Maschine wirkt wie die vollautomatische Kreuzung aus Badewanne und Waschstraße – das ist zumindest der Eindruck, den man aus verschiedenen Video-Berichten im Internet mitnimmt.

Der Human Washer besteht aus einer 2,3 Meter langen Kapsel, in die ein liegestuhlähnlicher Sitz eingebaut ist. Sobald sich die Haube mit den großen Fenstern über der zu waschenden Person geschlossen hat, steigt im Inneren das Wasser. Sensoren erfassen den Herzschlag. Beruhigende Musik spielt. Landschaftsaufnahmen erscheinen auf der Innenseite der Haube, während ein sanftes Gewitter aus Mikrobläschen und Sprühnebel den ganzen Körper von Unreinheiten befreit. Porentief, wie es heißt. Am Schluss wird man eingeseift, gespült und von warmer Luft getrocknet. 15 Minuten dauert der Waschgang. Nach Angaben des Herstellers ist man danach nicht nur äußerlich sauber. Der Human Washer reinigt auch die Seele.

Gehirnwäsche leistet der Apparat nicht, das spricht für ihn. Und die Idee dazu stammt aus dem Jahr 1970, als die Expo zum ersten Mal in Osaka war. Schon damals wurde eine Menschen-Waschmaschine ausgestellt. Man erreichte sie über eine Leiter. Der Kopf schaute raus. Ultraschall sollte das Bad darin ergiebiger machen. Die Maschine setzte sich nicht durch. Vielleicht hat der Human Washer mehr Erfolg. Dass er die herkömmliche Dusche schnell verdrängt, ist eher nicht zu erwarten.