Eine Überraschungs-Europameisterin – und ein enttäuschter Karl Geiger – Sport

Rennrodlerin Fräbel gewinnt ersten großen Titel

Rennrodlerin Merle Fräbel hat ihren ersten großen Titel gewonnen. Die 22-Jährige wurde auf ihrer Heimbahn in Oberhof Europameisterin. Fräbel setzte sich überlegen vor der Österreicherin Lisa Schulte und der Schweizerin Natalie Maag durch. „Europameisterin jetzt auch zu sein, ist mega. Jetzt kann ich wieder was Neues auf die Autogrammkarte schreiben“, sagte Fräbel im ZDF. Rekordweltmeister Felix Loch hat seinen vierten EM-Titel im Einsitzer dagegen knapp verpasst. Der 36-Jährige aus Berchtesgaden wurde mit 0,091 Sekunden Rückstand auf den neuen Europameister Jonas Müller aus Österreich Zweiter.

Fünftes EM-Gold für Wendl/Arlt

Doppelfreude: Die Doppelsitzer-Europameister Tobias Wendl (re.) und Tobias Arlt.
Doppelfreude: Die Doppelsitzer-Europameister Tobias Wendl (re.) und Tobias Arlt. (Foto: Martin Schutt/dpa)

Die Rekordolympiasieger Tobias Wendl und Tobias Arlt sind zum fünften Mal Europameister geworden. Die beiden 38 Jahre alten Rennrodler aus Bayern holten sich den ersten EM-Titel seit 2019 vor Toni Eggert und Florian Müller. Die WM-Dritten setzten sich bei den auch als Weltcup ausgetragenen Titelkämpfen souverän durch. „Unvorstellbar. Mir fehlen die Worte“, sagt Tobias Wendl im ZDF. Die sechsmaligen Olympiasieger bauten mit ihrem 59. Weltcup-Sieg auch ihren Vorsprung in der Doppelsitzer-Gesamtwertung aus. Die amtierenden Weltmeister Hannes Orlamünder und Paul Gubitz, für Olympia nicht qualifiziert, schafften als Vierte ihr bestes Saisonresultat. Dreitausendstel Sekunden fehlten dem Duo auf die drittplatzierten Österreicher Juri Gatt und Riccardo Schöpf.

Bei den Frauen haben sich Jessica Degenhardt und Cheyenne Rosenthal im Doppelsitzer in Oberhof ebenfalls den EM-Titel gewonnen, und das mit Bahnrekord. Bei der anstehenden Olympiapremiere im Damen-Doppelsitzer darf nur ein Schlitten pro Nation starten. Degenhardt, 23, und Rosenthal, 25 hatten in der nationalen Qualifikation den Kürzeren gegen Dajana Eitberger, 35, und Magdalena Matschina, 20, gezogen, die in Oberhof Dritte wurden.

Karl Geiger verpasst Olympia

Er reist nicht zu den Olympischen Spielen: Karl Geiger.
Er reist nicht zu den Olympischen Spielen: Karl Geiger. (Foto: Daniel Karmann/dpa)

Skispringer Karl Geiger hat die Qualifikation für die Olympischen Winterspiele verpasst. Der 32-Jährige schaffte mit Platz 14 in Sapporo zwar sein bis dato bestes Saisonresultat. Um die interne deutsche Norm zu schaffen, hätte der Oberstdorfer aber mindestens Achter werden müssen. Den Sieg in Japan sicherte sich der slowenische Vierschanzentourneesieger Domen Prevc. Er gewann vor Lokalmatador Ryoyu Kobayashi und dem Österreicher Daniel Tschofenig. Philipp Raimund belegte als bester Deutscher den neunten Platz. Felix Hoffmann, Andreas Wellinger und Pius Paschke verzichten auf die Wettkämpfe im Ort der Winterspiele von 1972.

Für Aufmerksamkeit sorgte zudem die Disqualifikation des Österreichers Stefan Kraft. Der dreimalige Gesamtweltcupsieger wurde bereits in der Qualifikation wegen eines nicht regelkonformen Sprunganzugs aus dem Wettbewerb genommen. „Es ist ein bisschen blöd gelaufen“, wurde Österreichs Cheftrainer AndreasWidhölzl von der Nachrichtenagentur APA zitiert. Das Team sei davon ausgegangen, dass beim zuletzt im Sommer verwendeten Anzug alles in Ordnung sei. „Kann passieren, sollte aber nicht passieren“, sagte Widhölzl. „Es ist uns eine Lehre gewesen, dass wir noch genauer darauf schauen müssen.“

Gesamtweltcup für Lochner und Nolte

Zwei Frauen, drei Kugeln: Laura Nolte (links) und Deborah Levi mit der Trophäe für den Gesamtweltcup-Sieg - und mit der Kristallkugel für den Einzelwettbewerb.
Zwei Frauen, drei Kugeln: Laura Nolte (links) und Deborah Levi mit der Trophäe für den Gesamtweltcup-Sieg – und mit der Kristallkugel für den Einzelwettbewerb. (Foto: Eibner-Pressefoto/Memmler/Imago)

Johannes Lochner hat das letzte Weltcup-Duell im Zweierbob gegen Francesco Friedrich souverän für sich entschieden. Der Berchtesgadener nahm seinem langjährigen Kontrahenten auf dessen Heimbahn in Altenberg in zwei Läufen insgesamt 0,51 Sekunden ab – und sicherte sich souverän den Gesamtsieg im Zweierbob-Weltcup. Unterdessen hat Laura Nolte das Double im Gesamtweltcup perfekt gemacht. Nach dem Erfolg im Monobob holte die 27-Jährige aus Winterberg auch im Zweierbob die große Kristallkugel. Mit Anschieberin Deborah Levi gewann die Olympiasiegerin dank Start- und Bahnrekord in jeweils 5,50 und 55,96 Sekunden.

Armbruster nach Disqualifikation mit zwei Podestplätzen

Nathalie Armbruster kann wieder lächel. In Oberhof kam sie zweimal aufs Podest.
Nathalie Armbruster kann wieder lächel. In Oberhof kam sie zweimal aufs Podest. (Foto: Florian Wiegand/Eibner-Pressefoto/Imago)

Die am vergangenen Wochenende noch disqualifizierte Nathalie Armbruster hat ein starkes Comeback in der Nordischen Kombination gezeigt. Die 20-Jährige ließ ihrem zweiten Rang vom Vortag einen weiteren Podestplatz beim Heimspiel in Oberhof folgen.Armbruster musste sich am Sonntag auf Rang drei nur der norwegischen Dauersiegerin Ida Marie Hagen sowie der zweitplatzierten Finnin Minja Korhonen geschlagen geben. Für Hagen war es der 25. Sieg im Einzel-Weltcup. Keine Kombiniererin schaffte das öfter. Nach dem Skispringen hatte Armbruster auf Rang vier gelegen. Im entscheidenden Langlaufrennen über fünf Kilometer spielte die Schwarzwälderin dann ihre Laufstärke aus. „Hut ab vor Nathalie. Sie ist das taktisch clever gelaufen“, sagte Bundestrainer Florian Aichinger im ZDF.

Tags zuvor hatte Armbruster noch mit Tränen in den Augen von einer harten Erfahrung berichtet. „Das Ende des letzten Wochenendes war nicht leicht für mich. Es hat mich sehr, sehr, sehr viel Energie gekostet“, hatte sie gesagt. Am vergangenen Wochenende war die Gesamtweltcup-Siegerin im estnischen Otepää beim Skispringen aus dem Wettbewerb genommen worden, weil ihr Anzug nicht regelkonform war. Ihr zweiter Platz vom Samstag hatte nun einen besonderen Stellenwert. „Es war so, so wichtig – speziell nach dem letzten Sonntag. Ich würde so viel zu erzählen haben, aber ich denke, ich muss ein bisschen warten, bis ich die Wahrheit sagen kann“, sagte Armbruster. Bei den Männern sorgte Julian Schmid am Sonntag zum Abschluss als Dritter ebenfalls für einen Podestplatz.„Es war ein mega spannendes Rennen mit vielem Auf und Ab. Es war ein cleveres Rennen von Julian, Chapeau“, sagte Bundestrainer Eric Frenzel nach den ersten Wettkämpfen in Oberhof seit 16 Jahren. Schmid war nach einem ordentlichen Sprung auf 95,0 Meter von Platz 14 in die Loipe gegangen, zeigte eine starke Aufholjagd und gewann auf der Zielgeraden den Sprint um Platz drei gegen Johannes Lamparter aus Österreich.