Eine Frankfurter Sternstunde krönt den Ball des Sports

Passender hätte der goldene Moment des Abends gar nicht geplant werden können. Kaum war das Dessert verspeist und die Gala beim Ball des Sports in der Frankfurter Festhalle beendet, da konnten die Ballveranstalter live den vierten und letzten Lauf des deutschen Zweierbobs der Frauen bei den Olympischen Winterspielen in Cortina d’Ampezzo einspielen. Da fuhren dann nicht nur die beiden Bobs von Lisa Buckwitz und Kim Kalicki auf die Medaillenränge Silber und Bronze. Vor allem sorgten aber Piloten Laura Nolte und Anschieberin Deborah Levi für den ebenso sportpatriotischen wie lokalpatriotischen Moment des Abends: Die in Frankfurt lebenden und trainierenden brachten ihren Vorsprung ins Ziel und sicherten sich wie vor vier Jahren die Goldmedaille.

Der sportliche Moment auf der Leinwand war der perfekte Übergang in die Partynacht in der Festhalle, die anders noch als in den Vorjahren der Mittelpunkt des rauschenden Festes der deutschen Sportelite wurde – zuvor verlagerte sich das Geschehen meist in das Foyer, das dieses Mal nur als Speisesaal genutzt wurde. Das Konzept von Jürgen Haßler, der mit seiner Agentur Haßler Made für die Verwandlung der Festhalle in einer Ballarena binnen weniger Tage gesorgt hatte, ging auf. Die 1000 geladenen Gäste der Gala, darunter als für Selfies begehrtester Gast selbst unter Spitzensportlern auch der Fußballstar und Sporthilfe-Aufsichtsrat Jürgen Klopp, wie auch die 500 Besucher der Night Session genossen das Ambiente in der „Gudd Stubb“ zwischen Basketballkörben und Dartboards, Champagnerlounges und Essensständen für diejenigen, die auch nach dem Viergang-Menü noch Hunger verspürten.

Beim Ball des Sports geht es aber nicht alleine um die Party. Die größte Fundraising-Veranstaltung im europäischen Sport bringt stets eine hohe sechsstellige Summe ein. Das Geld trägt seinen Teil dazu bei, dass die veranstaltende Stiftung Deutsche Sporthilfe einen Kreis der 2000 besten deutschen Athleten unterstützen kann durch individuelle Förderung. Bei der Samstagabendveranstaltung sollen aber auch Wirtschaftsführer und Politiker mitbekommen, welche Attribute Sportler in die Gesellschaft einbringen können. „Dafür hat gerade eine Laura Nolte in diesen Tagen beste Werbung betrieben nach ihrer bitteren Niederlage im Monobob“, sagte Karsten Petry, der im Sommer aus dem Vorstand der Stiftung Deutsche Sporthilfe in den Vorstand des Fußball-Bundesligaklubs VfB Stuttgart wechselt. „Sie hat Leistung gebracht, mit ihrer Enttäuschung ihren Leistungsanspruch untermauert, aber mit der Gratulation für die Olympiasiegerin auch Fairplay und Miteinander bewiesen. Das alles bringen Sportler nach der Karriere in ihr Berufsleben und die Gesellschaft ein.“

Rhein äußert Verärgerung über Sporthilfe

Überlagert wurde der Ball des Sports freilich von einer Missstimmung zwischen dem Veranstalter und dem Land Hessen, das den Ball über Lotto Hessen und weitere Unterstützung nach Informationen der F.A.Z. insgesamt mit fast 700.000 Euro unterstützt. Sporthilfevorstand Petry hatte angemahnt, dass das Land Hessen alsbald deutliche Signale senden müsse, damit ein von der Sporthilfe durchaus gewünschter Verbleib in der Frankfurter Festhalle über die Vertragslaufzeit bis 2027 finanziell gesichert werden könne. Hessens Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) erwiderte den öffentlichen Vorstoß nun in aller Schärfe. „Es gibt bei uns eine spürbare Verärgerung. So geht man nicht miteinander um. Aber das wird erst nach dem Ball zu besprechen sein, heute ist erst mal Feiern angesagt“, sagte Rhein.

„So geht man nicht miteinander um": Der hessische Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) kontert die Kritik der Sporthilfe.
„So geht man nicht miteinander um“: Der hessische Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) kontert die Kritik der Sporthilfe.Maximilian von Lachner

Der Ministerpräsident betonte zugleich, dass sich die Landesregierung nicht in eine mögliche Konkurrenz zwischen Frankfurt und Wiesbaden einmischen werde, womit er ein Bekenntnis zu seiner Heimatstadt Frankfurt vermied. Plakate der Wiesbadener CDU im Kommunalwahlkampf nährten Spekulationen, dass sich Wiesbaden um eine Rückkehr des Balles in die Landeshauptstadt bemühen könnte. Bis zur Beendigung der Unterstützung durch die Stadt war der Ball bis 2022 in Wiesbaden beheimatet. Bei seiner kurzen Rede anlässlich des Empfangs der hessischen Ministerpräsidenten vor Beginn der Ballabends sorgte Rhein dann noch für einen Lacher. Wenngleich sich Hessen nicht um eine deutsche Olympiabewerbung bemühe, so finanziere man immerhin auch diese als starkes Geberland über den Länderfinanzausgleich.

Rhein war der protokollarisch wichtigste Gast des Abends. Die Berliner Politprominenz wurde lediglich durch Sportstaatsministerin Christiane Schenderlein (CDU) vertreten. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hatte aus persönlichen Gründen abgesagt. Der Mangel an Politprominenz wurde vielfach als ein Mangel an Respekt für den Sport interpretiert. „Mehr Wertschätzung wäre schon schön, es wäre gut, wenn sich bei allen guten Gründen aufgrund einer komplexen Weltlage mehr Politiker hier zeigen würden“, sagte die stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende und frühere Weltklasseschwimmerin Franziska van Almsick.

Die vielleicht bestgelaunten Ballgäste: Die Parasportler Mathias Mester (links) und Nico Kappel imitieren schon vorab auf dem roten Teppich den Eröffnungstanz.
Die vielleicht bestgelaunten Ballgäste: Die Parasportler Mathias Mester (links) und Nico Kappel imitieren schon vorab auf dem roten Teppich den Eröffnungstanz.Maximilian von Lachner [FAZ-Rech

Ann-Kathrin Linsenhoff, vor geraumer Zeit Olympiasiegerin im Dressurreiten und seit fast zwei Jahren Sportbeauftragte des Landes Hessen, bat hingegen um ein gewisses Verständnis angesichts der Dichte an Veranstaltungen, die Politiker zu bewältigen hätten. Sie selbst war am Samstag nach dem CDU-Parteitag auch noch zum Ball erschienen.

Sportgymnastinnen wecken Vorfreude

In der Wirtschaft scheint die Sporthilfe derweil ihre Ansprechpartner besser zu finden als noch in früheren Jahren. Kurz vor dem Ball konnte die Stiftung den Kreis ihrer nationalen Förderer erstmals auf acht vergrößern. Der Motorenhersteller Deutz AG sowie der Wettspielanbieter Tipico vereinbarten Kooperationen zur Stärkung der Spitzensportförderung.

Lokale Größe beim Ball: Ann-Kathrin Linsenhoff in einem Smoking aus eigener Modelinie.
Lokale Größe beim Ball: Ann-Kathrin Linsenhoff in einem Smoking aus eigener Modelinie.Maximilian von Lachner

Damit sollen letztlich nicht nur Leistungen wie jene von Nolte/Levi im Eiskanal ermöglicht werden. Auch die Rhythmischen Sportgymnastinnen um Olympiasiegerin Darja Varfolomeev sind auf Unterstützung angewiesen. In Frankfurt sorgten sie mit einem Showauftritt für den sportlichen wie ästhetischen Höhepunkt des Abends. Damit warben sie zugleich für eine weitere Veranstaltung in der Festhalle. Im August werden Varfolomeev und Co. zurückkehren. Dann findet die Weltmeisterschaft der Sportgymnastinnen unter der charismatischen Kuppel statt. Die nächste Party des Sports, für die die altehrwürdige Festhalle die Kulisse bieten wird.