„Eberhofer“-Star mit Bekenntnis: „Die Schauspielerei war die letzte Lösung“

Als schrulliger Sidekick von „Eberhofer“-Star Sebastian Bezzel ist Schauspieler Simon Schwarz (55) alias „Rudi Birkenberger“ dem deutschen Kinopublikum bestens bekannt. Doch der gebürtige Wiener ist außerdem Kabarettist und – Autor. Zusammen mit Co-Autorin Ursel Nendzig hat Schwarz vor Kurzem sein erstes Buch „Geht’s noch – Betrachtungen eines Überforderten“ veröffentlicht. Die AZ hat mit ihm über seine Kindheit mit ADHS gesprochen, seine „Notlösung“ Schauspielerei und darüber, warum die Rolle des Birkenberger mit jedem Mal schwieriger wird.

AZ: Herr Schwarz, anders als viele Ihrer prominenten Kollegen haben Sie keine klassische Biografie geschrieben, sondern sich für ein Buch über ein ziemlich schwieriges Thema entschieden – warum?
SIMON SCHWARZ: Eine Biografie zu schreiben, stand für mich nie zur Debatte, weil mich das wirklich überhaupt nicht interessiert. Nichtsdestotrotz ist in dem Buch viel Biografisches drin: Ich habe beim Schreiben festgestellt, dass es nicht funktioniert, wenn ich mich nicht selbst erkläre, wenn der Leser nicht weiß, woher das, was ich sagen möchte, kommt.

Simon Schwarz: Diese Wahrheit war seinem Vater unangenehm

Das Buch ist dennoch sehr persönlich – es handelt von Ihrer Mutter, Ihrer schweren Schulzeit mit damals unentdecktem ADHS…
Meinem Vater war das erst sehr unangenehm, dass ich so offen rede. Er ist immer noch der Meinung, wenn man in der Schule so schlecht war, sollte man es lieber nicht sagen, weil es einem schadet. Das war tatsächlich eine Diskussion zwischen uns. Aber ich dachte, vieles kommt genau aus dem heraus. Ich könnte auch ein Buch über mein ADHS schreiben, aber für die Aufarbeitung brauche ich noch ein paar Jahre.

Simon Schwarz und seine Mutter am Wiener Lusthauswasser.
Simon Schwarz und seine Mutter am Wiener Lusthauswasser.
© Privatarchiv
Simon Schwarz und seine Mutter am Wiener Lusthauswasser.

von Privatarchiv

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Schwarz: „Ich fahre gern so schnell wie möglich“

Was war dann Ihr Anliegen?
Ich habe das Gefühl, wir als Gesellschaft driften aktuell auseinander und gehen immer mehr in radikale Richtungen, obwohl wir gerade beim Thema Klimaschutz alle das gleiche Interesse verfolgen. Nämlich, für die nachkommenden Generationen noch ein lebenswertes Klima zu schaffen. Das ist ein Thema, das leider politisch dermaßen missbraucht wird. Und da nehme ich bewusst keine Seite aus. Wir sind gerade auf einem dramatischen Irrweg. Deswegen habe ich mich diesem Thema angenähert – auch wenn ich selbst bei Weitem nicht perfekt bin. Ich fahre auch mit dem Auto und ja, ich gebe auch offen zu, ich bin einer, der gerne auf der linken Spur fährt und das so schnell wie möglich.

Als Gegenentwurf, weil Ihre Eltern früher nie ein schnelles Auto hatten?
Total. Aber genau das meine ich damit: Die Welt ist eben nicht schwarz-weiß. Und deswegen ist es wichtig, dass wir in den Dialog treten können. Denn wenn man sich damit viel beschäftigt, stößt man auch auf einige Lösungsansätze. Die Umsetzung ist es – die funktioniert nicht, wenn wir nicht anfangen, sie der Politik ein Stück weit wegzunehmen und sie als Gesellschaft selbst einzufordern.

„Rudi Birkenberger“ ganz privat: So sind seine Kinder aufgewachsen

Ihre Mutter war Umwelt-Aktivistin, Sie haben sie auf Demos begleitet – schreiben aber, dass Sie sich als Kind oft auch nach mehr Normalität gesehnt hätten. Wie normal sind Ihre Kinder aufgewachsen?
Tatsächlich ziemlich mainstreamig. Was ich an Trauma aus meiner Schulzeit mitgenommen habe, wollte ich meinen Kindern um jeden Preis ersparen: Ich habe gelernt, dass man gut sein muss in der Schule – und das war ich nicht. Also war ich von Anfang an wahnsinnig dahinter, dass meine Kinder gut sind. Ich selbst bin auch aufgewachsen in einem akademischen Umfeld, war aber weit davon entfernt, ein Akademiker zu sein. Ein Gymnasium habe ich erst von innen gesehen, als meine Kinder aufs Gymnasium gekommen sind.

Simon Schwarz‘ erstes Buch "Geht’s noch" ist im Ueberreuter Verlag erschienen.
Simon Schwarz‘ erstes Buch „Geht’s noch“ ist im Ueberreuter Verlag erschienen.
© Ueberreuter Verlag
Simon Schwarz‘ erstes Buch „Geht’s noch“ ist im Ueberreuter Verlag erschienen.

von Ueberreuter Verlag

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Apropos: Viele Eltern mit akademischem Hintergrund sind vielleicht nicht sofort begeistert, wenn der Sohn Schauspieler werden will. Ihre haben Sie unterstützt?
Was heißt unterstützt – meine Eltern waren damals schlichtweg froh, dass ich irgendetwas geäußert habe. Mein Vater zum Beispiel hatte wahnsinnige Angst, dass das alles schiefgeht. Und auch für mich war es damals kein dringender Wunsch, sondern eigentlich die letzte Lösung. Was hätte ich sonst machen sollen? Eine Lehre im Handwerk vielleicht, aber sonst hätte ich nach meiner Schullaufbahn nicht viele Optionen gehabt. Also, mir war auch sehr, sehr bewusst: Ich muss das jetzt schaffen.

Schwarz: „Ich würde mich nicht als erfolgreich sehen“

…und das haben Sie. Mit dem Ergebnis dieser „Notlösung“ können Sie und Ihre Eltern also durchaus zufrieden sein, oder?
Ich glaube, meine Eltern sind um ein Vielfaches zufriedener als ich (lacht).

Sind Sie so selbstkritisch?
Schon. Ich würde mich nicht als erfolgreich oder zufrieden sehen. Das hat auch mit meiner Vergangenheit zu tun.

Inwiefern?
Das wäre ein anderes Buch, das ich schreiben müsste…

„Steckerlfischfiasko“: So liefen die Dreharbeiten zum neuen Eberhofer-Film 

Vor wenigen Monaten haben Sie die Dreharbeiten für den neuen Eberhofer abgeschlossen. Ihr zehnter Einsatz als Rudi Birkenberger – eine Rolle, in der man mit der Zeit abstumpft?
Gar nicht. Es wird eher jedes Mal schwieriger, weil man wieder etwas Neues erfüllen muss und immer die Angst hat, dass es plötzlich nicht mehr funktioniert. Ganz blöd gesagt, die ersten zwei, drei Wochen hat man immer Angst, dass man auffliegt, dass man gar nicht Rudi Birkenberger ist.

Als Rudi Birkenberger (l.) spielt Simon Schwarz an der Seite von Simon Bezzel in den beliebten "Eberhofer"-Krimis.
Als Rudi Birkenberger (l.) spielt Simon Schwarz an der Seite von Simon Bezzel in den beliebten „Eberhofer“-Krimis.
© ARD Degeto/BR/Constantin Film Verleih GmbH/Bernd Schuller
Als Rudi Birkenberger (l.) spielt Simon Schwarz an der Seite von Simon Bezzel in den beliebten „Eberhofer“-Krimis.

von ARD Degeto/BR/Constantin Film Verleih GmbH/Bernd Schuller

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Und in Sachen Zufriedenheit – wie zufrieden sind Sie mit dem neuen Film?
Ich habe ihn noch nicht gesehen. Aber wenn Sie mich nach meinem Gefühl beim Dreh fragen: Das war ein sehr schönes und gutes, weil der neue Teil sehr anders ist – auch optisch. Das darf ich natürlich alles noch nicht preisgeben. Nur aus meiner Rolle betrachtet, gefällt mir das sehr gut. Die Hoffnung ist natürlich, dass das dann auch ein bisschen wirkt.