Edin Dzeko sei „gesund und absolut fit“, hat Trainer Miron Muslic am Freitag mitgeteilt und damit tausende königsblaue Herzen höherschlagen lassen. Die Aussicht auf den ersten Einsatz des bosnischen Nationalspielers beim Tabellenführer der zweiten Fußball-Bundesliga bestimmte Sonntagmittag circa 98 Prozent der Gespräche in den Wandelgängen der Veltins-Arena. Tenor: Wann kommt er rein, und wie viele Tore schießt er zum Einstand? Zunächst, keine Überraschung, nahm die 39 Jahre alte, viel bestaunte Neuerwerbung aus der Serie A auf der Bank Platz. Aber um kurz nach halb drei begab sich Dzeko mit den anderen Reservisten ans Aufwärmen, und eine Viertelstunde später winkte man ihn zur Einwechslung herbei: Die Not war zu groß, Schalke 04 brauchte jetzt zügig Hilfe, der 1. FC Kaiserslautern hatte soeben das 1:0 geschossen.
Und wie soll man es anders sagen als mit Gaius Julius Cäsar? Edin Dzeko kam, sah und erzielte ein wunderbares Tor. Scharf bewacht, nahm er ein hohes Zuspiel mit der Brust an, drehte sich in den Lauf und schoss geradewegs hinein ins Glück. Das eindeutige Zeugnis eines Klassestürmers. Doch sichtbar gejubelt hat Dzeko erst drei Minuten später, denn erst jetzt war sein Tor nicht nur der Anschlusstreffer und Hoffnungsschimmer, sondern der Anfang einer Auferstehung: Erst Kenan Karamans 2:2 rundete seinen Beitrag ab und machte aus Dzekos Premiere ein Ereignis mit Aha-Effekt. Wer hätte das noch für möglich gehalten, nachdem der FCK mit einem Konter, so eiskalt wie die Gelsenkirchener Winterluft, das 2:0 vorgelegt hatte? Antwort: Viele waren es nicht.

:Schlagbar, auch mit Augsburger Mitteln
Erstmals seit März 2025 und erstmals in dieser Saison verliert der FC Bayern ein Bundesligaspiel. Wie das der FC Augsburg geschafft hat, erklärt Trainer Manuel Baum nach der Partie.
Dies war jedoch offenbar der Sonntag der Mittelstürmer in der zweiten Liga. Auch Kaiserslauterns Coach Torsten Lieberknecht hatte ja mit Bedacht fürs Timing seine Sturmspitze gewechselt: Norman Bassette ging, Ivan Prtajin kam und traf sogar noch schneller als sein berühmter Kollege Dzeko – mit der ersten Ballberührung machte er sich per Kopf um das 1:0 verdient (61. Minute). Auch das 2:0 war sein Werk. Und während sich Schalke und Kaiserslautern nach dem am Ende sachgerechten 2:2 jeweils mit einem Punkt begnügen müssen, wurde im Osten von Westfalen ein weiterer Torjäger gefeiert: Steffen Tigges schoss den SC Paderborn zum 2:1-Sieg gegen Preußen Münster. Der Vorsprung des Tabellenführers Schalke auf die Verfolger Darmstadt und Paderborn ist nach drei sieglosen Spielen nun merklich geschrumpft.
Bevor das heimische Publikum den neuen Torjäger begrüßen durfte, mussten sich die Schalker allerdings erst mal von dessen Vorgänger verabschieden. Am Vormittag war aus der Klubzentrale die überraschende Meldung gekommen, dass Moussa Sylla, 25, nicht zum Kader gehören werde. Ein Wechsel ins Ausland stehe bevor. Partner des annoncierten Verkaufsgeschäfts ist der MLS-Klub New York City FC. Die Konditionen – sechs Millionen Euro Ablöse plus Boni – erleichtern den Schalkern den Abschiedsschmerz vom Mittelstürmer, dem in der vorigen Saison 16 Treffer gelungen waren, der in der laufenden Spielzeit aber Probleme mit dem von Arbeit und Dauerlauf bestimmten System hatte. Ein Strafraumstürmer wie Sylla hatte es dabei nicht leicht.
Dejan Ljubicic, ehemals Köln, soll aus Zagreb zu Schalke kommen
Auch am Sonntag hätte ihm der Schalker Fußball nicht viel Vergnügen bereitet, auf dem Weg in den Strafraum tat sich seine Mannschaft wieder mal schwer. Ein abgestimmtes Offensivspiel fand nicht sichtbar statt, nur gelegentlich schafften es Soufiane El-Faouzi und Amin Younes, Räume für Angriffszüge zu öffnen. Auf den wegen Verletzungen notdürftig besetzten Flügeln regte sich hingegen wenig und manchmal nicht mal das. Ein Kopfball von Verteidiger Hasan Kurucay, von Torwart Julian Krahl stark abgewehrt, war der gefährlichste Moment, den der FCK überstehen musste. Daran änderte sich auch in der zweiten Hälfte nicht viel, lediglich die mit Nachdruck und Verzweiflung erzwungenen Tore in der Schlussphase versöhnten das Publikum für eine schwache Vorstellung. Immerhin: Edin Dzekos Gegenwart hatte die Erinnerung an den Stadionbesuch verewigt.
Um aber dauerhaft Freude an der Edel-Erwerbung zu haben und den Platz an der Spitze zu verteidigen, brauchen die Schalker spielerische Fortschritte. Helfen soll schon am nächsten Spieltag der Mittelfeldspieler Dejan Ljubicic, 28, der von Dinamo Zagreb kommt. Bis zum vorigen Sommer hatte er beim 1. FC Köln unter Vertrag gestanden. Auch ein Teil der Millionen für Sylla soll sofort investiert werden, wie Sportchef Frank Baumann am Sonntag erklärte. „Wir sind natürlich vorbereitet“, sagte er.
