„Dust Bunny“ mit Mads Mikkelsen: „Léon: Der Profi“ als Dark-Fantasy

Im Laufe seiner beeindruckenden Karriere hat Schauspieler Mads Mikkelsen (60) schon James Bonds Doppelnull-Kronjuwelen mit einem Tau traktiert, einen gewissen Todesstern zusammengezimmert und Indiana Jones unfreiwillig durch die Zeit geschickt. Kurzum: Das Blockbuster-Kino liebt den ausdrucksstarken Dänen und er die Traumfabrik. Doch auch den kleineren, schrulligen bis skurrilen Filmproduktionen hält er seit jeher die Treue. Das beweist er nun einmal mehr mit dem – vor allem zu Beginn – märchenhaften Dark-Fantasy-Streifen „Dust Bunny“, der am 19. Februar in den deutschen Kinos anläuft. Leidenschaftlichen Kinogängern mit Nachwuchs sei jedoch gesagt: „Dust Bunny“ ist liebenswert kindlich – aber nicht kindgerecht.

Das (reale?) Monster unterm Bett – darum geht es

Die achtjährige Aurora (Sophie Sloan) ist mit infantiler Sicherheit davon überzeugt, dass unter ihrem Bett ein gefräßiges „Dust Bunny“ haust – hierzulande also eine Wollmaus. Ihre Eltern tun das Ganze natürlich als die Ängste eines zu fantasievollen Mädchens ab, sind jedoch kurz nach ihren Beteuerungen, dass es nichts zu fürchten gebe, wollmausetot.

Die Frage lautet nun: Steckt dahinter wirklich Auroras Horrorhase unterm Bett, oder hat das spurlose Verschwinden ihrer Eltern mit ihrem mysteriösen Nachbarn (Mikkelsen) zu tun? Dessen Profession – zumindest in den kindlichen Augen von Aurora – scheint es zu sein, gegen Drachen und Fabelwesen jedweder Couleur in die Schlacht zu ziehen. Wie praktisch! Kurzerhand kratzt das Mädchen jeden Cent zusammen, den sie in ihrer verwaisten Wohnung finden kann, und klingelt mit dem Auftrag zur Großhasenjagd an der Tür von 5B.

Ein eingespieltes Duo

Gemeinsam mit Drehbuchautor und Regisseur Bryan Fuller (56) hat Mikkelsen eines der grauenvollsten wie faszinierendsten Scheusale ins Fernsehen gebracht: Hannibal Lecter. Für die gleichnamige Serie in die Fußstapfen von Oscarpreisträger Anthony Hopkins (88) zu schlüpfen, kam einer Hybris gleich – doch Mikkelsen drückte dem eloquenten Kannibalen seinen ganz persönlichen Stempel auf und bewies im Duett mit Fuller, wie faszinierend das Grässliche sein kann.

In der erneuten Zusammenarbeit „Dust Bunny“ verhält es sich ähnlich und doch ganz anders. Hier lauert hinter der unschuldigen Imagination eines Kindes das Furchteinflößende und letztendlich die Erkenntnis, dass man sich seinen Ängsten selbst stellen muss, will man sie endgültig besiegen.

Was „Dust Bunny“ auszeichnet, ist die großartige Chemie zwischen seinen ungleichen Hauptdarstellern. Mads Mikkelsen als Auftragskiller und Neuentdeckung Sophie Sloan als blitzgescheites Waisenkind wecken natürlich Assoziationen mit „Léon: Der Profi“. Wohl ganz bewusst zitiert Fuller eine Szene aus Luc Bessons (66) Geniestreich, in der sich Mann und Mädchen an einem kleinen Küchentisch gegenübersitzen und ein Geldbündel den Besitzer wechseln soll. Für die damals blutjunge Natalie Portman (44) bedeutete ihre Rolle 1994 den Durchbruch in Hollywood, der bis zum Gewinn eines Oscars reichte. Eine ähnliche Karriere wäre der groß aufspielenden Sloan zuzutrauen, mindestens aber zu wünschen.

Schön auch, dass Sigourney Weaver (76) eine kleine Rolle ergattern konnte. Sie spielt die mächtige Frau im Hintergrund, die Mikkelsens Figur für gewöhnlich die Auftragsmorde zuspielt und nun mit einer gewissen Eifersucht feststellen muss, nicht mehr die erste Geige zu spielen.

Stark angefangen, etwas nachgelassen

Vor allem zu Beginn funktioniert „Dust Bunny“ und liefert auch visuelle Gründe für den Gang ins Kino. Fuller ist bekannt für seine hervorragende Bildsprache, bei seinem neuen Film verquickt er düstere Räume und Gassen mit geradezu märchenhaften Zauber. Eben so, als würden wir sie durch die scheuen aber begeisterungswilligen Augen eines Kindes wahrnehmen.

Der Anfang weiß zudem zu überzeugen, weil er auch erzählerisch vieles im Dunkeln lässt. Gibt es das mörderische „Dust Bunny“ nun wirklich, oder handelt es sich dabei um bloße Einbildung? In diesem Part erinnert der Film an Guillermo del Toros (61) schaurig-schönes Werk „Pans Labyrinth“.

Am Ende liefert Fuller auf diese Frage eine ganz klare und durchaus unterhaltsame, aber doch arg übertriebene Antwort. Spätestens als ein Dutzend Gangster, das FBI und die Hauptfiguren allesamt „der Boden ist Lava“ spielen. Ohne zu viel hinsichtlich der Gründe dafür verraten zu wollen: Der Bodycount schießt gegen Ende des Streifens rasant nach oben und macht deutlich, warum „Dust Bunny“ trotz seines kindlichen Flairs kein Film für Kinder ist.

Fazit

Der düstere Fantasy-Film „Dust Bunny“ hat gleich zwei starke Duos vorzuweisen: Dass Regisseur Bryan Fuller und Darsteller Mads Mikkelsen harmonieren, ist seit „Hannibal“ verbrieft. Wie gut der Mime mit Nachwuchsstar Sophie Sloan funktionieren würde, war derweil nicht abzusehen. Gemeinsam stellen sie sich auf skurril-charmante Weise ihren Ängsten, diversen Killern und jeder Menge inneren Wollmäusen, die letztendlich nur ein mentaler Frühjahrsputz beseitigen kann.


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