Dschungelcamp Tag vier: Ehebruch von Eva Benetatou im Visier

Erst Tag vier im Assessment-Center für Karriereerneuerung und schon offenbart sich das eklatante Versagen der internationalen Sicherheitsbehörden. Über die zwölf teilprominenten Dschungelaspiranten lagen durch nachrichtendienstliche Aufklärung, Auswertung digitaler Fingerabdrücke, Finanzanalysen und umfangreich dokumentierter Trash-TV-Historie ausreichend Informationen vor, um ein verheerendes Attentat auf den RTL-Bildungsauftrag zu verhindern. Doch alle Vorwarnungen wurden ignoriert und die zwölf IBES-Kandidaten unbehelligt von Verfassungsschutz und Terrorabwehr in Deutschlands größtes Live-Format entsandt. Das dadurch ausgelöste Trauma wird die TV-Nation noch viele Generationen lang aufzuarbeiten haben.

Als Intro in den Abend der Konfrontationsüberdosis erlebt das dramaverwöhnte Dschungelzielpublikum das Nachbeben auf den Ehebruch-Showdown zwischen Samira Yavuz und Eva Benetatou. Lagerfeuervordenker Umut Tekin führt offenbar Protokoll über ungewöhnliche sexuelle Aktivitäten innerhalb der Reality-TV-Branche und verstrickt Samira in einen unangenehmen, na ja, Gedankenaustausch darüber, dass sich „unsere beiden Ex-Partner fusioniert haben“.

„Die hatten intimeren Körperaustausch“

Jeder, der mindestens 18 Stunden am Tag Instagramstorys einschlägiger Datingformat-Hopper verfolgt, weiß sofort: Hier geht es um Samiras Ex-Mann Serkan und Umuts Beinahe-Verlobte Emma Fernlund. Offenbar lebte besagter Serkan seinen außerehelichen Kopulationsenthusiasmus nicht nur mit Campehebrecherin Eva aus, sondern auch mit Umuts „Temptation Island VIP“-Eroberung Emma. Ein weiterer Mosaikstein im Trash-TV-Fremdgeh-Bingo. Wobei Samira die Koitus-Eskapaden ihres Ex-Gatten weniger zotenbehaftet zusammenfast: „Die hatten intimeren Körperaustausch!“

Nicole Belstler-Boettcher und Hardy Krüger im Gespräch
Nicole Belstler-Boettcher und Hardy Krüger im Gesprächdpa

Als sich der neutrale Zuschauer am heimischen Endgerät also noch wünscht, RTL möge doch bei Gelegenheit Eva Benetatou und Samira Yavuz in die legendäre Übernachtungsprüfung schicken, ist bei Hubert Fella vor lauter verbalerotisch inspirierender Sexgeschichten der Generation Beischlaf bereits der Fäkalsprachendetektor ausgefallen: „Die ganzen Fickdinger schaue ich nicht! Ich hatte früher keine Ficksendungen! In der Realitywelt, da macht jeder mit jedem rum!“ Das ist korrekt. Da unterscheidet sich der Trashkosmos nicht groß von einem ganz normalen Sonntagsbrunch bei Julian F.M. Stoeckel.

DSGVO Platzhalter

Wobei, würde man ein Organigramm darüber anfertigen, wer in der Reality-TV-Welt schon mit wem angebandelt hat, könnte tatsächlich der Eindruck entstehen, Hubert Fella wäre der Einzige, der noch nicht mit mindestens vier Ex-Partnern anwesender Mitcamper beim Kohabitationsgipfel erwischt wurde. Allerdings gibt es auch über Stephen Dürr wenig fremdgehromantische Anekdoten. Dafür allerdings versucht er unaufhörlich, Sendezeit für seinen freikörperkultivierten Fortpflanzungskontaktbolzen zu generieren. Aber warum will er sein schlankwüchsiges Liebeszepter dauernd in Kameras halten? Es sitzen doch die wenigsten Zuschauer mit Lupe vor dem Fernseher.

„Du bist echt oberste Schublade!“

Stichwort Liebe: Als 2011 das Dschungellaienschauspiel um die Fakebeziehung zwischen Jay Khan und Indira Weis aufflog, war Ariel erst acht Jahre alt. Dennoch behauptet Umut plötzlich vor versammelter Mannschaft, Ariel hätte ihm im Vorfeld vorgeschlagen, im Dschungel eine sendezeitoptimierende Lovestory zu inszenieren. Eine Charakterschwäche, die der tugendhafte Umut kategorisch verurteilt: „Du bist echt oberste Schublade!“ Und da hat Ariel sogar noch Glück. Sie hätte ja auch Tassen vollzählig im Schrank haben können!

Bei so viel Redewendungskompetenz möchte auch Simone Ballack nicht fehlen und stellt im Diskussionsrausch mit Nicole Belstler-Boettcher fest: „Ich rede mich zwischen Kopf und Hals!“ Da kann man nur empfehlen: Rede nicht so viel um den kalten Brei herum.

Um nicht ausschließlich als die schwanger von ihrem Ehemann betrogene Singlemama in Erinnerung zu bleiben, besinnt Samira sich auf ihre Fähigkeiten als Keynote-Speakerin und hält ein spontanes Tutorial zum Thema Reality-TV: „Das Genre schafft sich gerade selbst ab. Die Teilnehmer müssen immer krasser werden. Es fehlt nur noch, dass einer ins Wohnzimmer scheißt, dann hat es alles gegeben!“ Hubert Fella, das Greenhorn in der quotenunterwürfigen Liebesaktbranche subsumiert: „Da wird gebumst wie im Karnickelstall!“

Nur bei ihm nicht mehr. Das jedenfalls glaubt Eva Benetatou: „Ich habe gehört, der Hubert und der Matthias sind getrennt!“ Hubert weiß davon jedoch nichts: „Das war eine Schlagzeile, das war in der ganzen Presse überall!“ Und das stimmt. Man konnte sich dieser Breaking News nicht entziehen. Egal, wo man hinschaute: Das Hubert- und Matthiasdrama bei Markus Lanz, bei Caren Miosga, bei „Hart aber fair“, bei Maybrit Illner, bei „Maischberger“ und in der „NDR-Talkshow“.  Hubert und Matthias einfach überall. Teilweise hatte ich Angst, meine Balkontür zu öffnen.

Ariel (l.) möchte nicht mit Eva Benetatou und Gil Ofarim zur Dschungelprüfung.
Ariel (l.) möchte nicht mit Eva Benetatou und Gil Ofarim zur Dschungelprüfung.dpa

Um die erhitzten Ehebruchgemüter wieder runterzukühlen, müssen ausgerechnet Ariel, Gil Ofarim und Eva in die Dschungelprüfung. Auf dem Weg zur Challenge-Area liefert Ariel noch schnell einige Eva-Bonmots ab: „Ich hoffe, dass ich in zehn Jahren nicht in ein TV-Format gerufen werde, weil ich für einen verheirateten Mann die Beine aufgemacht habe!“ Als gängiges Vorbereitungsritual auf diese Hoffnung stellt Ariel fest: „Ich bin mir selbst treu. Ich kann nicht im Team arbeiten mit Verbrechern!“ Folgerichtig tritt sie zur Dreierprüfung nicht an und spendiert ihren elf Mitcampern damit den dritten kalorienfreien Diät-Tag in Folge.

Und alles nur wegen Eva! Nun ist Ehebruch allerdings kein justiziables Fehlverhalten, insofern kann man Eva da keinen strafbaren Strick draus drehen. Durch diese etwas überdrehte Form der Fremdgehkritik hat sich Ariel in nur vier Tagen von der Geheimfavoritin zur Dauerkonfrontationsbarbie runterechauffiert. Procter & Gamble erwägt bereits, das Waschmittel Ariel aus Imagegründen in „Kim Jong-un“ umzubenennen. Wie die ausgehungerten Promidarsteller im Basislager auf das abermalige arielbedingte Zwangsfasten reagieren, das beschreibe ich hier morgen. Bis dann.