Dreierpacker Díaz bringt Bayern-Kollegen ins Schwärmen

Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache. Gegen die Top6 der Bundesliga haben die Bayern in dieser Saison in sieben Spielen sieben Siege eingefahren, dabei 30:4 Tore erzielt. Das 5:1 gegen den Tabellendritten TSG Hoffenheim war ein erneutes Ausrufezeichen. Und eine Warnung an Verfolger Borussia Dortmund, mit sechs Punkten Rückstand auf Rang zwei. Am 28. Februar misst man sich im Signal-Iduna-Park. Wem da wohl die Knie schlotter(beck)n?

Auch Gesten sagen alles. Und Trophäen. Luis Díaz vereinte beides, als er die rote Kapuze seines FCB-Hoodies tief ins Gesicht gezogen, an den Reportern vorbei Richtung Ausgang der Allianz Arena schlenderte. Ein breites Grinsen, ein Victory-Zeichen mit der einen Hand, in der anderen den Spielball des Sonntagabends. Für den Dreierpack. Kein lupenreiner Hattrick, weil der Kolumbianer Tor eins kurz vor der Pause und die anderen beiden Treffer in der zweiten Halbzeit erzielte.

Díaz erzielt ersten Bundesliga-Hattrick – und schweigt

In der Kabine unterschrieben seine Mitspieler, auch Harry Kane. Ungewöhnlich für den Toptorjäger der Bayern, den Führenden der Torschützenliste, dass ein Kollege die Kugel mit nach Hause nimmt. Der Brite hatte zwei Elfmeter verwandelt, verpasste einen dritten Treffer nur knapp.

So schöpfte diesmal Díaz den Ruhm ab. Über sich und seinen ersten Dreierpack in der Bundesliga wollte er nicht reden. Er hatte ja Taten sprechen lassen. Später werden dem 29-Jährigen die Ohren geklingelt haben als alle über ihn sprachen, von ihm schwärmten. Laut Bayerns Sportvorstand Max Eberl war Díaz gegen die TSG „der Schlüsselspieler, der den Unterschied gemacht hat“. Logo, bei fünf Torbeteiligungen. Drei selbst erzielt, zwei Elfmeter herausgeholt.

Bayern-Star Díaz zeichnet vor allem der unbändige Wille aus

Mit seinen nun schon 13 Saisontoren hat der Linksaußen seine Ausbeute aus der vergangenen Premier-League-Spielzeit beim FC Liverpool eingestellt. Dabei ist die Abschlussstärke, die ihn – hinter Kane – zum zweiten der Liga-Torjägerliste macht, gar nicht die Kernkompetenz von Bayerns Nummer 14.

Bayerns Sportvorstand Max Eberl gelang mit dem Díaz-Transfer ein absoluter Volltreffer.
Bayerns Sportvorstand Max Eberl gelang mit dem Díaz-Transfer ein absoluter Volltreffer.
© IMAGO/Fernando Soares
Bayerns Sportvorstand Max Eberl gelang mit dem Díaz-Transfer ein absoluter Volltreffer.

von IMAGO/Fernando Soares

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Díaz gibt keinen Ball verloren, ist im Zweikampf bissig und zäh. Ein Typ, der will. Einer, der alles reinhaut, immer im Dienst der Mannschaft. „Was der abreißt, ist überragend“, meinte Mittelfeldspieler Aleksandar Pavlović und ergänzte: „Ein super Typ.“ Bei dem Eberl „unglaublich viel Herz, Herzblut und Bereitschaft“ sieht.

Viele waren bei Díaz-Transfer skeptisch

Doch nicht alle Fans und Experten hatten in Díaz diesen Spielertypus erkannt. Zu satt nach dreieinhalb Jahren Premier League auf höchstem Niveau – so meinten Skeptiker angesichts des Sommertransfers. Womöglich ausgelaugt, nicht anpassungsfähig an die Bundesliga. Und überhaupt: Zu teuer! Mit bis zu 75 Millionen Euro Ablöse! Lediglich Abwehrspieler Lucas Hernández, der 2019 für 80 Millionen von Atlético Madrid kam (unterm Strich ein Superflop!) und eben Top-Top-Top-Transfer Kane, für den Bayern knapp 100 Millionen an Tottenham überwies, schröpften das bayerische Festgeldkonto mehr.

Díaz, Spitzname „Lucho“, akklimatisierte und integrierte sich in der Münchner Kabine aufgrund seiner nahbaren Art und seines sonnigen Latino-Gemüts (Fakt, kein Klischee!) schnell, wurde kein zweiter Fall Sadio Mané. Auch ein Linksaußen, auch ein Transfer von Liverpool. Mané war beim Transfer 2022 mit 32 Millionen Ablöse deutlich günstiger – kleines Geld, großes Ego. Nach einem für alle Parteien unzufriedenstellenden Jahr endete das Kapitel FCB für Mané vorzeitig.

Während der Senegalese eher Chaos in der Kabine anrichtete, etwa als er nach dem 0:3 bei Manchester City im April 2023 Teamkollege Leroy Sané ins Gesicht schlug, sorgt Díaz auf dem Platz für Chaos – beim Gegner! „Ich weiß, wie es als Verteidiger ist, wenn solch ein Spieler auf dich zukommt“, sagte Bayern-Trainer Vincent Kompany, früher selbst Innenverteidiger, über seinen Schützling. „Lucho ist natürlich auch clever, aber er liebt das Chaos und das macht ihn so gefährlich.“ Und bei Bayern lieben sie ihren „Lucho“, der laut Kompany dieses gewisse Etwas, diese „Chaos-Kreativität“ als Würze mit ins Spiel bringt. Bei RB Leipzig, dem Pokal-Gegner am Mittwoch, werden sie nach einem Gegenmittel fahnden. Ist wohl zwecklos.