Dow Jones: Die Trumpete bläst zu neuen Rekorden

Für die Aktionäre unter uns war die Rede Donald Trumps in Davos natürlich eine Wohltat. Endlich mal ein Aktionärsversteher. Früher, als alles noch besser war, bis auf diesen dummen Fehler, Grönland nach dem Zweiten Weltkrieg an die irrelevanten Dänen abzugeben, früher, da haben die Börsen noch vernünftig reagiert. Gab es Wachstum, sind die Kurse gestiegen. Heute, so ärgert sich Trump, werde immer das Haar in der Suppe gesucht und die Angst vor der Inflation gefunden. Gibt es so phänomenales Wachstum wie von ihm derzeit generiert, bekommen alle Angst vor Inflation. Folge: Die Kurse steigen nicht, und der dumme Herr Powell senkt die Zinsen nicht.

Was uns beruhigen kann: Trump hat die Aktienmärkte und ihre Entwicklung genau im Blick. Derzeit gingen die Kurse etwas runter, was ihm zu Recht nicht gefällt. Schließlich will er die 50.000 Punkte im Dow Jones, seinem Lieblings-Aktienindex, schon bald sehen. Prompt wurde er netter zu dem „exzellenten Herrn Rutte“ und zeigte Einigungsbereitschaft in Sachen Grönland. Mit 49.607 Punkten kratzte der Dow Jones umgehend an seinem Rekordhoch aus vergangener Woche und ist den 50.000 Punkten sehr nah. Da die fehlenden 0,79 Prozent keine Rendite wären, mit der sich ein Trump zufriedengäbe, blies er zu neuen Rekorden: Verdopplung! Dies sei angesichts seiner diversen politischen Maßnahmen die zu erwartende Größe „in nächster Zeit“.

Bald die niedrigsten Zinsen auf der Welt?

100.000 Dow-Punkte! Könnte klappen, zumal mit Herrn Powell bald die Figur verschwindet, die den niedrigsten Zinsen auf der Welt im Weg steht. Die hält Trump für sein Land für angemessen. Die Aktienmärkte würde es freuen. Inflationsbedenkenträger gibt es am Aktienmarkt nur wenige. Schließlich heißt Inflation höhere Preise, und höhere Preise für Unternehmen heißen mehr Einnahmen, und wenn Umsatz und womöglich auch der Gewinn steigen, freut es den Aktienkurs. Ob der nun real bei Inflation nicht ganz so attraktiv ist wie nominal, ist eher was für die Kategorie kleinkariert.

Ein großer Kostenfaktor für viele Unternehmen ist die Energie, deswegen war es noch einmal wichtig, dass Trump darauf hinwies, wie dumm die Europäer sind, sich von den Chinesen diese hässlichen Windräder andrehen zu lassen, die mit jeder Umdrehung 1000 Dollar Verlust bringen. Erleichtertes Aufatmen bei SMA Solar. Wochengewinner im F.A.Z.-Index. Gegen die Solarbranche hatte Trump keine Einwände geäußert.

26 Prozent Kursminus für Carl Zeiss Meditech

Aber gegen überbezahlte Manager. 50 Millionen würden die bekommen. Er meinte die Rüstungsversager, die mit bestellten Waffen nicht schnell genug sind. Trumps Chauffeur könnte das schneller, und der bekäme keine 50 Millionen. Auch das sind gute Nachrichten für Aktionäre. Überbezahlte Manager hält keiner gerne aus. Da unser Bundeskanzler weiterhin zu den von Trump Gelobten gehört, wird er hierzulande vielleicht auch den Führungsriegen mehr Dampf machen. Bisher setzt er auf den Kampf den Blaumachern. Da hat er aber seinen Trump nicht gelernt. Nicht auf die vielen schimpfen, die einen dann nicht wählen. Zusammen mit den vielen auf die wenigen schimpfen.

Carl Zeiss Meditech meldete diese Woche, dass absehbar sei, dass die Jahresziele für das bis Ende September reichende Geschäftsjahr nicht mehr zu erreichen seien. Wie die Lage genau aussehe und was die Unternehmensleitung zu tun gedenke, werde „schnellstmöglich“ publiziert, spätestens am 12. Mai. Wie würde Trump reagieren? Wie die Börse: 26 Prozent Kursminus. Tiefster Aktienkurs seit zehn Jahren für den Medizintechnikhersteller aus Jena. Den Vorstandsvorsitzenden könnte Trump nicht feuern, der ist ohnehin schon nur interimistisch im Amt seit Januar.

Adidas vor der Fußball-WM im Kurstief

Adidas sackte am Freitag auf den tiefsten Aktienkurs seit drei Jahren. Und das in einem Jahr mit Fußball-WM. Und dem vorerst letzten Turnier, in dem die deutsche Elf in Adidas-Leibchen aufläuft. Der Konzern werde die zu hohen Erwartungen nicht erfüllen können, meinten die Analysten der kanadischen RBC und strichen ihre Kaufempfehlung. Dabei gab es noch nicht einmal einen Trump-Erlass, dass alle Mannschaften bei der WM im Sommer in den USA nur in dort produzierten Trikots US-amerikanischer Unternehmen auflaufen dürfen.

Die Verlierer am deutschen Aktienmarkt übertrafen diese Woche die Zahl der Gewinner. Doch mit knapp 25.000 Punkten hält sich der Dax nahe seinem Rekord, obwohl die Lokomotive SAP von Kursen um 280 Euro im Februar 2025 auf 190 Euro abgesackt ist. Siemens setzt zum Überholen an und könnte wertvollstes Unternehmen in Deutschland werden. Im Februar eröffnet die Hauptversammlungssaison mit Siemens Healthineers am 5., Siemens am 12., Infineon (früher Siemens) am 19. und Siemens Energy am 26. Februar. Ein beeindruckendes Portfolio.

Noch schneller kommt indes der nächste Auftritt von Jerome Powell. Die Fed tagt nächste Woche. Die Märkte gehen davon aus, dass Powell und die Mehrheit in der Fed den Widerstand gegen Trump aufrechterhalten und die Zinsen nicht senken werden. Bis Mai geht Powells Amtszeit noch. Ob Trump die Geduld vorher ausgeht? In Caracas hat er schon eingeübt, wie die Entfernung unliebsamer Personen auch ad-hoc passieren kann. Washington ist nach Trumps Ansicht seit dem Einsatz der Nationalgarde nun endlich die sicherste Stadt der Welt. Wollte er mit dem Satz Powell in Sicherheit wiegen? Es bleibt spannend, und wir können dankbar sein, dass Trump den ganzen Aufwand eigentlich nur für uns betreibt, die mutigen Aktionäre. Auf dass die Kurse sich verdoppeln und verdreifachen werden und wenigstens die Börse Dankbarkeit gegenüber dem Mann zeigt, der im Norden (Island? Grönland?) nur noch liebevoll Daddy genannt wird. Warum eigentlich nicht The Great Dowi? Oder Daxi?