

Donald Trump hat den Streit der US-Regierung mit dem auf Künstliche Intelligenz spezialisierten Unternehmen Anthropic weiter eskalieren lassen. Am Freitag schrieb er auf seiner Plattform Truth Social, er weise alle Bundesbehörden an, die Arbeit mit Anthropics KI-Technologien mit sofortiger Wirkung einzustellen. „Wir brauchen sie nicht, wir wollen sie nicht, und wir werden keine Geschäfte mehr mit ihnen machen,“ schrieb er weiter. Er beschimpfte Anthropic als „linke Spinner“ und „woke“.
Trump sagte, in Behörden wie dem Verteidigungsministerium werde es eine sechsmonatige Übergangsphase geben, in der die Technologie schrittweise ausrangiert werde. Er drohte dem Unternehmen mit „zivilen und kriminellen Konsequenzen“, sollte es in dieser Phase nicht „hilfreich“ sein.
Trumps dramatische Attacke kam kurz vor Ablauf eines Ultimatums, das der Verteidigungsminister Pete Hegseth Anthropic in dieser Woche gestellt hat. Er hat dem Unternehmen mit harschen Strafen gedroht, falls es bis zum Freitagnachmittag amerikanischer Zeit nicht zustimme, bisherige Restriktionen für den Einsatz seiner KI-Modelle zu lockern.
Auf eine Art schwarze Liste
Neben dem Entzug eines auf 200 Millionen Dollar dotierten Auftrags stellte er in Aussicht, das Unternehmen als „Lieferkettenrisiko“ einzustufen und damit auf eine Art schwarze Liste zu setzen. Dies ist eine Sanktion, die sonst eher Unternehmen mit Verbindungen nach China oder Russland trifft. Hegseth drohte auch damit, Anthropic durch Aktivierung des „Defense Production Act“ zu einer Änderung der Konditionen zu zwingen. Dieses Gesetz kam zuletzt bei nationalen Notständen wie der Corona-Pandemie zum Einsatz.
Kurz nach Ablauf der Frist erklärte Hegsetz Anthropic tatsächlich zum Lieferkettenrisiko. Dies könnte für das Unternehmen gravierende Konsequenzen haben. Es würde andere Vertragspartner des Pentagon dazu zwingen, zu zertifizieren, dass sie in ihrer Arbeit für die Regierung keine Produkte von Anthropic einsetzen. Hegseth schrieb auf der Plattform X: „Anthropics Haltung ist fundamental inkompatibel mit amerikanischen Prinzipien.“ Das Verhältnis zwischen dem Unternehmen und der Regierung habe sich dadurch „permament“ geändert. „Diese Entscheidung ist endgültig“, schrieb Hegseth weiter.
Der Streit dreht sich um zwei Einschränkungen, die Anthropic für die Nutzung seiner KI-Modelle vorgibt. Sie dürfen nicht zur Massenüberwachung von Amerikanern oder zur Entwicklung vollständig autonomer Waffensysteme verwendet werden. Das Pentagon pocht dagegen darauf, die Technologien für „alle rechtmäßigen Zwecke“ nutzen zu dürfen.
Amodei: „Inkompatibel mit demokratischen Werten“
Anthropic-Vorstandschef Dario Amodei hat sich noch am Donnerstag unnachgiebig gezeigt und in einem längeren Blogeintrag geschrieben, das Unternehmen könne den Forderungen des Pentagon nicht „guten Gewissens“ nachkommen. Er sagte zur Begründung der Restriktionen, der Einsatz für inländische Massenüberwachung sei „inkompatibel mit demokratischen Werten“, und für autonome Waffensysteme seien KI-Modelle heute „nicht zuverlässig genug“.
Die Drohungen des Pentagons, Anthropic zu einem Lieferkettenrisiko zu erklären und den „Defense Production Act“ zum Einsatz kommen zu lassen, nannte Amodei „in sich widersprüchlich“. Einerseits würde Anthropic als Sicherheitsrisiko eingestuft, andererseits aber auch als „essenziell“ für die nationale Sicherheit. Amodei sagte, angesichts des „erheblichen Wertes“, den Anthropics Technologie für die Streitkräfte habe, hoffe er, dass die Regierung in der Auseinandersetzung einlenke. Wenn nicht, werde Anthropic dabei helfen, „einen reibungslosen Übergang zu einem anderen Anbieter zu ermöglichen“. Amodei betonte, grundsätzlich glaube er an die „existenzielle Bedeutung“, KI zur Verteidigung der USA und anderer Demokratien einzusetzen.
Trump schrieb jetzt, es sei ein „desaströser Fehler“ für Anthropic gewesen, sich mit dem Pentagon anzulegen und ihm seine Nutzerbedingungen aufzwingen zu wollen. „Die USA werden es einem radikal linken, woken Unternehmen niemals erlauben, zu diktieren, wie unser großartiges Militär in Kriegen kämpft und sie gewinnt.“ Trump sagte weiter, Anthropic werde „von Leuten geführt, die keine Ahnung haben, worum es in der realen Welt geht“.
Anthropic bekam derweil in dem Streit ausgerechnet von seinem schärfsten Rivalen Open AI Schützenhilfe. Sam Altman, der Vorstandschef von Open AI, nannte in einer Nachricht an die Belegschaft, über die das „Wall Street Journal“ berichtete, ähnliche Konditionen wie Anthropic. Er sagte, er würde darauf drängen, dass Einsatzgebiete wie inländische Überwachung oder autonome Waffen von Verträgen mit der Regierung ausgenommen würden. „Dies sind unsere hauptsächlichen roten Linien,“ schrieb er.
Altman und Amodei haben ein sehr angespanntes Verhältnis zueinander. Bei einem KI-Gipfel in Indien in der vergangenen Woche wollten sie sich nicht zu einer symbolischen Geste die Hand reichen, so wie das alle anderen Teilnehmer auf der Bühne taten.
Anthropics KI-Modell Claude gilt als eines der besten in der Branche und wird offenbar auch von der Regierung rege genutzt. Innerhalb des Pentagons soll es Medienberichten zufolge auch warnende Stimmen geben, wonach eine Abkehr von Anthropic einen herben Verlust darstellen würde.
