
Manchmal weiß man nicht so genau, wer schlimmer ist: das Volk oder die Volksvertreter. Erhebliche Teile des Volks zum Beispiel wählen die AfD, in Rheinland-Pfalz waren es gerade wieder mal fast zwanzig Prozent. Oder das Ding mit der Wahlbeteiligung. In München gibt es gut 1,1 Millionen Wahlberechtigte. Von denen gingen im ersten Durchgang noch 52,3 Prozent (572 700 Menschen) zum Wählen. Im zweiten Durchgang, der Stichwahl zwischen dem grünen Krause und dem irgendwie roten Reiter, waren es noch 486 223 Wählerinnen und Wähler (44,5 Prozent). Zieht man die wegen Krankheit oder anderer Unbill Verhinderten ab, war es immer noch nahezu zwei Dritteln der Wählerschaft in München egal, ob der eine oder andere ihre Stadt „regieren“ würde. Sie blieben am vergangenen Sonntag daheim, fuhren in die Berge, schauten Fußball, trafen sich mit Freunden, machten dies oder das. Sie entschieden sich in ihrer Life-Politics-Balance eindeutig für die Life-Seite. Die 272 533 Stimmen, die Dominik Krause erhielt, sind ein sehr beachtliches Ergebnis. Dass er allerdings von gut 800 000 der Wahlberechtigten nicht gewählt wurde, ist auch beachtlich. In einer Demokratie, in der es keine Wahlpflicht gibt, entscheiden manchmal jene, die gar nicht erst wählen, die Wahl.
