Distorsion: Symptome, Diagnose und Behandlung der Verstauchung

Stand: 20.01.2026 22:20 Uhr
| vom

Eine Distorsion ist eine unnatürliche Verdrehung eines Gelenks und wird auch Verstauchung genannt. Meist ist das Sprunggelenk betroffen. Was sind die Symptome? Und welche Behandlung hilft schnell?

von Carola Welt

Ein einziger Fehltritt: Der Fuß wird ungewohnt belastet oder man knickt um. Schon ist die Verstauchung da. Diese unnatürliche Verdrehung des Gelenks ist schmerzhaft. Eine Distorsion zählt zu den häufigsten Sportverletzungen. Aber auch im Alltag passiert es beim Treppensteigen oder Stolpern. Ältere Menschen verstauchen sich den Fuß oft auch beim Wandern auf unebenem Boden.

Ursachen einer Distorsion

Bei einer Distorsion wird ein Gelenk über den normalen Bewegungsspielraum hinaus bewegt. Das geschieht meist durch Umknicken oder Verdrehen des Gelenks. Im Gelenk werden die Knochen kurzfristig aus ihrer normalen Position verschoben, ohne jedoch auszurenken. Die Gelenkkapsel wird überdehnt und verletzt. Je nach Schwere werden auch die Bänder, die das Gelenk umgeben, in Mitleidenschaft gezogen. Sie können überdehnen, einreißen oder es kommt zum kompletten Bänderriss. Außerdem können sich im verletzten Bereich kleine Gewebseinrisse bilden. Eine Überdehnung der Bänder ohne kompletten Riss ist eine Verstauchung. Sie zählt zu den häufigsten Sportverletzungen.

Verstauchung: Welche Körperstellen am häufigsten betroffen sind

Am häufigsten tritt die Verstauchung am Fuß, genauer am Knöchel (Sprunggelenk) auf. Oft sind das Kniegelenk, das Handgelenk oder die Finger betroffen.

  • Sportarten mit schnellen und kraftvollen Bewegungen der Beine (Fußball, Skifahren, Basketball, Volleyball) führen oft zu Verstauchungen am Sprunggelenk – etwa, wenn man ungünstig mit einem Bein aufkommt. Die Bänder am Sprunggelenk werden überdehnt und verletzt. Die Außenbänder des Sprunggelenks erleiden häufiger eine Überdehnung als die Innenbänder.
  • Ruckartige Bewegungen und schnelle Richtungswechsel bei Mannschaftssportarten haben häufig Verstauchungen der Kniegelenke als Folge.
  • Das Handgelenk ist oft in Folge von Stürzen, im Alltag oder beim Sport betroffen.
  • Beim Volleyball sind Verstauchungen der Finger häufige Verletzungen.

Risikofaktoren für eine Verstauchung

  • keine oder eine zu kurze Aufwärmphase
  • Müdigkeit und mangelnde Konzentration
  • zu schwach trainierte Muskeln (schlechter Trainingszustand)
  • Je häufiger ein Gelenk schon betroffen war, desto eher kommt es erneut dazu.
  • Manche Menschen haben schwächere Bänder und neigen eher zu Verstauchungen als andere.

Symptome: Distorsion richtig erkennen

Unmittelbar nach der Distorsion kommt es zu Schmerzen, die sehr heftig sein können. Der Schmerz verstärkt sich bei Bewegung des betroffenen Gelenks. Es entwickelt sich eine Schwellung. Das Ausmaß von Schwellung und Schmerzen hängt vom Ausmaß der Verstauchung ab. Ein Bluterguss (Hämatom) kann sich am Gelenk bilden. Er entsteht durch die Verletzung von Blutgefäßen. Bei einer leichten Verstauchung ist das Gelenk beweg- und belastbar. Ist die Distorsion schwerer, ist Bewegung schmerzhaft und Belastung unmöglich. Dann können die Bänder überdehnt, angerissen oder gerissen sein.

Verstauchung und Bänderriss unterscheiden

Eine Verstauchung lässt sich nur schwer von einer Bänderdehnung oder einem Bänderriss abgrenzen. Deshalb wird der Bänderriss auch als schwere Form der Distorsion bezeichnet:

  • Bei einer leichten Verstauchung (Grad 1) sind die Bänder nur überdehnt. Das Gelenk ist noch stabil und beweglich.
  • Bei einer mittelschweren Verstauchung (Grad 2) sind ein oder mehrere Bänder angerissen. Das Gelenk ist instabil und schlecht beweglich.
  • Bei einer schweren Verstauchung (Grad 3) sind ein oder mehrere Bänder gerissen. Das betroffene Gelenk lässt sich kaum mehr bewegen.

Eine nicht ausreichend behandelte Distorsion kann schwere Schäden im Gelenk zur Folge haben. Bei stärkeren Beschwerden sollte immer ärztlicher Rat eingeholt werden.

Merkmale von Verstauchung, Prellung, Zerrung und Verrenkung

Eine Prellung entsteht durch einen Schlag, einen Stoß oder einen Sturz. Das Gewebe unter der Haut wird geschädigt und kann blau anlaufen und auch anschwellen. Es kommt zu einem Bluterguss. Häufig ist die Bewegung im betroffenen Bereich eingeschränkt.

Bei einer Zerrung wird nicht das Gelenk überdehnt, sondern die Muskulatur – häufig nach einer abrupten Bewegung. Im Muskel kommt es zu Schädigungen. Das kann bis zum Muskelfaserriss gehen. Zerrungen passieren häufig in den Oberschenkeln, den Waden, den Schultern und den Leisten. Es kommt auch hier oft zu Bewegungseinschränkungen.

Bei einer Verrenkung gerät der Knochen durch einen Schlag oder Sturz – vollständig oder teilweise – aus der Gelenkpfanne. Man spricht auch von einer Auskugelung. Auch bei der Verrenkung können Gelenkbänder und Kapsel geschädigt sein.

Ob es zu einer Prellung, Zerrung, Verrenkung oder einer Verstauchung gekommen ist, ist für Laien kaum zu unterscheiden. Alle vier Verletzungen können starke Schmerzen hervorrufen und Bewegungen unmöglich machen. Deshalb gilt: Im Zweifelsfall einen Arzt oder eine Ärztin aufsuchen.

Diagnose einer Verstauchung

Liegen ein oder mehrere der folgenden Symptome vor, sollte ärztlicher Rat eingeholt werden. Nur dann kann eine Distorsion richtig diagnostiziert und behandelt werden.

  • starke Schmerzen
  • das Gelenk ist stark geschwollen
  • das Gelenk lässt sich nicht gut bewegen

Zwar gilt die Faustregel: Wenn nach dem Umknicken das Auftreten und Laufen noch möglich sind, ist nichts gebrochen. Aber darauf ist kein Verlass.
Um einen Bruch auszuschließen, sollte bei stärkeren Beschwerden immer eine Ärztin oder ein Arzt aufgesucht werden. Erste Anlaufstelle kann die hausärztliche oder eine orthopädische Praxis sein.

Arzt oder Ärztin tasten zuerst das betroffene Gelenk ab. Dann folgen Tests zur Beweglichkeit. So kann erkannt werden, ob die Bänder noch intakt sind. Mit dem Ultraschall lässt sich genau zeigen, ob Bänder gerissen sind. Um einen Knochenbruch auszuschließen, wird meist eine Röntgenaufnahme gemacht. Bei dem Verdacht auf eine komplexe Verletzung kann eine Untersuchung im MRT (Magnetresonanztomographen) notwendig werden.

Richtige Behandlung einer Distorsion

Unabhängig ob es sich um eine Verstauchung an Knöchel, Knie, Handgelenk oder Finger handelt: Für die erste Hilfe unmittelbar nach der Verletzung werden in der PECH-Regel vier Maßnahmen zusammengefasst. Diese Empfehlungen bestehen seit den 1970er-Jahren und sind heute nur noch mit Einschränkungen gültig.

PECH-Regel als Erstversorgung

  • Eine Pause machen (P wie Pause) und das Gelenk akut nicht mehr belasten.
  • Die Stelle kühlen (E wie Eis) – allerdings nur in den ersten Stunden.
  • Einen Kompressionsverband anlegen (C für Compression), um Einbblutung und Schwellung zu begrenzen.
  • Den verletzten Bereich hochlagern (H wie hochlagern) auf Herzhöhe oder leicht darüber. Das erleichtert den Abtransport von Blut und geschädigten Zellen.

Neue Erkenntnisse bei Kühlung und Entlastung

Kühlung kann in den ersten Stunden als schmerzlindernd empfunden werden, eine objektive Verbesserung der Heilung ist nicht zu erwarten. Im Gegenteil: Starke und langanhaltende Kühlung dämpft die lokale Durchblutung und den notwendigen Entzündungsprozess so stark, dass die Heilung gebremst wird. Daher wird heute empfohlen, Eis höchstens am Tag des Unfalls kurzzeitig zur Schmerzreduktion anzuwenden. Kühlpacks sollten dafür nur aus dem Kühlschrank, nicht aus dem Tiefkühler kommen. Auf 15 Minuten Kühlung sollten zwei Stunden Kühlpause folgen. Auch eine längere Ruhigstellung des verletzen Gelenkes wird heute nicht mehr pauschal empfohlen. Bei Bänderdehnung ohne strukturelle Verletzungen reichen ein bis drei Tage Entlastung, schon am zweiten Tag kann versucht werden langsam wieder aufzutreten. Die Bewegung ist wichtig für den Flüssigkeitsaustausch im verletzten Gewebe. Eine frühe dosierte Belastung reduziert mittelfristig die Schmerzen, verbessert die Funktion und senkt das Risiko chronischer Beschwerden.

Neue Behandlungskonzepte: PEACE und LOVE

Die PECH-Empfehlungen werden zunehmend durch die PEACE-&-LOVE-Konzepte ersetzt, die die über die akute Notfallhilfe hinaus gehen.

P wie Protection steht für Schutz. Nach dem Unfall die Bewegung unterbrechen, das Gelenk akut entlasten.
E wie Elevation steht für Hochlagern, am besten höher als das Herz.
A steht für Avoid Anti-Inflammatories. Während früher Schmerzmedikamente empfohlen wurden, die gleichzeitig auch Entzündungen hemmen (englisch Anti-Inflammatories), wie Ibuprofen in höheren Dosierungen, wird heute von der Einnahme abgeraten, da die Entzündung eine notwendige Voraussetzung für den Heilungsprozess ist.
C wie Compression (Kompression) durch Tape oder Bandagen.
E wie Education bedeutet Schulung oder Aufklärung. Die Erkenntnis, dass sich der Körper in der Regel mit natürlichen Prozessen selbst gut zu helfen weiß, stärkt das Zutrauen in den eigenen Körper. Übertriebene Ängste und Passivität können die Heilung bremsen.

L steht für Load, die Belastung. Nach kurzer Ruhigstellung soll nach Absprache mit der schmerzadaptierten Belastung begonnen werden. Es darf ein wenig schwerzen, sollte jedoch gut aushaltbar sein. Das kann sich positiv auf die Heilungsprozesse auswirken.
O wie Optimism, also positive Einstellung und Zuversicht. Sportmedizin setzt heute auf psychologische Begleitung und mentale Stärkung. Das kann die körperliche Heilung verbessern. Dabei ist wichtig, der verletzten Person Ängste zu nehmen und sie darin zu bestärken, sich zu bewegen und zu belasten.
V wie Vascularisation steht für das Ziel, dass die verletzte Stelle gut durchblutet wird. Wenn der Kreislauf aktiv in Schwung ist, kommt auch der Blutfluss in Wallung.
E wie Exercise (Übungen oder Training. Angepasste Aktivitäten für Beweglichkeit, Kraft und Körperwahrnehmung fördern die Heilung.

Behandlung bei Verstauchung: Medikamente oder Salben?

Vertauchungen können sehr weh tun. Dagegen helfen Schmerzmedikamente zum Beispiel Paracetamol oder Metamizol. Entzündungshemmer wie Ibuprofen in höherer Dosierung sollten vermieden werden. Gleiches gilt für die Verwendung von Schmerzsalben. Meist sind bei einer Verstauchung Schmerzmittel nur für kurze Zeit nötig. Salben mit pflanzlichen Inhaltsstoffen können ebenso helfen, beispielsweise mit dem Extrakt von Beinwell. Die Wirkung ist jedoch nicht nachgewiesen. Das gilt auch für Öle mit Arnika und anderen Pflanzen wie Pfefferminze oder Kampfer.

Welcher Verband hilft bei einer Distorsion?

Egal, wie schwer die Verstauchung ist: Das verstauchte Gelenk sollte im ersten Moment entlastet und mit Kompressions- und Stützverbänden stabilisiert werden. Alternativ kann eine Bandage angelegt werden. Eine Bandage besteht – wie Kompressions- und Stützverbände – aus elastischem Gewebe. Im Unterschied zum Verband wird sie nicht gewickelt, sondern beispielsweise wie ein Strumpf über den Fuß gezogen.

Bei einer schweren Distorsion mit ausgeprägten Strukturverletzungen kann eine stärkere und längere Unterstützung in Form einer Orthese notwendig werden. Orthesen sind aus festeren Materialien als Bandagen. Meist werden sie im Orthopädie-Fachhandel individuell angepasst. Orthesen schränken die Beweglichkeit mehr ein, bis hin zur Ruhigstellunger vier bis sechs Wochen tagsüber und nachts. So stabilisieren sie das Gelenk stärker als Bandagen. Bandagen und Orthesen gibt es für Fuß- und Handgelenk, Knie oder Finger. Bei Verletzungen im Bereich des Beins wird empfohlen, in den ersten Tagen Unterarmstützen zu verwenden. Die allmähliche und notwenige Belastungssteigerung wird individuell mit dem ärztlichen, physiotherapeutischen oder sportwissenschaftlichen Fachpersonal abgestimmt.

Dauer der Schmerzen nach einer Verstauchung

Sind die Bänder bei einer leichten Verstauchung nur überdehnt, klingen die Schmerzen meist schon nach einigen Tagen ab. Bei einer leichten Verstauchung am Fuß oder am Knie ist nach ein bis zwei Wochen normales Gehen wieder möglich. Der Fuß kann schon bald wieder vorsichtig belastet werden.

Sport nach einer Verstauchung

Nach einer leichten Verstauchung sollte so lange auf Sport verzichtet werden, bis das Gelenk vollständig abgeschwollen und wieder schmerzfrei beweglich ist. Bei einer schwereren Verstauchung kann das mehrere Wochen dauern. Vorsichtiges Herantasten an den Sport und auf Signale des Körpers hören ist wichtig. Die Verstauchung sollte vollständig auskuriert sein, denn das Risiko ist erhöht, dass das einmal verletzte Gelenk instabil bleibt und es erneut zu einer Verstauchung kommt. Um dem vorzubeugen, kann das gezielt Gelenk trainiert werden. Bei Beinverletzungen etwa mit Übungen auf dem Balancebrett.

Expertin und Experten aus dem Beitrag

Ein Mann mit Helm sitzt auf dem Boden und hält sich sein Bein, vor ihm ein umgestürztes Fahrrad.

Eine Prellung ist harmlos aber häufig schmerzhaft. Wie erkennt man eine Prellung? Und welche Behandlung hilft?

Bänderriss: Mann hält sich vor Schmerz den Fuß

Bei einem Bänderriss reißen die Bänder am Gelenk, meist am Fuß. Was sind die Symptome? Welche Behandlung hilft?

Muskelfaserriss: Mann in Sportkleidung fasst sich an den schmerzenden Oberschenkel.

Der Muskelfaserriss ist eine schmerzhafte Verletzung im Muskel. Welche Behandlung hilft? Wie lange dauert die Heilung?

Kreuzbandriss: Sportler hält das schmerzendes Knie

Der Kreuzbandriss entsteht meist durch heftige Richtungswechsel beim Sport. Die Behandlung des Knies erfordert oft eine OP.

Bild eines Fußes bei der Massage.

Eine Überlastung der Achillessehne kann chronische Beschwerden verursachen. Welche Therapien helfen bei Schmerzen?