Diese Rechte gelten jetztLufthansa-Streik betrifft wohl 69.000 Reisende
11.02.2026, 20:21 Uhr
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Am Donnerstag bleiben viele Lufthansa-Flugzeuge am Boden. Nach Verbandsangaben sind Hunderte Verbindungen betroffen. Ein Überblick über die Rechte der Reisenden und Möglichkeiten, dennoch ans Ziel zu kommen.
Zehntausende Passagiere der Lufthansa sind von den Streiks der Piloten und des Kabinenpersonals am Donnerstag betroffen. Der Konzern sprach von „umfangreichen Streichungen“, nannte aber keine Zahl. Nach Angaben des Flughafenverbands ADV fallen über 460 Flüge mit rund 69.000 Passagieren aus. Die kurzfristige Ankündigung treffe die Fluggäste „extrem hart und unverhältnismäßig“, teilte die Airline mit. Die Lufthansa bemühe sich, die Auswirkungen so gering wie möglich zu halten. Man versuche, Fluggäste auf andere Airlines der Lufthansa Gruppe und Partner-Airlines umzubuchen. Ab Freitag will die Lufthansa „weitestgehend wieder den normalen Flugplan anbieten“.
Die Piloten-Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) und die Gewerkschaft Ufo für das Kabinenpersonal haben zu einem ganztägigen Streik aufgerufen. Die VC will durch den Arbeitskampf bessere Bedingungen bei Betriebsrenten der Lufthansa für mehr als 5000 Flugzeugpiloten erreichen. „Wir können es auch als Gewerkschaft einfach nicht hinnehmen, dass wir ein halbes Jahr noch nicht einmal ein Angebot vom Arbeitgeber auf dem Tisch liegen haben“, sagte VC-Präsident Andreas Pinheiro in Frankfurt. Die Unabhängige Flugbegleiter Organisation (Ufo) rief das Kabinenpersonal bei Lufthansa und Lufthansa Cityline zum Arbeitskampf auf.
Welche Flüge fallen aus?
Lufthansa hat umfangreiche Streichungen angekündigt. Details nennt die deutsche Airline nicht, aber auf den digitalen Abflugtafeln großer Flughäfen wie Berlin oder Frankfurt ist eine Vielzahl der Lufthansa-Flüge gestrichen. Vereinzelte Verbindungen sollen aber offenbar angeboten werden.
Die Fluggäste werden aufgefordert, ihre Kontaktdaten zu hinterlegen. Betroffene Passagiere würden in jedem Fall automatisch benachrichtigt.
Grundsätzlich wollen die Crew-Gewerkschaften über den ganzen Tag sämtliche Abflüge in Deutschland verhindern. Die Piloten streiken bei den Airlines Lufthansa und Lufthansa Cargo. Die Kabinengewerkschaft Ufo hat das Personal ebenfalls bei der Lufthansa-Kerngesellschaft sowie bei der Regionaltochter Cityline zu einem Warnstreik aufgerufen. Neben den Drehkreuzen Frankfurt und München sind damit auch die Flughäfen in Hamburg, Bremen, Stuttgart, Köln, Düsseldorf, Berlin und Hannover direkt betroffen.
Wie kommen betroffene Passagiere weiter?
Lufthansa verspricht betroffenen Passagieren schnelle Hilfe und bietet bei Annullierungen kostenlose Umbuchungen. Innerdeutsche Tickets könnten in Fahrkarten für die Bahn umgewandelt werden. Lufthansa wird zudem versuchen, Passagiere auf nicht bestreikte Verbindungen umzubuchen.
Die Passagiere sollen sich auf digitale Informationen verlassen, rät auch ein Sprecher des Frankfurter Flughafens. „Zum Flughafen zu kommen, um zu schauen, ob noch was anderes fliegt, ist eine schlechte Idee.“ Ursprünglich waren am Drehkreuz 1074 Flugbewegungen mit rund 140.000 Passagieren geplant. In Marktkreisen wird damit gerechnet, dass allein in Frankfurt mehr als 200 Starts der Lufthansa Classic ausfallen.
Welche Airlines fliegen noch?
Das sind grundsätzlich erst einmal alle Gesellschaften, die nicht zur Lufthansa-Group gehören. Wichtige Anbieter in Deutschland sind beispielsweise Ryanair, Easyjet und Condor. Aber auch innerhalb des Kranichkonzerns werden längst nicht alle Airlines bestreikt. Neben den Flügen der ausländischen Gesellschaften Swiss, Austrian, Ita und Brussels Airlines sind auch die deutschen Lufthansa-Töchter Eurowings und Discover nicht von dem Streikaufruf betroffen. Noch unklar sind die Auswirkungen auf den Flugbetrieb der Tochter Lufthansa City Airlines.
Welche Rechte haben Passagiere?
Bei einem Streik des eigenen Personals muss die Fluggesellschaft ihre Passagiere bei Annullierungen oder starken Verspätungen entschädigen. Je nach Flugdistanz werden zwischen 250 und 600 Euro fällig. Die Fluggesellschaften müssen zudem Ersatzbeförderungen schnellstmöglich organisieren und auch fremde Fluggesellschaften oder Über-Eck-Verbindungen prüfen. Bei innerdeutschen Verbindungen kommen auch Bahnfahrkarten in Betracht.
Wer auf seine Reise verzichtet, kann den Ticketpreis zurückverlangen. Am Flughafen gestrandete Passagiere haben Anspruch auf Essen und Getränke am Flughafen, ebenso wie auf zwei kostenlose Telefonate. Bei längerer Dauer muss die Airline zudem für Hotelzimmer zahlen.
Wofür wird gestreikt?
Offiziell streiken die rund 4800 Piloten für höhere Arbeitgeberbeiträge zu den Betriebs- und Übergangsrenten. Hierzu liegt schon seit dem Herbst eine Urabstimmung der Mitglieder vor, die mit deutlicher Mehrheit für Arbeitskampfmaßnahmen gestimmt haben. Die Gewerkschaft hatte in den vergangenen Monaten von einem Streik abgesehen. Nach sieben Verhandlungsrunden blieb auch ein vorerst letztes Angebot der VC nach ihren Angaben ohne Reaktion.
Die Kabinengewerkschaft Ufo will ohne Urabstimmung der knapp 20.000 Beschäftigten mit einem Warnstreik Verhandlungen zu Tarifverträgen bei der Kerngesellschaft Lufthansa und der Regionaltochter Cityline erzwingen. Allein dort seien wegen der Konzernstrategie rund 800 Jobs bedroht. Ufo will hier einen tariflichen Sozialplan aushandeln, der bislang vom Management verweigert werde.
Warum steht die Konzernstrategie in der Kritik?
Das fliegende Personal reibt sich seit Jahren an der Strategie des Vorstands, mit neu gegründeten Flugbetrieben (AOC) die etablierten Airlines samt ihrer gut dotierten Arbeitsplätze unter Druck zu setzen. Die Passagiere sollen davon möglichst wenig bemerken. Aus Sicht des Unternehmens wirtschaftet gerade die Kerngesellschaft Lufthansa zu teuer.
Die neuen AOCs sollen touristische Flüge (Discover) und Zubringerverkehr (City Airlines) mit billigeren Crews kostengünstiger gestalten. Dort werden dann auch neue Flugzeuge eingesetzt oder sogar von den Altgesellschaften hinverlagert.
Die bisherige Regionaltochter Lufthansa Cityline mit rund 30 Flugzeugen steht vor dem Aus. Noch sind die neuen Gesellschaften im Konzernrahmen von rund 740 Flugzeugen verhältnismäßig klein. City Airlines zählt aktuell 14 Flugzeuge und Discover hat 30 Mittel- und Langstreckenflugzeuge in der Flotte.
