Diebe im Skigebiet – Reise

Skifahren? Aber ja! Kaum etwas macht im Winter mehr Spaß als das schnelle Gleiten auf griffiger Schneeunterlage. Aber das gilt natürlich nicht für die Weihnachtsferien, schon gar nicht für die soeben zu Ende gegangenen.

Wer in den vergangenen zwei Wochen auf Skipisten unterwegs war, konnte mal wieder erleben, zu welchem Ergebnis folgende Rechnung führt: viele Menschen plus wenig Skifahrkenntnisse plus schmale Pisten minus ausreichend vorhandener Schnee. Unterm Strich standen Kollisionen, herrenlose Snowboards, die die Hänge hinunterschossen, und Skifahrer, die von der Piste abkamen und abstürzten.

Bei so wenig Schnee auf beiden Seiten der Alpen ist es ein Winter-Wunder, dass das Skifahren überhaupt möglich ist. Natürlich nur mit großem Aufwand aus den Schneekanonen, die wegen der gerade herrschenden Eiseskälte immerhin ihren teuren Dienst verrichten. Und nicht zu vergessen die vielen Pistenraupenfahrer, die Nacht für Nacht ihre monotone Arbeit leisten, um den wenigen Schnee, den die Skifahrer tagsüber nach unten gecarvt haben, wieder auf der gesamten Pistenfläche zu verteilen. Ihnen soll hiermit auch einmal unser aller Skifahrer-Dank ausgesprochen werden!

Insbesondere gilt dies für jene Männer, die in einer der vergangenen Nächte um 3.30 Uhr im Tiroler Skiort Fieberbrunn neben ihrem regulären Dienst auch noch einem Auto aus der Patsche halfen, das sich auf einer flachen Piste an der Talstation festgefahren hatte. Laut ORF schoben die Pistenraupenfahrer das SUV an, damit es auf die nahe gelegene Straße kam und davonfahren konnte.

Allerdings muss ihnen dabei aufgefallen sein, dass die zwei Männer seltsame Sturmhauben trugen und im Kofferraum des Autos ein kantiges Ding aus Metall lag, das verdächtig nach einem Tresor aussah. Jedenfalls alarmierten die wackeren Pistenraupenfahrer sogleich die Polizei, die augenblicklich eine Fahndung einleitete. Wenig später wurde das Auto von einer Streife angehalten. Es stellte sich heraus, dass die beiden Männer tatsächlich einen Safe im Kofferraum hatten. Der stammte aus einem Lokal an der Talstation. Ob es ein Après-Ski- oder nur ein Kaiserschmarrn-Lokal war, wurde von der Polizei nicht mitgeteilt. Auch über den Geldbetrag, der im Safe war, erfuhr man nichts. Aber angesichts der in den Weihnachtsferien zahlreich anwesenden Urlauber dürfte er nicht klein gewesen sein.

Zudem wurden das Auto und die zwei Diebe von einer Webcam aufgenommen, die normalerweise die Schneelage im Skigebiet übermittelt.

Was sagt uns das nun alles, außer dass hier eher dilettantische Diebe am Werk waren? Jedenfalls welche, die nicht so schlau waren wie die Kollegen, die ebenfalls in den Weihnachtsferien in Gelsenkirchen etwa 100 Millionen Euro aus den Schließfächern einer Bank geraubt hatten, nachdem sie von einem leeren Parkhaus aus ein Loch in die Stahlbetonwand gebohrt hatten. Hinterher bezahlten sie brav ihr Parkticket und fuhren davon.

Zuvörderst gibt die Tiroler Episode Zeugnis von der großen Hilfsbereitschaft der Pistenraupenfahrer, die halt jedem Gast, ob ungebeten oder nicht, zu Hilfe eilen, wenn es ein Problem gibt. Und sei es um 3.30 Uhr. Schließlich könnte sich da der ein oder andere Niederländer schon aufmachen, um nach den Weihnachtsferien wieder zurück nach Rotterdam zu fahren.

Fassen wir also zusammen: Der Tiroler Skigebietsmitarbeiter ist sehr hilfsbereit, aber er ist nicht dumm. Denn er kann eins und zwei zusammenzählen. SUV plus zwei Männer mit Sturmhauben um 3 Uhr nachts plus tresorartiges Ding im Kofferraum ist ungleich Skiurlauber.

Dem Autor wurde einmal seine gesamte Skiausrüstung geklaut – in der Schweiz!
Dem Autor wurde einmal seine gesamte Skiausrüstung geklaut – in der Schweiz! (Foto: Bernd Schifferdecker (Illustration))