Die Spitzenverdiener im Cockpit: So viel verdienen Lufthansa-Piloten

Die Spitzenverdiener im CockpitSo viel verdienen Lufthansa-Piloten

12.03.2026, 17:46 Uhr Christina-LohnerVon Christina Lohner

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Die durchschnittlichen Jahresgehälter im Cockpit sind sechsstellig. (Foto: picture alliance / SVEN SIMON)

Nicht nur im Vergleich zu anderen Fluggesellschaften, auch konzernintern zählen die Cockpit-Crews der Lufthansa zu den Topverdienern. Mit ihrem Streik wollen sie verhindern, dass diese Position weiter geschwächt wird.

Bereits zum zweiten Mal in den laufenden Tarifverhandlungen lassen die Piloten der Lufthansa ihre Arbeit ruhen, diesmal sogar zwei Tage lang. Personalvorstand Michael Niggemann zeigte sich empört: „Diese Eskalation ist in keiner Weise nachvollziehbar“ – vor allem in einer Zeit, in der der Iran-Krieg für ein neues Ausmaß geopolitischer Unsicherheit sorge. „Wir hätten eine weitere Eskalation sehr gerne vermieden“, hatte der Präsident der Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC), Andreas Pinheiro, erklärt. „Aber es liegt weiterhin kein Angebot vor.“

Während die Piloten der Regionaltochter Cityline für höhere Gehälter kämpfen, streiten die Tarifpartner bei der Kerngesellschaft und Lufthansa Cargo um höhere Betriebsrenten. Auch wenn die Gewerkschaft es zurückweist, geht es dabei nach Einschätzung von Beobachtern aber vielmehr um die internen Machtverschiebungen – und damit um noch viel mehr Geld.

Ein umfangreiches Sanierungsprogramm soll den Konzern effizienter machen. Während die günstiger arbeitenden Tochterunternehmen wachsen, verliert die Kernmarke an Bedeutung. Die Perspektiven für Piloten verschlechtern sich damit deutlich, denn bei den Töchtern wie Discover Airlines verdient die Cockpit-Crew weit weniger.

Bis zu 281.000 Euro plus Zulagen

Schon länger stellt die Lufthansa in erster Linie über Tochtergesellschaften ein, der Einstieg bei der Kernmarke ist für Piloten kaum noch möglich. Die auf der Internetseite des Konzerns ausgeschriebenen Stellen sind allesamt bei den günstigeren Airlines zu besetzen.

Bei der Kernmarke steigt ein Co-Pilot mit einem Fixgehalt von fast 89.000 Euro im Jahr ein, wie VC ntv.de bestätigte. Kapitäne in der höchsten Erfahrungsstufe können jährlich mehr als 281.000 Euro verdienen – plus Zulagen.

Das sind Spitzenwerte in der Branche. Durchschnittliche Jahresgehälter liegen für Co-Piloten in Deutschland demnach bei insgesamt 100.000 Euro, für Kapitäne, die Mittelstrecke fliegen, bei etwa 135.000 Euro.

80.000 Euro weniger bei der Tochter

Bei der Lufthansa-Tochter Eurowings starten Co-Piloten nach Informationen des „Handelsblatts“ mit gut 70.000 Euro, eine Kapitänin oder ein Kapitän kann dort bis zu gut 202.000 Euro plus Zulagen verdienen, also fast 80.000 Euro weniger als bei der Kernmarke. Dabei spielt auch eine Rolle, dass die Kurz- und Mittelstrecken niedriger vergütet werden als Langstreckenflüge. Luftfahrtexperte Gerald Wissel spricht trotzdem von einer Zweiklassengesellschaft bei der Lufthansa-Gruppe.

Die Gehaltsspanne ist je nach Tätigkeit und Berufserfahrung in der gesamten Branche riesig, die Konditionen unterscheiden sich je nach Fluggesellschaft massiv. Co-Piloten starten nach VC-Angaben mit einem Monatsgehalt zwischen 1500 und 6500 Euro brutto. Nach 3 bis 20 Jahren können sie zum Kapitän aufsteigen, dann liegt das Anfangsgehalt demnach zwischen 3000 und 12.000 Euro. Bei der Lufthansa dauert das allerdings 18 bis 20 Jahre, wie VC-Präsident Pinheiro ntv.de erklärt hatte.

Zunächst einmal müssen Piloten zudem hohe Ausbildungskosten begleichen, laut VC 60.000 bis 120.000 Euro. Für spezielle Berechtigungen verlangen einige Fluggesellschaften demnach außerdem weitere Zigtausend Euro. Am Ende der Karriere winkt dafür zumindest bei der Lufthansa eine stattliche Rente, Personalvorstand Niggemann zufolge rund 8400 Euro im Monat inklusive rund 3000 Euro aus der gesetzlichen Rentenversicherung. Die Gewerkschaft wies den Wert zurück: „Die meisten Pilotinnen und Piloten gehen voraussichtlich mit einer betrieblichen Altersversorgung zwischen 2000 und 5000 Euro in den Ruhestand, den Höchstbetrag erreicht dabei nur eine sehr kleine Gruppe.“

Früher hatten die Lufthansa-Piloten eine klassische Betriebsrente mit garantierten Zahlungen. Das 2017 eingeführte kapitalmarktfinanzierte Modell verfehlt das frühere Rentenniveau laut VC deutlich, die Renditen lägen weit unter den Erwartungen. Der Vorruhestand ist bei der Lufthansa schon ab 55 Jahren möglich.

Der Arbeitgeber soll nach dem Willen der Arbeitnehmer höhere Rentenbeiträge zahlen. „Bei einem Grundgehalt von 10.000 Euro und 3000 Euro Zulagen zahlt der Arbeitgeber aktuell rund 820 Euro“, rechnete Tarifkommissionssprecher Arne Karstens vor. Dieser Beitrag würde mit den Forderungen um rund 1800 Euro im Monat steigen.

Der Job ist fordernd: Schicht- und Nachtarbeit nach einem strikten Dienstplan. Die Gewerkschaft sieht in den Arbeitsbedingungen einen Grund für den zunehmenden Mangel an Piloten. Im Vergleich zu anderen Berufen lässt sich jedoch immer noch sehr gut verdienen, bereits die Einstiegsgehälter übersteigen teils den branchenübergreifenden Durchschnittsverdienst. Aber eben nur bei einzelnen Airlines – das untere Ende der Gehaltsspanne liegt im Bereich deutlich weniger spezialisierter Berufe.

Zum Vergleich: Über alle Branchen hinweg betrug das Durchschnittsgehalt von Vollzeitbeschäftigten im vergangenen April laut Statistischem Bundesamt knapp 4800 Euro brutto. Das durchschnittliche Jahresgehalt einschließlich Sonderzahlungen lag 2024 bei gut 62.200 Euro, also knapp 5200 Euro monatlich. Der mittlere Jahresverdienst von Vollzeitbeschäftigten betrug knapp 52.200 Euro brutto – die Hälfte verdiente mehr, die Hälfte weniger. Auf den Monat umgerechnet sind das 4350 Euro.

Der aktuelle Streik fällt deutlich kleiner aus als vor einem Monat, bei Lufthansa Cityline auch nur einen Tag lang. Damit mindestens die Hälfte der Lufthansa-Flüge stattfinden, setzt die Airline auf der Langstrecke auch Piloten ins Cockpit, die ins Management gewechselt sind, aber ihre Lizenz aufrechterhalten. Die Karrierechancen von Lufthansa-Piloten sind somit vielfältig, selbst am Boden.

Dieser Artikel erschien erstmals am 12. Februar und wurde aktualisiert.

Quelle: ntv.de