Manchmal – vielleicht sogar: vor allem – ist Lyrik einfach Klang, abgekoppelt von jeder konkreten Bedeutung. Als Sofia Jernberg auf der Aula-Bühne der Kölner Universität ans Mikrofon tritt, hat man bereits mehrere Gedichte im Original gehört und man wird noch weitere hören, vorgetragen von Dichterinnen und Dichtern aus Dänemark, Brasilien, Haiti. Und nur, wer die jeweilige Sprache beherrscht, sucht beim ersten Zuhören nach dem Sinn des Gelesenen. Die Übrigen müssen warten, bis Lavinia Nowak oder Hasti Molavian vom Ensemble des Schauspiels Köln die Übersetzung nachreichen. Das ist ein Geschenk, denn so kann man ganz dem Klang nachhorchen, so wird bei der Eröffnungs-Soiree des elften Kölner Lyrikfestivals Poetica die Stellung dieser Gattung als Übergangsbereich zwischen Sprache und Musik besonders deutlich.
