DFB-Team: Klare Rollen, kaum Diskussionen vor der WM

Julian Nagelsmann bei der Einwechslung von Deniz Undav

Stand: 31.03.2026 • 10:11 Uhr

Keiner sticht so heraus, dass zwingend über eine andere Rolle diskutiert werden müsste, und es fällt auch keiner so ab, dass es nötig wäre. Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft steuert so ruhig wie selten auf eine Weltmeisterschaft zu.

Möglicherweise spielte Aberglaube eine Rolle. Jedenfalls legte der Deutsche Fußball-Bund das erste Heimspiel des Kalenderjahres nach Stuttgart, und der letzte Test in Deutschland vor dem Abflug zum Turnier wird in Mainz ausgetragen. So war das auch 2014, als die deutsche Nationalmannschaft letztmals Weltmeister wurde.

Das Spiel in Stuttgart endete damals glücklich mit einem 1:0-Sieg gegen Chile. Das Tor schoss Mario Götze, der dann auch ein paar Monate später das einzige Tor im Finale gegen Argentinien schoss. Bei seiner Einwechslung hatte Bundestrainer Joachim Löw ihm mitgegeben, er solle der Welt zeigen, dass er besser sei als Messi.

Klare Rollen für Undav, Kimmich und Goretzka

Was Julian Nagelsmann seinem Einwechselspieler Deniz Undav mitgab, ist nicht bekannt. Er gab ihm allerdings später einen mit, als er dem Stuttgarter Stürmer am Mikrofon der Sportschau offen sagte, dass sein Siegtreffer zum 2:1 gegen Ghana wenig bis gar nichts an seiner Rolle ändere.

Undav ist als Einwechselspieler vorgesehen, genau wie Alexander Nübel als zweiter Torhüter, Joshua Kimmich als Rechtsverteidiger und Leon Goretzka als vorgeschobener „Sechser“. Die Inhalte der inzwischen berühmten Rollengespräche, die Nagelsmann schon vor den beiden Testspielen gegen die Schweiz und Ghana führte, sollten eher ein Geheimnis bleiben, aber vieles gab der Bundestrainer dann doch preis, und einiges lässt sich aus den Aufstellungen und Andeutungen auch recht leicht schlussfolgern.

Erstaunliche Ruhe kurz vor der WM

In etwa sechs Wochen wird Nagelsmann seinen Kader für die Weltmeisterschaft bekannt geben, und es deutet vieles darauf hin, dass Deutschland um große und laute Debatten herumkommt.

Die lautstarken Rufe nach Undav waren sicher zum großen Teil der Tatsache geschuldet, dass er beim VfB Stuttgart spielt und ohnehin ein Sympathieträger ist. Die Pfiffe gegen Leroy Sané, die Undav und auch der Bundestrainer anprangerten, waren wohl auch dem Umstand geschuldet, dass es Sané noch nie darauf anlegte, Sympathieträger sein zu wollen. Wenn er dann auch noch schwach spielt – wie in der Schweiz – ist er ein beliebtes Opfer von Pfiffen. Aber der kleine Aufreger war dann auch schon wieder vergessen, als Sané den Siegtreffer von Undav vorbereitete.

Es ist fast schon beängstigend ruhig um die Nationalmannschaft so kurz vor einer WM, und dabei dürfte eine große Rolle spielen, dass die Rollen weitestgehend bekannt sind und sich kaum jemand daran stört.

Offene Fragen keine großen Aufreger

Antonio Rüdiger statt Nico Schlotterbeck? Lennart Karl statt Leroy Sané? Felix Nmecha statt Goretzka neben Aleksandar Pavlović auf der Doppelsechs, wie von ARD-Experte Bastian Schweinsteiger gewünscht. Solche Fragen können durchaus diskutiert werden, aber sie haben nicht annähernd das Potenzial wie etwa 2006 die Frage, ob Oliver Kahn oder Jens Lehmann im Tor stehen sollen.

Manche Fragen werden vielleicht auch gar keine Fragen sein. Nmecha fällt länger aus und es ist fraglich, ob er rechtzeitig zum Turnier wieder fit wird. Ein gesunder Jamal Musiala wird seinen Platz in der ersten Elf finden, und dann dürften wahrscheinlich Sané und Karl zunächst auf der Bank sitzen.

Ist Deutschland stark genug für den Titel?

Eine Frage, die sich traditionell immer nach den ersten Länderspielen des Jahres vor einem Turnier stellt, ist die, ob Deutschland stark genug für den Titelgewinn ist. Ghanas inzwischen entlassener Trainer Otto Addo glaubt, dass es so ist. Er sieht die Auswahl des DFB auf einer Stufe mit Spanien, Frankreich und Brasilien.

Julian Nagelsmann sieht die Mannschaft zumindest auf einem guten Weg. Die Leistung gegen Ghana gefiel ihm besser als die beim 4:3 gegen die Schweiz. Darüber ließe sich diskutieren, aber das ist ein bisschen aus der Mode gekommen.

Es plätschert in Richtung einer Weltmeisterschaft, die abseits der Stadien so viele Fragen offenhält, dass der Sport auch seine fest definierte Rolle hat – noch ist es eine untergeordnete.