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Christian Wück – Müssen schauen, dass wir punktuell experimentieren“ (4 Min)
DFB-Frauen
Stand: 02.03.2026 20:18 Uhr
Mit der Partie gegen Slowenien starten die deutschen Fußballerinnen am Dienstagabend in die Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2027 in Brasilien. Alles andere als ein klarer Erfolg des Rekordeuropameisters in Dresden gegen den krassen Außenseiter wäre eine große Überraschung.
In „Elbflorenz“ soll sie also beginnen, die deutsche Reise an den Zuckerhut. Der Trip zum Titel. Denn der dritte WM-Sieg ist natürlich das Ziel der DFB-Frauen – auch wenn dies eineinhalb Jahre vor Beginn des Turniers (24. Juni bis 25. Juli) noch niemand im deutschen Lager so offensiv kommunizieren wird. Nach dem peinlichen Vorrunden-Aus bei der Weltmeisterschaft 2023 in Australien und Neuseeland gehört Demut mehr denn je zum deutschen Portfolio. Zumal der bis dato letzte Weltmeisterschafts-Triumph aus dem Jahr 2007 datiert.
Also stimmen sich Deutschlands Fußballerinen zunächst nur auf den vermutlich keinesfalls leichten Weg durch die Qualifikation ein. Denn in Norwegen und Österreich gibt es dort zumindest zwei Kontrahenten, die ihnen richtig gefährlich werden könnten im Kampf um den Gruppensieg und dem damit verbundenen direkten Sprung nach Brasilien. „Es wird nicht einfach. Wir sind in der Gruppe natürlich Favorit. Aber gegen Norwegen, Slowenien und Österreich muss man erst einmal gewinnen“, sagte Bundestrainer Christian Wück der Sportschau.
Gegen Außenseiter Slowenien sind am Dienstag (17.45 Uhr, live im Ersten und bei sportschau.de) drei Punkte Pflicht. „Nichts zählt außer einem Sieg. Mit der Einstellung gehen wir da rein“, sagte Verteidigerin Carlotta Wamser von Bayer Leverkusen. „Pure Freude auf das erste Spiel“ verspürt Stürmerin Lea Schüller, die erstmals nach ihrem Winter-Wechsel vom FC Bayern München zu Manchester United für das Nationalteam auflaufen wird.
Viele Ausfälle – Wück dennoch zuversichtlich
Drei ihrer früheren Teamkameradinnen vom FCB, Klara Bühl, Alara Şehitler und Lena Oberdorf, hat die 28-Jährige dabei im Kreise des Nationalteams nicht angetroffen. Das Trio fehlt ebenso wie Giovanna Hoffmann (RB Leipzig), Sophia Kleinherne (VfL Wolfsburg), Selina Cerci (TSG Hoffenheim), Bibiane Schulze Solano (Athletic Bilbao) und Kathrin Hendrich (Chicago Red Stars) aus Verletzungsgründen.
Der Start ins neue Fußball-Jahr, für Wück begann er bei der Kaderzusammenstellung gleich mit ein wenig Kopfschmerzen. Wobei Bühl zunächst ja noch dabei war, bevor sich die 25-Jährige dann am Sonntag im Training am Campus in Frankfurt eine muskuläre Verletzung zuzog. „Wir müssen schauen, wie wir das auffangen können. Aber wir haben Qualität – vor allem auch in der Offensive. Und deswegen glaube ich schon, dass wir in der Offensive unsere Glanzlichter setzen werden“, sagte Wück am Montag auf der Pressekonferenz für die Partie.
Insbesondere der Ausfall der Weltklassestürmerin Bühl wiegt jedoch fraglos schwer. Denn im Angriff hat der Bundestrainer nach dem Abschied von Alexandra Popp ein Thema. Eine Spielerin, die fußballerische Klasse, physische Wucht und mentale Stabilität so wie die Wolfsburgerin vereint, fehlt aktuell im deutschen Kader. In Schüller steckte eine der designierten Popp-Nachfolgerinnen zuletzt im Formtief. Hoffmann kämpft nach einem Kreuzbandriss um ihr Comeback und die hochveranlagte Cerci ist nun auch von einer Verletzung ausgebremst worden.
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Werder-Stürmerin Mühlhaus vor Nationalteam-Debüt
Für die gebürtige Kielerin nominierte Wück Larissa Mühlhaus von Werder Bremen nach. Die 23-Jährige, mit zehn Treffern gemeinsam mit Popp und Pernille Harder aktuell Dritte der Bundesliga-Torschützinnenliste, steht damit vor ihrem Debüt in der A-Nationalmannschaft. Vom Spielerinnen-Typ her ähnelt die gebürtige Hamburgerin Popp sehr. Wohl auch deshalb fiel die Wahl Wücks auf sie. Vanessa Fudalla (Bayer Leverkusen), die gemeinsam mit Cerci die Torschützinnenliste anführt, schaut wieder einmal in die berühmte Röhre.
„Ich sehe eine Diskrepanz zwischen der nationalen und der internationalen Liga. Ich muss einschätzen, welche Spielerin es schafft, international zu bestehen und von der wir als Nationalmannschaft profitieren können“, begründete Wück die Nicht-Berücksichtigung der 24-Jährigen. „Ich sehe andere Spielerinnen vor Vanessa. Und diese Einschätzung hat sich nach den letzten Bundesliga-Spielen auch nicht verändert“, ergänzte der Bundestrainer.
Schüller mit besten Chancen als Bühl-Ersatz
Gegen vermutlich tiefstehende Sloweninnen könnte Schüller mit all ihrer Erfahrung und trotz zwischenzeitlicher Formkrise fraglos vorhandener Klasse gute Chancen haben, die Mittelstürmerin-Postion einzunehmen. „Sie ist im Training da, sie macht ihre Tore, sie ist relativ abgeklärt vor dem Tor. Ob es für morgen reicht, das sehen wir dann morgen“, erklärte Wück am Montag. Fest steht: Zwei Außenangreiferinnen sollen für viele Flanken und Hereingaben in den Strafraum sorgen. Wer sie sein werden, ließ der Bundestrainer noch offen.
Vielleicht nutzt er die Partie gegen Weltranglisten-38. dazu, personell ein wenig etwas auszuprobieren. In Anbetracht der bisherigen Ergebnisse in den Duellen mit Slowenien (13:0, 4:0, 6:0, 4:0) und der individuellen Überlegenheit seines Teams hätte er dazu in Dresden die Gelegenheit. Die ganz große Rotation wird es laut dem Bundestrainer aber nicht geben. „Wir müssen schauen, dass wir punktuell experimentierten. Ich werde jetzt nicht drei, vier Positionen neu besetzen“, erklärte der Ex-Profi.
Für das DFB-Team gilt es aber unabhängig von der Besetzung, mit den Kräften sorgsam zu haushalten. Denn am Sonnabend (18 Uhr) steht in Norwegen schon das zweite Qualifikationsspiel an. Und der zweimalige Europameister gilt als härtester deutscher Konkurrent im Kampf um den Gruppensieg und könnte zum Stolperstein auf dem anvisierten Weg nach Brasilien werden.
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Lea Schüller – „Wollen dominant auftreten“ (2 Min)
Slowenien will Deutschland mutig begegnen
Für Slowenien dürfte das Weltmeisterschafts-Ticket indes ein großer Traum bleiben. Deutschlands Auftaktgegner ist der große Außenseiter in der Gruppe A. Noch nie gelang den Fußballerinnen des kleinen Landes die Qualifikation für eine WM oder EM. Mit dem Aufstieg von der Gruppe C in die Gruppe A der UEFA League binnen zwei Jahren hat das Team nun aber für Furore gesorgt. Verantwortlich dafür zeichnet maßgeblich Trainer Saša Kolman, der das Amt im Herbst 2023 übernahm.
„Wir werden sie attackieren.“
Saša Kolman, Nationaltrainer von Slowenien
„Wir haben zwei Jahre lang gearbeitet und in dieser Zeit eine Spielweise gefunden, die uns liegt. Das haben wir mit Erfolgen untermauert. Wir haben uns eine eigene Identität erarbeitet. Die Erwartungen sind einfach: Wir bleiben uns treu und spielen so, wie wir es immer getan haben. Das bedeutet, wir werden keine Angst haben, wir werden mutig bleiben und angreifen“, sagte der 41-Jährige.
Schon das DFB-Team soll das slowenische Selbstvertrauen zu spüren bekommen. „Wir werden sie attackieren. Wie viel Deutschland uns erlaubt, ist eine andere Frage“, sagte der Ex-Profi, der in seiner aktiven Karriere unter anderem kurz beim färöischen Fußballclub FC Suðuroy seinen Lebensunterhalt verdiente.
16 von 21 slowenischen Spielerinnen im Ausland tätig
Die Telefonrechnung von Kolman und damit dem slowenischen Fußballverband, dem Nogometna zveza Slovenije, dürfte sich in Monaten mit Nationalmannschaftspartien in schwindelerregenden Höhen bewegen. Denn der Coach muss Anrufe in die ganze Welt tätigen, um seine Aktuerinnen über ihre Nominierungen zu unterrichten. So stehen 16 der 21 Spielerinnen des Aufgebots bei Vereinen außerhalb ihrer Heimat unter Vertrag – in Adrijana Mori (Turbine Potsdam), Sara Agrež (FC Köln) und Maja Sternad (Werder Bremen) drei von diesen Legionärinnen in Deutschland.
Doch auch in Belgien, Frankreich, England, Italien, Portugal, Österreich, den USA und sogar Saudi-Arabien (Zala Meršnik) haben slowenische Nationalspielerinnen ihre Zelte aufgeschlagen. Auf die DFB-Equipe wartet also ein Gegner, der mit viel internationaler Erfahrung im Gepäck nach „Elbflorenz“ anreist. „Wir haben uns das hart erarbeitet und erkämpft. Jetzt gilt es, diese Chance zu nutzen und zu zeigen, dass wir nicht zufällig hier sind“, gibt Kolman die Marschroute für das Duell mit dem Rekordeuropameister aus.




