

Der ehemalige deutsche Außenminister Joschka Fischer (Grüne) hat sich für eine europäische Atombombe ausgesprochen. „Europa muss das machen, denn die amerikanische Schutzgarantie ist ab sofort ungewiss“, sagte Fischer dem „Tagesspiegel“. Eine rein nationale atomare Bewaffnung Deutschlands lehnte er aber ab.
Eine der wichtigsten Lehren aus der deutschen Geschichte sei für ihn, „dass Deutschland zwar in der Verantwortung steht, eine Führungsrolle in Europa zu übernehmen, aber immer gemeinsam mit den anderen“, sagte der ehemalige Außenminister. Die Aufrüstung sei allerdings notwendig. Es sei nur durch Stärke und Abschreckung möglich, einen „aggressionsbereiten Nachbarn“ von einem Überfall abzuhalten. „Zu lange sind wir der Illusion vom angeblich ewigen Frieden in Europa aufgesessen“, sagte Fischer. Wäre er heute jung, würde er Wehrdienst leisten, so Fischer weiter. Die Zeit sei „eine andere. Wir werden bedroht. Wir müssen uns verteidigen.“
Unterdessen werden Rufe von Experten nach einer deutschen Atombombe lauter. „Die nukleare Frage ist der Kern der nationalen Souveränität eines Staates“, sagte der Präsident der Stiftung Haus der Geschichte in Bonn, Harald Biermann, der „Rheinischen Post“. Auch Deutschland müsse sich dieser Frage stellen, forderte er. Es gehe um die Existenz der Bundesrepublik Deutschland. Auch Joachim Krause, der lange am Institut für Sicherheitspolitik der Universität Kiel lehrte, fordert ein „Nachdenken über den Schutz Deutschlands durch eigene oder europäische Atomwaffen“. Die Entwicklung deutscher Atombomben ist dabei laut Fachkreisen kein Hindernis. Rainer Moormann, der als Chemiker mehr als drei Jahrzehnte am Forschungszentrum Jülich zur Nukleartechnik forschte, sagt, Deutschland wäre „innerhalb von drei Jahren in der Lage, eine Atombombe zu bauen“.