

Eine Viertelmillion Kinder hat in Hessen vor ihrer Einschulung von zusätzlicher Sprachförderung profitiert. Sie waren Teilnehmer der sogenannten Vorlaufkurse, die das Bundesland Hessen zum Schuljahr 2002/03 eingeführt hat. Seit dem Schuljahr 2021/22 ist das Sprachtraining für Kindergartenkinder, bei denen Defizite im Deutschen festgestellt wurden, verpflichtend. Hessen, das Flächenland mit der höchsten Migrationsquote, habe die Deutschförderung vor der Grundschule erfunden, stellte Bildungsminister Armin Schwarz (CDU) am Donnerstag fest. Bayern und Nordrhein-Westfalen führten nun Angebote nach hessischem Vorbild ein.
Gegenwärtig bereiten sich nach seinen Angaben landesweit rund 16.800 Kinder in etwa 2400 Vorlaufkursen auf ihr erstes Schuljahr vor. Das entspreche fast einem Drittel des Jahrgangs. Bei allen Kindern wurde im Rahmen der Sprachstandserhebung anderthalb Jahre vor der Einschulung ein sprachlicher Förderbedarf festgestellt. Deshalb müssen sie zur Vorbereitung auf den Schulanfang ein Jahr lang den Vorlaufkurs besuchen.
Ein Sprachtest entscheidet
Diese liegen in der Verantwortung von Schulen, die Kinder kommen dazu stundenweise in eine Grundschule oder werden direkt in der Kindertagesstätte gefördert. Nach den Angaben des Ministeriums schaffen etwa 95 Prozent der Teilnehmer anschließend den Sprung in die erste Klasse. Die anderen würden vom Unterricht zurückgestellt, lernten weiter Deutsch und könnten im Verlauf des Schuljahres nachrücken.
Am Start des Programms im Schuljahr 2002/03 waren auf freiwilliger Basis 4850 Kinder beteiligt. Heute sind im Durchschnitt in jedem Kurs sieben Kinder, die etwa acht Wochenstunden Deutschförderung erhalten. Sind die Kurse größer, erhöht sich die Stundenzahl. Etwa die Hälfte der jungen Teilnehmer hat eine ausländische Staatsbürgerschaft. Von den Erstklässlern in Hessen hat mehr als die Hälfte einen Migrationshintergrund.
Die positiven Effekte ließen sich an Zahlen ablesen, sagte Bildungsminister Schwarz. Danach seien die Zurückstellungen zum Schulstart aus sprachlichen Gründen deutlich zurückgegangen. Auch die Zahl der Schüler, die Klassen wiederholen müssen, sei gesunken. Und Hessen gehöre zu den Bundesländern, in denen die wenigsten Jugendlichen ohne qualifizierten Abschluss die Schule verlassen.
Auf der anderen Seite liege die Quote ausländischer Schüler an beruflichen Schulen, die eine Qualifikation für ein Studium haben, über dem Bundesdurchschnitt. Und im bundesweiten „Bildungsmonitor“ der „Initiative Neue soziale Marktwirtschaft“ falle der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg in Hessen besser aus als im Durchschnitt der anderen Länder.
